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Ausverkauf in Lindenhayn: Tante-Emma-Laden macht dicht

Ausverkauf in Lindenhayn: Tante-Emma-Laden macht dicht

Die Regale werden immer leerer. Ausverkauf. Das ist alles, was Christel Bendix noch machen kann. Bald wird sie ihren kleinen Laden in Lindenhayn schließen müssen.

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Leerer und leerer werden die Regale bei Christel Bendix. Sie wird ihren kleinen Kramladen schließen.

Quelle: Christine Jacob

LINDENHAYN. Zwei Jahre früher als von der 63-Jährigen geplant. Zwei Jahre Rentenpunkte werden ihr fehlen.

"Ich hätte das wirklich gerne noch zwei Jahre gemacht", bedauert Christel Bendix, "nicht nur wegen des Geldes. Das ist es nicht allein, ich habe meine Sache geliebt." Voller Stolz bezeichnet sie ihren Laden mitten im Dorf als Tante- Emma-Laden, einen "Kramladen". Waren des täglichen Bedarfs gibt es hier. Von der Kondensmilch, Tee und Kaffee, Gemüse und Zeitschriften sowie Klopapier und Nylonstrümpfe bis hin - immer mittwochs und freitags - zum frischen Brötchen. Hier ist nichts schick ausgeleuchtet, gibt es keine schrillen Aufsteller mit Werbebotschaft, ticken die Uhren noch langsam. Es gibt die unbezahlbaren Dinge: einen kleinen Plausch, ein offenes Ohr bei Tante Emma.

Christel Bendix sieht in ihrem Laden ein Stück Daseinsvorsorge auf dem Land. Doch Tante Emma stirbt. Demografischer Wandel, Discountertrend und Diktat des Geldes schnurren in ihrem Laden an der B 2 zusammen. Zwei Jahre aber wäre es wohl noch gegangen, wollte sie noch da sein, vor allem für ihre alten Leutchen. Es war kein Geschäft zum reich werden, sondern eines zum Rechnen.

Seit 2003 hatte Christel Bendix auch einen Vertrag mit der Deutschen Post, nahm Pakete und Briefe an, verkaufte Marken und solche Sachen. "Jetzt wurde der Vertrag geändert und ich sollte 50 Euro weniger dafür bekommen", schildert die 63-Jährige, "da ging es nicht mehr, ich konnte diesen Vertrag nicht unterschreiben".

Christel Bendix musste in den letzten Jahren immer härter für ihr Plus-Minus-Geschäft kalkulieren. 50 Euro weniger heißen: den Strom fürs Geschäft müsste ihr Mann oft von seinem Gehalt finanzieren, den Laden bezuschussen, weil es hinten und vorne nicht mehr reicht. Das geht nicht, das kann doch nicht Selbstständigkeit sein. Gemeinsam hatten sie 1991 den Laden ausgebaut, sie sich etwas geschaffen. Vorher war Christel Bendix im Lohnbüro der LPG. Genau gegenüber ihres Wohnhauses war der Konsum, als der bald nach der Wende geschlossen wurde, ergriff Christel Bendix die Initiative und baute einen alten Schuppen auf ihrem Grundstück aus.

Das Sortiment ist seit einer Weile reduziert. Verkaufte sie früher noch frische Wurst oder Milch, sind es heute eher die dauerhaft haltbaren Lebensmittel, ein paar Sachen in der kleinen Kühltheke. Regionale Waren hatte sie am liebsten im Sortiment. Noch immer kommen ihre Nudeln aus Radefeld, die Brötchen vom Krostitzer Bäcker und damit aus feinster Handarbeit - und die Eier bezieht sie von Haltern aus Lindenhayn oder ihren eigenen Hühnern. Es sei nicht allein die Misere mit der Post, betont Christel Bendix, das habe jetzt nur den bitteren Ausschlag gegeben, Schluss zu machen. "Bei einer Tante Emma zeigt sich der Wandel unserer Dörfer, das Dorfleben von einst gibt es nicht mehr", blickt sie auf die rauschenden Autos der B 2. Wer keine Arbeit mehr im Dorf findet, der erledigt auch seinen Einkauf mit dem Auto, mit dem er zur Arbeit muss, und am liebsten beim Discounter. "Früher habe ich locker 20 Kästen Getränke pro Woche verkauft, seit einiger Zeit vielleicht noch zwei", bringt Tante Emma nur ein Beispiel. Als Penny an der B 2 in Krostitz öffnete, merkte sie es deutlich. "Das Geschäft ist immer schlechter geworden, jetzt kommen fast nur noch die Senioren, die Jungen holen sich ihr Zeug längst in der Stadt. Meine alten Leutchen werden mir fehlen."

Noch drei Stunden täglich, von 10 bis 11 am Vormittag und 15 bis 17 Uhr am Nachmittag, öffnet Christel Bendix. Am 30. Juni das letzte Mal.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2015
Christine Jacob

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