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Delitzsch Barocksaal im Delitzscher Schloss wird umgestaltet
Region Delitzsch Barocksaal im Delitzscher Schloss wird umgestaltet
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11:13 24.08.2016
Jürgen Geißler zeigt den Aufbau der geplanten Wandbespannung am Modell. Auf einem Holzrahmen wird säurefreier Karton aufgebracht, darauf eine Unterspannbahn und zuletzt die Stoffbespannung. Ausführen wird das Reinhardt Roßberg, ein Restaurator aus Markleeberg. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Das Museum Barockschloss Delitzsch bietet auf 900 Quadratmetern Fläche eine Dauerausstellung zur Burg- und Schlossgeschichte, zur Geschichte des Fürstentums Sachsen-Merseburg sowie im Turm zur Stadtgeschichte. Sind Dauerausstellungen für einen längeren Zeitraum konzipiert, steht in diesem Jahr im herzoglichen Appartement eine Veränderung ins Haus. Wie berichtet, sollen die Wände des Barocksaals wie bereits in den anderen Zimmern mit einer Stoffbespannung verkleidet werden.

Neuer Beleg

Warum aber gerade jetzt? Museumsleiter Jürgen Geisler klärt auf. Während bei der Sanierung des Schlosses in den anderen Räumen Nägel und Faserreste gefunden wurden, die auf eine frühere Bespannung der Wände hinwiesen, „fehlte für den Barocksaal ein solcher Befund“, berichtet Geisler. Bekannt war, dass der Saal einst als Tafelzimmer gedient hatte. Die Studentin Marina Derksen ist bei den Recherchen zu ihrer Magisterarbeit im sächsischen Staatsarchiv in Dresden auf ein Inventarverzeichnis von 1692 gestoßen, aus dem hervorgeht, dass der Raum zu jener Zeit eine Stofftapete besaß. Aufgrund dieser Erkenntnis wird der Barocksaal nun entsprechend ausstaffiert.

Plausible Begründung

„Solche Eingriffe oder Veränderungen sind aber immer auch eine Frage der Finanzierung“, so Geisler weiter. Und weil in der Regel dafür Zuschüsse benötigt würden, „muss gegenüber dem Fördermittelgeber plausibel die Notwendigkeit begründet werden“. Eine prinzipielle Frage sei zudem, wie weit die Rekonstruktion solcher Räume reichen soll. Wobei es aus Geislers Sicht bei dem mit der Bespannung zu schaffenden Zustand bleiben sollte, zumal nur wenige Originalstücke des einstigen Mobilars wie zum Beispiel ein furnierter Wellenschrank oder die Stühle der Herzogin aus deren Loge in der Stadtkirche in Delitzsch verblieben sind.

Handwerk und Handel

Die jetzige Ausstellung zur Stadtgeschichte im Schlossturm ist noch relativ jung. Nach der Turmsanierung ist der erste Teil 2009 und der zweite 2011 eröffnet worden. Schwerpunkte in der Darstellung der Stadtgeschichte sind der Handel und das Handwerk als die beiden Säulen einer Stadt. Beschäftigten sich die Vorgängervarianten auch mit Kirchengeschichte und Archäologie, wird nun auf diese Bereiche verzichtet. Unter anderem deshalb, weil alle archäologischen Funde aus Delitzsch im Landesamt für Archäologie in Dresden sind, beziehungsweise ein Teil von ihnen im Sächsischen Museum für Archäologie Chemnitz ausgestellt ist. Bedarf, die Exposition zur Stadtgeschichte inhaltlich zu aktualisieren, besteht laut Geisler derzeit nicht. Nur wenn bedeutend neue Fakten auftauchen würden, müsste darüber nachgedacht werden.

Altstadtfotos

Erst nach zirka 15 Jahren sei eine solche Ausstellung verschlissen und müsse neu konzipiert werden, wobei dann die technische Entwicklung, etwa interaktive Elemente, zu berücksichtigen sei. Dennoch plant Geisler im Turm bis 2020 kleinere Ergänzungen. So soll der Handwerksbereich mit historischen Fotos, die Handwerker bei der Arbeit zeigen, illustriert werden. Und im Treppenaufgang will der Museumschef mit großformatigen Fotos von der Delitzscher Altstadt in einer Gegenüberstellung früher/heute auf den Besuch dieser neugierig machen.

Energieeinsparung ist im Schloss dagegen eine ständige Herausforderung. Schließlich hat Delitzsch den Titel „Energieeffiziente Stadt“ zu verteidigen. Deshalb werden die Lampen in den Ausstellungsräumen sukzessive auf LED umgerüstet.

Von Thomas Steingen

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