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Ausstellung im Delitzscher Schloss betrachtet das Thema aus Sicht des geteilten Sachsens

Reformationsjubiläum Ausstellung im Delitzscher Schloss betrachtet das Thema aus Sicht des geteilten Sachsens

Im Museum Barockschloss Delitzsch ist seit Mittwoch die Sonderausstellung „Friedrich versus Georg“, die sich mit der Reformation beschäftigt, zu sehen. Mit dem Buchdruck als Voraussetzung für die Verbreitung der lutherschen Ideen und den Auswirkungen der Reformation in der Delitzscher Region betrachtet sie das Thema aus einer besonderen Perspektive.

Auch zu den beiden sächsischen Herrschern Friedrich III. und Georg der Bärtige liefert die Ausstellung viele Informationen.
 

Quelle: Alexander Prautzsch

Delitzsch.  Das Reformationsjubiläum im kommenden Jahr ist nun auch in Delitzsch allgegenwärtig, denn im Museum Barockschloss Delitzsch greift die Sonderausstellung „Friedrich versus Georg“, die noch bis zum 6. November gezeigt wird, dieses Thema auf. Und wer hätte bei der Eröffnung besser in die Ausstellung einführen können als Katharina von Bora. Carmen Lutz, Museologin im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, erweckte auf faszinierende Weise die Ehefrau des Reformators zum Leben. Als Zeitzeugin tief greifender geistiger und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse des 16. Jahrhunderts, ist es überraschend aktuell, was sie in ihren Tischreden dem „Martinus“ zu sagen hat: „Stiften muss man den Frieden. Und wenn Frieden in jedem einzelnen Haus ist, dann ist Frieden im ganzen Land.“ Ganz der damaligen Rollenverteilung verpflichtet, ist sie als Hausherrin für das Wohl von rund 40 Seelen zuständig. Aus dieser Lebenspraxis heraus zeigt sie eine natürliche Geistigkeit und tiefe weibliche Urteilskraft, wenn sie bei der Hausarbeit über Armut, Gehorsam oder das Werk ihres Mannes sinniert.

Von Sünden freikaufen

Die Ausstellung sei so angelegt, dass sie das Thema aus einer Perspektive behandelt, „die es so in den neun Jahren Reformationsdekade noch nicht gegeben hat“, sagte Museumsleiter Jürgen Geisler. Deshalb trägt ihr Titel auch den Zusatz „Reformation, Buchdruck, Bildung im Spannungsfeld zweier sächsischer Fürsten“. Die Exposition steigt ein mit der Glaubenswelt vor der Reformation. Sie informiert dabei über Marienkult, die Angst vorm Fegefeuer, das Fasten oder den Ablasshandel des Mönchs Tetzel, bei dem sich Gläubige von Sünden freikauften.

 Buchdruck als Waffe

Der Buchdruck war eine wichtige Voraussetzung, dass sich Luthers Ideen verbreiten konnten, betonte der Historiker und Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Im Anfangsjahr der Reformation wurden in Deutschland 10 000 Flugschriften gedruckt, erfährt der Besucher. 30 davon kamen aus der Ackerbürgerschaft Eilenburg. „Scharfe Waffe der Reformation“ ist eine andere Informationstafel überschrieben, die darüber informiert, wie mitteldeutsche Offiziere brisante Texte drucken. Aber auch die Delitzscher Brüder Lucas und Markus Brandis, die als Wanderdrucker durchs Land zogen, finden sich in der Sonderschau wieder.

Luthers Befürworter und Gegner

In der Region Delitzsch/Eilenburg schafften die mit der Reformation einhergehenden Veränderungen ein besonderes Spannungsfeld, denn mittendurch verlief die Grenze des geteilten Sachsen. Während auf ernestinischer Seite mit Kurfürst Friedrich III. ein Luther-Befürworter herrschte, regierte den albertinischen Teil der Luthergegner und Anführer der Gegenreformation Herzog Georg. Das hatte natürlich Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Während in Eilenburg, Bad Düben oder Brehna die Gottesdienste nach lutherschem Vorbild gefeiert wurden, geschah das in Delitzsch nach katholischer Sitte. So kamen einfache Gläubige in Eilenburg beim Abendmahl in den Genuss, Wein kosten zu dürfen. In Delitzsch war das nur dem Priester vergönnt. Die Ausstellung berichtet von Gläubigen in Lehelitz und Krostitz, die das Abendmahl wiederholt in „beider Gestalt“ zelebrierten. Dafür wurden sie zeitweise mit Landesverweis und Enteignung bestraft. Ähnlich erging es drei Delitzscher Bürgern, die zu Ostern das Abendmahl nicht nach katholischem Brauch durchgeführt hatten. Sie kamen in Haft und erst nach Absolution des Pfarrers und dem Versprechen, sich an die katholischen Regeln zu halten, wieder frei.

Von Thomas Steingen

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