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Biomassekraftwerk in Delitzsch: Staatsanwaltschaft ermittelt

Gravierende Mängel Biomassekraftwerk in Delitzsch: Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat Ermittlungen wegen gravierender Umweltsünden im Delitzscher Biomassekraftwerk in der Fabrikstraße aufgenommen. Der neue Betreiber wirft dem Landratsamt vor, über Jahre hinweg nichts unternommen zu haben.

Das Biomassekraftwerk in der Delitzscher Fabrikstraße.

Quelle: Kay Würker

Delitzsch. Es raucht gewaltig im Biomassekraftwerk in der Delitzscher Fabrikstraße. Der neue Betreiber ist mit der Umweltbehörde im Unreinen. Geschäftsführer Heinz Lucas sieht sich vom Landratsamt ungerechtfertigt unter Druck gesetzt, „weil jetzt die Öffentlichkeit draufschaut“, vermutet er. „Dabei wurde über Jahre hinweg nichts unternommen“, ärgert sich der Firmenchef. Die Problembeseitigung brauche nun Zeit.

Unterlagen, die der LVZ vorliegen, beschreiben einen massiven Mangelzustand, der bereits im September 2014 behördlich diagnostiziert wurde. Damals fand vor Ort eine Routinekontrolle statt. Bemängelt wurde unter anderem, dass vorgeschriebene Luftschadstoff-Messungen nicht stattfanden und die Messtechnik in zweifelhaftem Zustand war.

Genehmigt wurde der Kraftwerksbetrieb im Juni 2005 für die Verbrennung und Verstromung von Althölzern der Schadstoffklassen I und II. Um zu verhindern, dass auch stärker belastete Hölzer der Klassen III und IV verbrannt werden, müssen Holzlieferanten Deklarationsanalysen vorlegen. Die Kontrolle im Herbst 2014 ergab jedoch, dass derlei Bescheinigungen in keinem Fall vorgezeigt und archiviert wurden und auch die Kraftwerksbetreiber auf eigene Analysen verzichteten. Zudem lagerten auf dem Gelände größere Mengen Sperrmüll, darunter Polstermöbel und Matratzen.

Abwasser floss unbehandelt in den Lober

Auch hinsichtlich des Gewässerschutzes lag einiges im Argen. Die Erlaubnis, mit drei Brunnen Grundwasser zu entnehmen und vorgereinigte Abwässer aus dem Betrieb dem Lober zuzuführen, war Ende 2013 erloschen. Ohne Aussicht auf schnelle Neugenehmigung: Zum Zeitpunkt der Kontrolle floss Abwasser unbehandelt in den Lober, obwohl im Aschekühlwasser laut Protokoll regelmäßig Schwermetalle nachgewiesen wurden. Und auch das Oberflächenwasser bereitete Sorgen. Wegen der Lagerung großer Mengen Schlacke und Asche auf unbefestigten Flächen unter freiem Himmel ging die Behörde davon aus, dass Schwermetalle ausgespült werden. Eine unzulässige Haldenlagerung: Die Genehmigung des Kraftwerksbetriebs war an die Bedingung geknüpft, dass Verbrennungsrückstände in geschlossene Transporteinrichtungen und Zwischenlager gebracht werden.

Fazit schon damals: Die Anlage müsste laut Bundesimmissionsschutzgesetz stillgelegt werden. Es sei denn, die zahlreichen benannten Mängel werden abgestellt. Unter anderem sollte der Asche- und Schlackeberg bis 30. Oktober 2014 beseitigt werden. Doch passiert ist offenkundig nichts – keine Mängelbeseitigung, aber auch keine Stilllegung. Als sich im Juni 2015 erneut Anwohner über Geruchsbelästigungen beschwerten, fand die nächste Kontrolle statt, die den bekannten Zustand im Wesentlichen unverändert bestätigte. Wie berichtet, hat der Verein „Sauberes Delitzsch“ Strafanzeige gegen die Umweltbehörde wegen Strafvereitelung erstattet. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat die Ermittlungen aufgenommen, wie sie am Mittwoch mitteilte.

Neuer Betreiber legte Sanierungsplan vor

Im August 2015 übernahm die Knock on wood GmbH das Kraftwerk aus der Insolvenz. „Die früheren Betreiber haben hier alles ausgeplündert. Alles was sich an Substanz verwerten ließ, wurde demontiert und von bulgarischen Hilfsarbeitern auseinandergeschweißt“, schildert Heinz Lucas. Er habe noch im August einen Sanierungsplan über 3,8 Millionen Euro Investitionssumme vorgelegt. Davon seien bislang erst etwa 160 000 Euro geflossen, weil die Erneuerung Vorlauf brauche. „Viele Bauteile sind Spezialanfertigungen.“ In einem Schreiben an die Umweltbehörde kündigte Lucas einen dreiwöchigen Anlagenstillstand ab 17. Mai an. Da sollen im Rahmen einer großen Revision weite Teile des Kraftwerks ertüchtigt werden, auch die Rauchgasreinigung. Auf die Einhaltung der Schadstoffklassen I und II achte er von Anfang an. „Deshalb arbeitet die Anlage jetzt deutlich effizienter.“

Und der Ascheberg? In diesem Monat soll ein Siebtest beginnen, um die Zusammensetzung des Haufens zu erkunden. Und Klarheit zu schaffen, wie, wo und zu welchem Preis entsorgt werden kann. „Voraussichtlich im April startet die Separierung und Beseitigung.“ Kontaminiertes Niederschlagswasser werde bereits jetzt aufgefangen, abgepumpt und entsorgt.

Von Kay Würker

Delitzsch Fabrikstraße 51.516639033024 12.325684817969
Delitzsch Fabrikstraße
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