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Biomassekraftwerk Delitzsch: Dritte Pleite binnen fünf Jahren

Insolvenzverfahren Biomassekraftwerk Delitzsch: Dritte Pleite binnen fünf Jahren

Zum fünften Mal binnen fünf Jahren steckt der Kraftwerksstandort in der Delitzscher Fabrikstraße in Zahlungsschwierigkeiten. Das Amtsgericht Leipzig bestellte am Dienstag einen Leipziger Rechtsanwalt zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Für den Juristen geht es nun nicht nur um die Zukunft der Anlage, sondern auch um die des Ascheberges.

Am Biomassekraftwerk Delitzsch verrät nur noch ein leerer Rahmen an der Zufahrt, wo sich mal das Firmenschild befand.

Quelle: Kay Würker

Delitzsch. Paukenschlag in der Delitzscher Fabrikstraße: Das Biomassekraftwerk kämpft mit Zahlungsunfähigkeit. Genauer gesagt der aktuelle Betreiber, die Knock on wood GmbH. Am Dienstag bestellte das Amtsgericht Leipzig einen vorläufigen Insolvenzverwalter. Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus soll das verbliebene Vermögen des Unternehmens sichern. Der Kraftwerksbetrieb vor Ort ruht bereits seit Mitte Mai.

Angedeutet hat sich die finanzielle Schieflage schon lange. Ursprünglich war vor Monaten eine Modernisierung der Anlage in Aussicht gestellt worden – im Mai kündigte der Betreiber dann eine Außerbetriebnahme für etwa vier Wochen an, um umfassend investieren zu können. Stattdessen wurde der Mehrheit der Belegschaft gekündigt und eine Auszeit bis Oktober avisiert. Geschäftsführer Heinz Lucas nannte „Abstimmungen mit dem Investor“ als Grund für die Verzögerung. Die Identität des potenziellen Geldgebers offenbarte er nicht – in Branchenkreisen geht das Gerücht, es habe sich um Kanadier gehandelt.

Offenbar hat sich die finanzielle Situation inzwischen weiter verschlechtert. Wie aus Unterlagen einer Goslarer Anwaltskanzlei hervorgeht, die der LVZ vorliegen, bemühte sich die Geschäftsführung der Knock on wood GmbH bereits Anfang Juli um die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das Amtsgericht Leipzig prüfte den Antrag, machte nun Nägel mit Köpfen.

Knock on wood übernahm 2015

Es ist bereits die dritte Insolvenz am Kraftwerksstandort binnen fünf Jahren. Nach der Pleite der BKD GmbH 2011 verkaufte Insolvenzverwalter Florian Stapper die Anlage samt Grundstück an die GOAZ Energy GmbH aus Berlin. Sein Berufskollege Philipp Hackländer rückte 2015 an, weil auch die Berliner nicht weiterkamen. Schlimmer noch: Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen ergaben eine Insolvenzverschleppung der GOAZ-Geschäftsführer. Diese haben zudem einen gewaltigen Berg aus entsorgungspflichtiger Rost- und Kesselasche hinterlassen. Im August 2015 übernahm die Knock on wood das Objekt samt Haufen.

Und nun? Rechtsanwalt Christian Krönert ist verfahrensleitender Sachbearbeiter im Voigt-Salus-Team, sichtet derzeit die Geschäftsbücher, hält Kontakt zum Umweltamt. „Ich sammle Informationen, die für künftige mögliche Investoren von Belang sind – auch über den Ascheberg“, erklärt Krönert. Einen Geldgeber zu finden, der das Gesamtpaket aus sanierungsbedürftiger Anlage und Umweltlast übernimmt, sei nicht leicht, schätzt Krönert ein – wenngleich es schon erste Interessenbekundungen gebe.

In Raum stehen auch rund 20 Kündigungsschutzklagen gefeuerter Mitarbeiter. „Wir waren vorm Arbeitsgericht“, berichtet der bisherige Betriebsratsvorsitzende Lutz Rudolph. „Es wurden Kündigungsfristen missachtet, außerdem sind uns Lohnzahlungen vorenthalten worden“, ergänzt sein Kollege Reinhard Jirschik. Grundsätzlich besteht für die im Mai Entlassenen noch Anspruch auf Insolvenzgeld. Die Details allerdings sind noch zu klären, das Verfahren steht am Anfang.

Delitzscher Wertstoffaufbereitung bleibt außen vor

Unbehelligt von den aktuellen Vorgängen bleibt die zweite lokale Firma von Geschäftsführer Heinz Lucas. Die Delitzscher Wertstoffaufbereitung GmbH, ebenfalls mit Sitz in der Fabrikstraße, wurde im April ins Handelsregister beim Amtsgericht Leipzig eingetragen. Eine Art Müllsortierung mit deutlich mehr Abfallstoffen auf der Zulassungsliste als das Kraftwerk. Lucas ließ sich diesen Geschäftszweig als zweites Standbein vom Umweltamt genehmigen, um Geld für die Beseitigung des Aschehaufens zu verdienen, wie er damals erklärte. Inwieweit das nach dem Insolvenzantrag noch gilt, ist fraglich. „Die Delitzscher Wertstoffaufbereitung ist juristisch separat zu betrachten und nicht unter unserer Kontrolle“, schildert Krönert. „Die Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Firmen sind aber noch nicht allumfassend aufgeklärt.“

Von Kay Würker

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