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Badeträume am Werbeliner See bei Delitzsch drohen endgültig zu platzen

Bergbaufolgelandschaft Badeträume am Werbeliner See bei Delitzsch drohen endgültig zu platzen

Um den Werbeliner See bei Delitzsch gibt es neuen Zoff. Seit dieser Woche liegt der Entwurf zur endgültigen Ausweisung des Gewässers als Vogelschutzgebiet öffentlich aus. Die betroffenen Anrainerkommunen haben das verwundert zur Kenntnis genommen und fühlen sich ein weiteres Mal vom Landratsamt übergangen.

Die Naturschutzschilder am Werbeliner See sind schon aufgestellt.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Delitzsch. Die Diskussion um die Einstufung des Werbeliner Sees als Vogelschutzgebiet hat neue Brisanz erhalten. Offenbar will das Landratsamt Nordsachsen jetzt Fakten schaffen, die weitreichende Folgen für die Anrainerkommunen in Hinsicht touristischer und Erholungsmöglichkeiten am See haben werden.

Seit dieser Woche liegt der Entwurf des Landratsamtes zur Festsetzung des Naturschutzgebietes Werbeliner See im Bürgerbüro Delitzsch sowie im Umweltamt Eilenburg zur öffentlichen Einsichtnahme aus. Sollte das Papier in dieser Form durchgesetzt werden, wären endgültig alle Träume von einer Badestelle am See geplatzt sowie andere in Delitzsch ins Auge gefassten Nutzungsformen unmöglich, denn der Entwurf greift noch weiter als bisherige Reglementierungen. Er bezieht nun auch das MUEG-Gelände und die ehemaligen Tagesanlagen des Bergbaus mit ein.

Bürgerbeteiligung läuft

„Nach der vorläufigen Unterschutzstellung 2016 aufgrund des Vorkommens sehr seltener, vom Aussterben bedrohter Vogelarten ist die Untere Naturschutzbehörde gesetzlich verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren dazu das Verfahren zu führen“, begründet die Kreisverwaltung diesen Schritt. Mit der öffentlichen Auslegung und Anhörung wird das Verfahren in Gang gesetzt. Bürger und Verbände können bis 10. Oktober ihre Anregungen und Bedenken vorbringen. Danach werden die verschiedenen Schutzmaßnahmen abgewogen. „Außerdem wird der zuständige Umweltdezernent und Erste Beigeordnete Ulrich Fiedler noch diesen Monat die Verwaltungsspitzen, Stadt- und Gemeinderäte von Delitzsch, Schkeuditz, Wiedemar und Rackwitz über das Verfahren informieren und Fragen beantworten“, kündigt Thomas Seidler, Sprecher der Kreisverwaltung, an.

Der Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) kritisiert den Vorstoß des Landkreises scharf. „Die jetzige Entscheidung widerspricht allen Absprachen, die im Arbeitskreis Werbeliner See getroffen worden sind.“ In dieser Arbeitsgruppe sind das Umweltministerium und die Landesdirektion Sachsen, der Landkreis und die Anrainerkommunen vertreten. Wilde weist in diesem Zusammenhang auf eine Studie hin, deren Ergebnisse abgewartet werden sollten.

Thema im Stadt

Zudem kündigt er an, dass sich am 28. September der Stadtrat mit dem Thema beschäftigen wird. Dazu hat er auch den Umweltdezernenten Ulrich Fiedler eingeladen, der zum Thema „Naturschutz kontra Bürgerwillen“ sprechen und die jetzigen Schritte erläutern sollte. „Herr Fiedler hat aber abgesagt. Ich bin entsetzt, dass jemand in seiner Funktion es nicht für notwendig hält, die Bürgerschaft zu informieren“, kommentiert Wilde. Im Namen der anderen betroffenen Bürgermeister fordert er den Umweltdezernenten noch einmal auf, in öffentlicher Sitzung vor den Gemeinde- und Stadträten aufzutreten. „Dabei erwarte ich klare Ansätze, die der Bürgerschaft erläutert werden“, so der OBM.

„Warum wurde nicht von Anfang gesagt: ,Es wird nichts stattfinden’, stattdessen wurden Parkplätze in Seenähe angelegt, Straßen und Kreisverkehr von der öffentlichen Hand finanziert, kritisiert Markus Johannsen, Vorstand des Werbeliner Wassersport- und Freizeitclub das Desaster als Fehlplanung.

Nordsachsens Landrat Kai Emanuel (parteilos) verteidigt hingegen den jetzigen Schritt: „Da der Bestand der bedrohten Vogelarten trotz aller Sofortmaßnahmen weiter gesunken ist, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als diese nunmehr dauerhaft unter Schutz zu stellen. Erst wenn dadurch die Population wieder deutlich zunimmt, kann neu darüber nachgedacht werden, ob behutsame, umweltverträgliche Eingriffe möglich wären, da sich ein Großteil der Bürger sowohl eine Badestelle als auch den Erhalt der Naturschönheit des Gebietes wünscht.“ Die angekündigte Studie des Umweltministeriums soll dafür weitere Ergebnisse liefern. Die erwartet der Landrat in etwa zwei Jahren. „In diesem Zusammenhang denken wir darüber nach, alternative Bademöglichkeiten in Delitzsch zu schaffen und dafür Fördermittel zu akquirieren“, so Emanuel weiter.

Die Fraktion der Freien Wähler im Delitzscher Stadtrat hat derweileinen Beschlussantrag angekündigt. „Wir werden einen Bürgerentscheid zur Frage beantragen, ob das Delitzscher Freibad unbefristet erhalten und von der Stadt weiter betrieben werden soll“, informiert deren Vorsitzender Uwe Bernhardt.

Von Thomas Steingen

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