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Aussteiger geben Krostitzer Achtklässlern Einblick in rechte Szene

Extremismus Aussteiger geben Krostitzer Achtklässlern Einblick in rechte Szene

Anschauliche Einblicke in das rechte Milieu gewährten kürzlich in der Oberschule Krostitz zwei Aussteiger aus der Szene den Achtklässlern. Zum Projekt „Aussteiger berichten aus der rechten Szene“ hatte Schulsozialarbeiterin Susann Schördling Michael Ankele, Sozialpädagoge im Aussteigerprojekt „ad acta“ eingeladen.

Zum Schulprojekt „Aussteiger berichten aus der rechten Szene“ haben sich die Achtklässer den Sozialpädagogen Michael Ankele sowie Christoph Sorge und Maik Scheffler (von links) eingeladen.

Quelle: Thomas Steingen

Krostitz. Um Themen wie Rechtsextremismus Schülern anschaulich vermitteln zu können, arbeitet die Oberschule Krostitz bei Toleranz-Projekten seit Längerem mit dem Bildungswerk Sachsen zusammen. Zum Projekt „Aussteiger berichten aus der rechten Szene“ kam kürzlich Michael Ankele, Sozialpädagoge im Aussteigerprojekt „ad acta“ des Vereins „Projekt 21 II“, in die beiden achten Klassen. Mitgebracht hatte er zwei Aussteiger aus der rechten Szene – Christoph Sorge und Maik Scheffler. Sie schilderten aus eigenem Erleben die Facetten des Rechtsradikalismus, wie sie in die rechte Szene gerieten und die Folgen, mit denen Aussteiger in ihrem neuen Leben fertig werden müssen. Beide betonten, dass es ihnen wichtig sei, bei den Jugendlichen Denkprozesse in Gang zu setzen und wie Maik Scheffler sagte, „ein Pflänzchen zu säen“, dass ihnen Fehler, wie er sie beging, erspart blieben.

Ehrliche Antworten

Christoph Sorge hat Michael Ankele schon mehrfach nach Krostitz begleitet. „Unsere Schüler sind gerade von diesem Projekt begeistert. Sie können zuhören, müssen keine Rollen spielen und dürfen vor allem Fragen stellen, die ihnen Christoph bisher immer alle sehr ehrlich und offen beantwortet hat“, schildert Schulsozialarbeiterin Susann Schördling.

Maik Scheffler, einst stellvertretender NPD-Landesvorsitzender und Propagandist in der rechten Szene, ist seit zwei Jahren in einem Aussteigerprogramm. Durch Enttäuschung sei sein Weltbild zusammengebrochen, erzählte er und von dem Druck, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Im Internet erkannte er in einem Aussteigerbericht seine eigene Welt. „Als ich in den Spiegel sah, stand vor mir ein 19-Jähriger mit 9000 Euro offenen Gerichtskosten, mal wieder ohne Arbeit, isoliert von all seinen früheren Freunden, seiner Familie und einem unerklärlichen Hass auf alles, was nicht seinem Weltbild entsprach“, schreibt er in seinem Aussteigerbericht, der in diesem Projekt besprochen wurde.

Schwerer Schritt

Ein Ausstieg aus der Szene sei schwer und ohne Sozialarbeiter kaum möglich, so Scheffler weiter. „Als ich Zweifel hatte, wurde ich fallengelassen, als Verräter beschimpft und dem einstigen Feindbild gleichgesetzt.“ Weil ein Ausstieg in der Szene Verrat bedeutet, muss man mit massiven Bedrohungen rechnen. „Oftmals ist ein neues Wohnumfeld nötig. Die Suche nach einer Arbeits- oder Ausbildungsstelle gestaltet sich auch schwierig. Hohe Schulden sind ebenfalls ein Problem, aus dem mancher junge Mensch ohne Hilfe von außen nicht mehr herausfinden kann“, erklärte Sozialpädagoge Ankele den Schülern.

Christoph Sorge ist heute selbstständig, Maik Scheffler als Dozent in der Erwachsenenbildung tätig. Wie er berichtet, hat er in dieser Eigenschaft unter anderem eine Gruppe syrischer Männer als Deutschlehrer unterrichtet. Die Kontakte mit diesen Menschen sowie die herzlichen Begegnungen mit ihnen auch außerhalb des Unterrichtes halfen ihm, Vorurteile abzubauen. Einige von ihnen gehörten heute zu seinen neuen Freunden. Scheffler räumt aber auch ein, dass der Weg zu gesellschaftlicher Anerkennung ein steiniger sei. „Veranstaltungen wie die hier in Krostitz helfen mir, wieder im normalen Leben Fuß zu fassen“, so der ehemalige Hassprediger.

Wie er versicherte, bedaure er im Nachhinein sein Wirken als Propagandist. In dieser Eigenschaft sei er zwar nicht als Gewalttäter in Erscheinung getreten, aber als geistiger Täter, „was eigentlich noch schlimmer ist“. Deshalb wiesen die Gäste auch darauf hin, dass bei der Auseinandersetzung mit der rechten Szene unbedingt zwischen der Straßen- und der intellektuellen politischen Szene zu unterscheiden sei.

Von Thomas Steingen

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