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Biber sorgt um Delitzsch für Ärger

Grabensanierung Biber sorgt um Delitzsch für Ärger

Vielleicht zehn Prozent der maximal 3000 in Mitteldeutschland beheimateten Elbebiber leben im Landkreis Nordsachsen. Doch sie machen Ärger als wären sie viel mehr: denn einige, so wie der Beerendorfer Biber, kommen in Konflikt mit dem Menschen, indem sie Wald und Wiesen fluten, Landwirten die Produktionsgrundlage rauben und Gräben ruinieren.

Umwelt oder Wirtschaft? Daran scheiden sich die Geister. Die Vernässungen auf landwirtschaftlichen Flächen, die der Biber hervorruft, sind massiv.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch/Schönwölkau. Wiesen sind überflutet, etliche Bäume umgehauen, die aufgeschichteten Dämme des Nagetiers beeindruckend – der Elbebiber hat es sich nett eingerichtet um Delitzsch. Das freut Naturschützer, denn nur langsam habe sich die Population in den vergangenen Jahren erholt. Der Bestand an Bibern im Freistaat Sachsen wird insgesamt nur auf etwa 700 Tiere geschätzt – sie kommen vor allem entlang von Mulde und Elbe vor. Oder an kleineren Gewässern wie dem Naulandgraben. Auf die Palme bringt das Landwirte und Politiker.

Mindestens seit fünf Jahren leben Biber im Naulandgraben im Bereich der Delitzscher Ortsteile Beerendorf-Ost und Spröda. Dort setzen die Nager mit ihren Dämmen kontinuierlich Wiesen unter Wasser.

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Ein Teil der Wiesen in der Nähe der Bungalowsiedlung von Beerendorf Ost ist bereits überschwemmt. Hier haben offenbar Biber die Verantwortung.

Überall am kleinen Graben sind gefällte Bäume und Staudämme. Der kleine Graben ist schon übergelaufen. Die Tiere haben mit ihren Staudämmen dafür gesorgt, dass das Wasser die Umgebung überflutet. Keine 100 Meter entfernt befindet sich die Bungalowsiedlung Beerendorf-Ost.

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Erst jüngst machte Gerhard Schladitz, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Beerendorf im Ortschaftsrat und im Technischen Ausschuss der Stadt auf das Problem wieder aufmerksam, indem er forderte, dass dort etwas passieren müsse. Erst am vergangenen Dienstag gab es daraufhin einen Vor-Ort-Termin. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage informierte, wurde mit Vertretern der Unteren

Die Bungalowsiedlung soll durch den Biber nicht in Gefahr sein, schätzt die Verwaltung ein

Die Bungalowsiedlung soll durch den Biber nicht in Gefahr sein, schätzt die Verwaltung ein.

Quelle: Wolfgang Sens

Naturschutzbehörde, dem Bibermanagement Dübener Heide und der Stadt Delitzsch, festgelegt, dass die Biberdämme zwischen der B 183 a und der Verbindungsstraße zwischen Spröda und Beerendorf-Ost zur Konfliktminimierung mit den Landwirten zurückgebaut werden dürfen. Dadurch soll die Überstauung von landwirtschaftlichen Nutzflächen gemindert werden. „Eine Beeinträchtigung der Wohnstätten der Biber ist dabei auszuschließen. Die Umsetzung der Maßnahmen wird in enger Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde und dem, Bibermanagement ausgeführt“, teilt das Delitzscher Rathaus mit. Eine direkte Überschwemmungsgefahr der Bungalowsiedlung in Beerendorf-Ost wurde bei dem Vor-Ort-Termin nicht gesehen, weil das Gelände höher liege. Durch den genehmigten Rückbau der Dämme werde auch das Wasser auf den Wiesen im Bereich der Bungalowsiedlung zurückgehen, argumentiert die Stadtverwaltung.

Der Elbebiber schlägt auch in der Gemeinde Schönwölkau hohe Wellen, erst jüngst wurde das Nagetier wieder zum Diskussionsthema im Gemeinderat, weil vor allem die Dämme im Naulandgraben auch dort Auswirkungen haben. Und das, wo die Gemeinde erst viel Geld für die Sanierung von Gräben ausgegeben hatte: Von 76 500 Euro musste das Produktkonto für Grabensanierungen erst vor wenigen Monaten um satte 50 900 Euro auf 127 400 Euro aufgestockt werden, weil es zu Vermessungsfehlern gekommen war. Für die Sanierung der Gräben waren ursprünglich 100 000 Euro veranschlagt worden. Ein Großteil der Kosten wird allerdings vom Bergbausanierer LMBV übernommen. „Wenn wir aber einen Biberdamm nach dem anderen in unseren Gräben haben, war das doch alles rausgeschmissenes Geld“, machte sich der Brinniser Abgeordnete Jürgen Näther (CDU) kürzlich Luft. Speziell um den Ortsteil Brinnis könne man jetzt schon den Rückstau des Abwassers beobachten, müsse dem Biber im Naulandgraben beigekommen werden. Das Thema soll in der Gemeinde nun weiter beobachtet werden.

Aber auch in Schenkenberg macht sich der Biber derzeit nicht gerade beliebt. Dieter Jungnickel, der im Park Grundstücke besitzt, kann da mehr als nur eine Geschichte erzählen. Und es ärgert ihn, dass dieser pelzige Geselle scheinbar machen darf, was er will. „Diese Tiere gehören hier nicht hin, die gehören umgesiedelt“, sagt er und konfrontierte mit seiner Auffassung auch die Untere Naturschutzbehörde. Im Gespräch sei ihm allerdings unmissverständlich mitgeteilt worden, dass „der Biber eine streng geschützte Art“ sei, eine Umsiedlung überhaupt nicht denkbar wäre. Der Biber habe Biotopansprüche und es fehle zur Umsiedlung an geeigneten Biotopen. „Eine Umsiedlung kostet, so die Behörde, um die 20 000 Euro“, erinnert sich Dieter Jungnickel an das Gespräch mit dem Biber-Experten. Im Schenkenberger Park genießt der Biber indes weiter sorgenfreies Nagerleben. Beobachtungen haben ergeben, dass es sich wahrscheinlich um zwei Tiere handelt. Was sie derzeit anrichten, ist an den Bäume gleich am Eingang zum Park zu sehen. Große Pappeln sind bis auf eine Höhe von einem Meter abgeschält. „Das Todesurteil für die Bäume“, sagte Dieter Jungnickel. Auch ein Damm wächst zunehmend. Erreicht er eine bestimmte Größe, könnte er das Ablaufen der geklärten Abwasser aus der Kläranlage in den Lober erneut verhindern und damit weitere Teile des Parkes unter Wasser setzen.

Von Thomas Steingen, Ditmar Wohlgemuth und Christine Jacob

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