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Delitzsch Badeverbot am Werbeliner See, doch überm Wasser starten Flugzeuge
Region Delitzsch Badeverbot am Werbeliner See, doch überm Wasser starten Flugzeuge
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09:15 19.07.2016
Die Flugrouten rund um den Airport Leipzig-Halle: Über dem Werbeliner See ist Betrieb. Quelle: Montage: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Das in der vergangenen Woche ausgerufene Naturschutzgebiet „Werbeliner See“ macht mächtig Welle. Bei der LVZ trafen eine Reihe von Wortmeldungen ein – unter anderem von Anwohnern und Politikern. Dabei wird das weitreichende Verbot von Aktivitäten am See in Frage stellt. Der Naturschutzbund (Nabu) hingegen applaudiert.

Verwunderung äußerten Fluglärmgegner aus der Anrainergemeinde Rackwitz. „Die Umweltbehörde möchte die Vogelpopulationen vor Lärm am Boden schützen, doch der nächtliche Flugverkehr wird toleriert“, moniert Thomas Pohl aus der Ortslage Neu-Schladitz. Der parteilose Gemeinderat kämpft für ein Verbot von Starts über die kurze östliche Nordabkurvung zwischen 22 und 6 Uhr. Diese Route führt nicht nur über Wohngebiete, sondern auch über den Werbeliner See. „Sie wird bei Ostwind genutzt, was etwa während eines Drittels des Jahres der Fall ist. Das Gewässer wird dann pro Nacht von 40, 50 auf der Südbahn startenden Frachtflugzeugen überflogen – mit vollem Schub in niedriger Höhe.“

Fluglärmgegner erbost

Thomas Pohl wandte sich in dieser Angelegenheit bereits mehrfach an die zuständige Fluglärmkommission, zuletzt im April. Vertreterin des Landkreises in dem Gremium ist Umweltamtsleiterin Antje Brumm. „Ich habe sie kontaktiert, da Anträge von Lärmbetroffenen lange Zeit nur über die Vertreter der Kommission eingereicht werden konnten“, schilderte Pohl. „Doch seitens des Landratsamtes gab es gegen die Abflugrouten über den Werbeliner See bisher keinerlei Bedenken. Im Gegenteil: Auf meinen Vorschlag, diese Abflüge in der Nacht zum Schutz der Vögel auf Dauer auszusetzen, gab es nicht mal eine Reaktion.“ Pohl geht davon aus, dass nicht Badegäste die brütenden Vögel im Schutzgebiet gefährden, sondern der in den vergangenen Jahren gewachsene Verkehr von Antonows und „unerträglich lauten Boeing 747-400“. Diese sind in der Verbotsliste der Naturschutzverordnung nicht erwähnt.

Auch aus dem politischen Delitzsch hallt ein Echo auf den Ordnungsruf der Umweltbehörde. Die Stadtratsfraktion der Freien Wählergemeinschaft fragte umgehend im Rathaus an, welche „praktischen Konsequenzen“ der Schritt des Landratsamtes für die Stadt hat. „Beabsichtigen Sie, über rechtliche Schritte gegen diese Verordnung nachzudenken?“ Antwort des Oberbürgermeisters Manfred Wilde (parteilos): „Da uns einige mögliche Verfahrensfehler aufgefallen sind, wollen wir die rechtliche Zulässigkeit juristisch überprüfen lassen.“

Angler verweisen auf Vereinbarungen

Reaktionen kamen zudem vom Anglerverband Leipzig. Der Verein hat diverse Gewässer in der Region gepachtet und stellt klar, dass am Werbeliner und Zwochauer See das Angeln weiterhin möglich sei. „Unser Verband hat für die beiden Seen in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde schon vor längerer Zeit Vereinbarungen getroffen“, berichtet Verbandsgeschäftsführer Friedrich Richter. So könne am Nordostufer des Werbeliner Sees, im Bereich der ehemaligen Tagesanlagen, ohne Einschränkung geangelt werden. Am Ostufer einschließlich des Brodauer Zinkens gelte die Erlaubnis nur in den Monaten August bis Februar, und das nur mit Sondergenehmigung. Komplettes Angelverbot herrscht auf der Westseite des Gewässers. Dieses Verbot gilt ebenso für das Südufer des Zwochauer Sees und – zwischen Februar und Mitte Mai – für dessen Nordostflanke.

Lobende Worte für die Naturschutzverordnung findet der Nabu. Die Sicherstellung des Areals sei ein „Lohn für die jahrelange Arbeit von vielen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern“ der Organisation, sagte Joachim Schruth vom Nabu Sachsen. „Allerdings hätten wir uns das Gebiet etwas größer gewünscht, insbesondere im angrenzenden nördlichen und südlichen Bereich.“ Die schroffe ablehnende Haltung der Anrainerkommunen sei nicht nachvollziehbar, findet Schruth. Schließlich gehe es hier um die Durchsetzung von Vorgaben der EU, die den Gemeinden an anderer Stelle lukrative Fördermittel beschere. Außerdem gehe es nicht darum, dem Gebiet eine Haube überzustülpen. „Denkbar wäre die Errichtung einer Naturschutzstation, die über die naturschutzfachlichen Besonderheiten des Gebietes informiert und eine Betreuung der Flächen übernimmt.“

Von Kay Würker

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