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Autor Josef Haslinger trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Delitzsch ein

Stadtgeschichte Autor Josef Haslinger trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Delitzsch ein

Anfang der 1990er Jahre hat Joachim Wagner das große und schwere Buch mithilfe der Delitzscher Partnerstadt Friedrichshafen organisiert. 40 Einträge und dazugehörige Unterschriften sind bis jetzt darin zu finden. Nur von einem Ehrengast fehlt das Signum.

Das Goldene Buch der Stadt Delitzsch.

Quelle: Mathias Schönknecht

Delitzsch. Es ist groß, schwer, gehört der Stadt Delitzsch und es passen eine Menge Leute hinein. Die Rede ist vom Goldenen Buch der Stadt. Neben Politikern wie Peter Altmaier oder Kurt Biedenkopf haben sich unter anderem auch die amerikanischen Veteranen der 104. Infanterie-Division, die 1945 Delitzsch übernahm, eingetragen. Am Freitagabend verewigt sich der Autor Josef Haslinger.

Ein Geschenk der Partnerstadt

„Wir haben für das Buch keinen Pfennig bezahlt“, so beginnt Joachim Wagner, ehemaliger Pressesprecher des Delitzscher Rathauses, die Geschichte des Buches zu erzählen. Es sei 1991 gewesen: Während des Besuchs der Partnerstadt Friedrichshafen am Bodensee kam ihm das Goldene Buch des dortigen Rathauses in die Hände. Für Joachim Wagner war in diesem Moment klar, so etwas braucht sein Delitzsch auch. Der Friedrichshafener Amtskollege fuhr mit Wagner nach Ravensburg, wo das inspirierende Buch hergestellt wurde. Der Delitzscher entschied sich rasch für ein Design: In Blau und Gelb der Stadtfarben sollte es sein, die Seitenränder Gold verziert. Der Auftrag wurde angenommen – Joachim Wagner reiste ab. Wenige Wochen später besuchte er Friedrichshafen erneut. Das Buch war fertig – Kostenpunkt: 2000 DM. „Für Delitzsch zu diesem Zeitpunkt nicht einfach mal so zu bezahlen“, sagt der ehemalige Stadtsprecher heute. Also ging er mit einer Bittstellung zum damaligen Friedrichshafener Oberbürgermeister Bernd Wiedmann. Dieser sei der Bitte ohne Zögern nachgekommen. Es war das erste Geschenk unter den Partnerstädten. Zum Dank durfte sich Wiedmann direkt nach dem damaligen Delitzscher Bürgermeister Heinz Bieniek in dem Buch verewigen. 40 Einträge umfasst es. Am Freitagabend nun der 41. durch Josef Haslinger; als erster Schriftsteller überhaupt.

Eine Unterschrift fehlt

Das Goldene Buch der Stadt kommt auch nach der Amtszeit Joachim Wagners ab und an zurück in die Hände der Familie. Tochter Lysann bereitet seit jeher handschriftlich die Seiten vor, trägt Datum, Anlass und Namen ein, sodass später nur noch die Unterschrift geleistet werden muss. Doch eine Seite ist ohne Signatur. Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker musste aus „Terminnot absagen“, klärt Joachim Wagner auf. Dafür finden sich so klangvolle Namen wie die der früheren Verteidigungsminister Peter Struck und Rudolf Scharping oder die komplette Erstliga-Aufstiegsmannschaft von Concordia wieder. Auch die Urenkel von Christian Gottfried Ehrenberg und Dr. Hermann Schulze-Delitzsch haben sich in das Buch eingetragen. „Der Oberbürgermeister entscheidet, wer in das Ehrenbuch aufgenommen wird“, sagt Nadine Fuchs, Pressesprecherin von Delitzsch. „Die Vorschläge dafür kommen aus dem Rathaus.“

Die Vorarbeit auf der Seite für das Signum von Josef Haslinger hat Lysann Wagner bereits fertiggestellt: „Besuch des Autors und Präsidenten des PEN-Zentrums Deutschland“ steht da groß in verzierten Buchstaben geschrieben. PEN heißt in der Langform „Poets, Essayists, Novelists“ und deren Zentrum ist eine seit 1924 in Deutschland existierende Schriftstellervereinigung. Außerdem veröffentlichte Josef Haslinger unter anderem die Bücher „Hausdurchsuchung im Elfenbeinturm“,„Klasse Burschen“, die Romane „Opernball“, „Das Vaterspiel“ und „Jáchymov“. Seit 1996 ist er Professor für Literarische Ästhetik an der Universität Leipzig und ab Freitagabend im dicken und wuchtigen Goldenen Buch von Delitzsch.

Von Mathias Schönknecht

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