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Delitzsch Bäume als Symbol des Lebens: Ulrich Windoffer stellt Fotografien in Delitzsch aus
Region Delitzsch Bäume als Symbol des Lebens: Ulrich Windoffer stellt Fotografien in Delitzsch aus
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15:08 16.04.2018
Ulrich Windoffer während des Galerie-Gesprächs zu seiner Baum-Schau im Eiscafé Glowka am Delitzscher Markt. Quelle: Jürgen Krause
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Delitzsch

Um Bäume so entdecken zu können, wie Ulrich Windoffer sie uns momentan in der „Kunst im kleinen Rahmen“ der Eiscafé-Galerie Glowka am Delitzscher Markt vorführt, muss dem Fotografen wohl Naturverliebtheit die Kamera geführt haben. Inspiriert von dem Rilke-Wort: „Ich sehe dem Baum die Stürme an…“? Großformatige Fotos in klassischem Schwarz-Weiß zaubern Landschaftseindrücke an die Galeriewände – ein gutes Dutzend Bäume betagteren Alters untermischt mit nur zwei Reihen von schlankerem Habitus am Straßenrad. Dem Caféhaus-Gast bereitet das außer Gaumen- auch Sinnesfreuden, eben Naturentdeckungen en passant.

Symbol des Lebens

Warum haben es dem gestandenen Fotografen ausgerechnet Bäume angetan? Die ihre mächtigen Arme schützend ausbreiten über dem, was unter ihnen gedeiht? Die einen wie mit Baumaugen aus ihren Astlöchern anschauen? Die mit zerfurchter, zerrissener Außenhaut!

„Bäume sind Symbol des Lebens schlechthin“, sagt Ulrich Windoffer. “Ihre Risse sind ihre Falten. Wie auch uns unsere Falten adeln. Wir haben sie uns doch mühsam erarbeitet“, sinniert der 75-Jährige.„Sie sind auch Ausdruck des Überlebens und der Standhaftigkeit ”, bricht Ulrich Windoffer eine Lanze für Spuren, die das Leben in Haut einprägt – in die Haut des Menschen und in die Haut des Baumes. Falten seien auch Spuren von Beschädigungen. Bäume würden noch viel älter, funkte der Mensch nicht dazwischen.

Jahrelange Fotografenpraxis

Mit dem in jahrelanger Fotografenpraxis geübten Blick hat der Kameramann dem Betrachter Urwüchsiges aus überraschender Sicht auf die Platte gebannt: Den Baum im nackten Habitus, zur Jahreszeit, da kein Blattwerk ihn verhüllt, Nebel ihn umwebt bis halb verschluckt („Park Putbus“, 2002) oder ein Lichtstrahl - verblüffend - die Passage streift (“Mali Losinij“, 2001). Seine Entdeckungen fand der Mann mit der Kamera zwischen Mallorca und Kroatien, zwischen Rügen und Potsdam und Machern und dem kleinen Geltow am Schwielochsee.

Angesichts dieser Präsentation, dieser Hommage an den Baum, sinniert die Autorin dieser Zeilen: Ja, wäre ich doch nur auch auf die Idee gekommen, mit der Fotokamera durch hiesige grüne Inseln zu streifen, bevor jüngst die „Ordnungstruppe“ in Delitzscher grünen Gefilden eingriff. Die nächste Schau wäre reichlich zu bestücken – und sehenswert geworden. Freilich, Bäume kann man ersetzen. Sie wachsen nach. Doch ehe sie ihre Pracht entfalten, geht Zeit ins Land.

Schon 1984 bei Glowkas ausgestellt

Übrigens stand Ulrich Windoffer an der Wiege der kleinen kulturellen Insel, die nun am Delitzscher Markt in die Jahre gekommen ist. Vor 34 Jahren wollte die Eiscafé-Fee mit Windoffer-Fotos über Amsterdam ein bisschen Welt in die vier Wände ihres Eiscafés holen. „Das war Anfang der 80er-Jahre, als der Kulturbund damals die kleinen Galerien inspirierte“, entsinnt sich der Fotograf. Jene Fotos waren für seinen damals geplanten, einige Aufregung verursachenden Bildband über die niederländische Stadt bestimmt. Als Windoffer 1984 bei Glowkas ausstellte, da gab es doch Leute in Delitzsch, die fragten: „Warum Amsterdam?“ und wollten diese kleine Schau gar wieder abhängen lassen. „In Leipzig war man da schon etwas lockerer“, entsinnt sich der Fotograf. „Der Verlagsleiter von Brockhaus hatte bereits in die Wege geleitet, eine Reihe über große Städte herauszubringen. ,Wien’ und ,Los Angeles’ waren schon erschienen.“ 1989 folgte Windoffs „Amsterdam“ mit Fotos, von denen einige schon in Delitzsch zu sehen gewesen waren. Dieser Bildband kassierte dann übrigens noch die DDR-Auszeichnung „Schönstes Buch des Jahres“.

Von Edith Dorothea Klisa

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