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Bauarbeiter gehen 462 Filterbrunnen auf den Grund

Bauarbeiter gehen 462 Filterbrunnen auf den Grund

Es ist die wohl derzeit größte Baustelle im Raum Delitzsch. Zumindest flächenmäßig. Auf einem ausladenden Gebiet zwischen dem Nordufer des Werbeliner Sees und dem Areal südlich des Schladitzer Sees werden insgesamt 462 ausgediente Filterbrunnen verfüllt.

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Gebaggert und gebohrt wird zumeist auf landwirtschaftlichen Flächen. Die Fachleute arbeiten sich von Brunnen zu Brunnen vor.

Quelle: Kay Würker

Rackwitz/Delitzsch. Sie sind Relikte der Tagebauzeit, werden nicht mehr gebraucht, müssen aus Sicherheitsgründen beseitigt werden. Die Maßnahme hat vor wenigen Wochen begonnen und soll im April nächsten Jahres abgeschlossen sein, teilt der Bergbausanierer LMBV mit.

Das Unternehmen hat diese sogenannte Filterbrunnen-Verwahrung in Auftrag gegeben. Baumaterial auf dem Acker kündet an verschiedenen Stellen von den Bohrungen, derzeit vor allem nahe der Bundesstraße 184 bei Rackwitz. Doch es ist eine eher unauffällige Baustelle. Ein kleiner Trupp von Mitarbeitern der Firma Benndorfer Brunnen- und Spezialtiefbau arbeitet sich Stück für Stück voran, vorwiegend auf landwirtschaftlichen Flächen. Die Männer kennen sich aus - das Unternehmen hat voriges Jahr bereits am Seelhausener See bei Sausedlitz die Spuren der Vergangenheit beseitigt.

Die Brunnen dienten einst der Absenkung des Grundwasserspiegels, um den Tagebau trocken zu halten. Sie waren mit Pumpen versehen, von denen die meisten jedoch längst demontiert sind. Schon Anfang der 1990er-Jahre, als die Ära der Kohleförderung in der Region endete, wurden die Filterbrunnen außer Betrieb genommen und vielfach mit Kies verfüllt. Doch dieses Verfahren gilt inzwischen als überholt, weil die Gefahr besteht, dass etwas nachrutscht, dass sich Hohlräume bilden. "Wir haben als LMBV im Zuge des Abschlussbetriebsplanes die Aufgabe, die Brunnen sicher zu verwahren", erklärt Renate Gärtitz, Kontrolleurin beim Bergbausanierer. "Es geht hier vor allem um die Sicherheit. Wenn zum Beispiel vor Ort gebaut wird oder Flächen anderweitig genutzt werden sollen, darf man nicht auf offene Rohre im Boden stoßen. Außerdem bestünde die theoretische Gefahr, dass ein Kind in ein Rohr fällt, wenn es nicht verschlossen ist." Immerhin: Die Schächte sind bis zu 68 Meter tief, schildert Renate Gärtitz.

Entsprechend aufwendig ist die Verwahrung. Die Fachfirma bohrt den Brunnen bis zur maximalen Teufe auf, presst ein spezielles Dämmer-Verfüllmaterial hinein - eine Masse, die ähnlich wie Zement abbindet und aushärtet. Die oberen Teile des Bauwerks werden zudem komplett entfernt - bis in eine Tiefe von 1,50 bis 2 Meter soll von den Bergbau- relikten nichts mehr zu finden sein.

"Wir müssen uns jeden einzelnen Filterbrunnen vornehmen", schildert Kontrolleurin Gärtitz. Diese zu finden, sei nicht immer einfach. Zwar hat die LMBV die Koordinaten, doch mitunter sind die abgedeckelten Schächte mit Erdreich verschüttet oder unter Buschwerk verborgen. Mit Bagger, Bohrer, Verfüllgestänge und einem Raupenfahrzeug als Transportmittel sind die Arbeiter unterwegs.

Die 462 Filterbrunnen gehören zum Einzugsgebiet der ehemaligen Tagebaue Delitzsch-Südwest und Breitenfeld. Und sie sind nicht die letzten, die in dieser Region beseitigt werden. Wenn die aktuelle Maßnahme im Frühjahr beendet ist, schließt sich die nächste an - dann vor allem im Bereich Lissa und Zwochau sowie südlich der Bahnlinie Leipzig-Halle.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.08.2014
Kay Würker

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