Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Bis zu 50 Liter Regen in einer Stunde: Unwetter flutet Delitzsch und Umgebung

Bis zu 50 Liter Regen in einer Stunde: Unwetter flutet Delitzsch und Umgebung

Ein heftiges Unwetter mit teilweise extremen Regenfällen überquerte am Dienstag weite Teile des Landkreises Nordsachsen. Vor allem die Stadt Delitzsch war stark betroffen.

Voriger Artikel
Hilferuf der Orchester stellt Kreisräte vor richtungsweisende Entscheidung
Nächster Artikel
Fußball-Mini-WM für Hortkinder

Wegen des Starkregens stand die Eilenburger Chaussee in Delitzsch unter Wasser.

Quelle: Kay Würker

Kreisgebiet. Im Zscheppliner Ortsteil Noitzsch schlug ein Blitz in das Dach eines Einfamilienhauses ein. Verletzt wurde niemand. Beträchtlichen Schaden nahm auch der Sitz der Landkreisverwaltung, wo der Gesamtschaden auf rund 81 000 Euro geschätzt wird. In der Zeit von Dienstag, 17.15 Uhr, bis gestern gegen 3 Uhr gab es in Nordsachsen 118 Einsätze zur Beseitigung von Unwetterschäden, vor allem musste Wasser abgepumpt werden.

Delitzsch

Gegen 18.30 Uhr kam der erste Einsatzruf für die Feuerwehr der Stadt einschließlich der Wehren aller Ortsteile. Unterstützung bekamen die Kameraden von der Löbnitzer und Sausedlitzer Wehr. Gut 70 Leute waren mit 15 Fahrzeugen im gesamten Stadtgebiet unterwegs, um vollgelaufene Keller- und Lagerräume auszupumpen. Einsatzleiter Peter Schwenckner koordinierte die Kräfte und Mittel, kam am Ende auf insgesamt 110 Einsatzstellen. Schwerpunkt war erneut der Delitzscher Osten, insbesondere dort die Damaschkestraße, die Rathenaustraße, die Straße Am Stadtwald, aber auch die Gerhard-Hauptmann-Straße und die Ostsiedlung. Betroffen waren - neben zahlreichen Eigenheimbesitzern - auch der Konsum in der Beerendorfer Straße und die Gartenklause Meyer. Überwiegend wurden die Feuerwehr-Kräfte straßenweise eingesetzt.

Für deren Einsatz bedankte sich gestern auch André Planer, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Delitzsch (WGD). Die-WGD-Blöcke im Osten waren nahezu flächendeckend betroffen. In 16 Gebäuden sei Wasser eingedrungen, so Planer. 20 bis 30 Zentimeter, teils sogar bis 50 Zentimeter hoch stand es in einigen Kellern. Durch Rückstau in der Kanalisation beziehungsweise über Lichtschächte war es in die Keller gelaufen.

In der Delitzscher Stadtmitte war vor allem das Schulze-Delitzsch-Center und dort die Tiefgarage betroffen. Das letzte Feuerwehrfahrzeug kehrte gestern gegen 3.45 Uhr ins Depot zurück. Am Schäfergraben mussten Kameraden derweil das Gerätehaus der Delitzscher Wehr wieder trockenlegen. Die Fahrzeughallen standen ebenfalls unter Wasser. Am gestrigen Vormittag wurde die Feuerwehr erneut in der Rathenaustraße und im Schulze-Delitzsch-Center gefordert. "Alle Kameraden haben mit höchstem Einsatzwillen ihre Aufgaben erledigt", lobte Schwenckner. Die allermeisten seien nach der Nachtaktion am nächsten Morgen wieder zur Arbeit gegangen. Schwenckner hatte in dem Zusammenhang noch eine Bitte: "Wir helfen gern und schnell. Aber haben Sie Geduld. Wir können nicht überall gleichzeitig sein."

Unfälle im Zusammenhang mit dem Unwetter gab es keine, wie die Polizei berichtete. Es mussten lediglich zeitweise Straßen und Unterführungen gesperrt werden. Nach LVZ-Informationen schlug ein Blitz in der Freesestraße ein. Unter anderem wurden Fernsehgeräte zerstört.

Zschepplin

Im Zscheppliner Ortsteil Noitzsch hat der Blitz gegen 18.30 Uhr im Dachgiebel eines Eigenheimes in der Neuen Straße 12 eingeschlagen. Die Bewohner haben das Feuer sofort mit zwei Schaumfeuerlöschern bekämpft, so dass die Feuerwehr kaum Wasser zum Einsatz bringen musste. Die Kameraden haben Glutnester bekämpft und mussten dafür auch Dachsteine entfernen. Im Einsatz waren Wehren aus Hohenprießnitz, Krippehna, Naundorf, Zschepplin und Bad Düben mit insgesamt 56 Kameraden und 8 Autos.

Laußig

In Pristäblich hat ein Blitz in die Abwasserpumpstation eingeschlagen und das komplette System zeitweilig außer Funktion gesetzt. Noch am Abend kamen Kameraden der Feuerwehr zum Einsatz. Einzelne Häuser waren betroffen, hatten das Wasser im Keller stehen. Wie Bürgermeister Lothar Schneider (parteilios) sagte, habe es aufgrund des vielen Regenwassers, das in die Kanäle floss, eine Überlastung des Systems und einen Rückstau gegeben. Die Pumpe konnte aber wieder in Gang gesetzt werden, um die Abwässer in Richtung Laußig zu befördern. Die Kläranlage in Laußig war indes nicht betroffen.

Kreisgebiet

Gegen 18.20 Uhr musste auch die Feuerwehr Doberschütz ausrücken. Der Blitz hatte auf einem Feld in Richtung Eilenburg in einen Strohballen eingeschlagen und diesen entzündet.

Schäden an Schulen in Trägerschaft des Landkreises gab es im Bereich Torgau, die Schäden bezifferte die Behörde gestern auf über 7000 Euro. Die zirka 81 000 Euro Schäden auf Schloss Hartenfels entstanden vor allem an der Brandmeldeanlage und Einbruchmeldeanlage mit über 68 000 Euro sowie an der Klimaanlage, am Personen- und Lastenaufzug sowie am Dach und in Büroräumen. Die Sicherheit und der Brandschutz sind nach Auskunft des Landratsamtes jedoch nicht gefährdet.

Die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Eilenburg waren gestern damit beschäftigt, Geäst auf der B 87, S 11, B 2, S 19 und einigen Kreisstraßen zu entfernen.

Besondere Wetterlage

Bei der Meteogroup, die im Raum Delitzsch mehrere Messstationen betreibt, schob sich die Unwetterfront am Dienstagabend über den Bildschirm. "Insbesondere im Dreieck zwischen Delitzsch, Zschortau und Flughafen waren mehrere besonders starke Schauerzellen erkennbar", berichtete gestern Meteorologe Heiko Wiese. "Dort gingen die größten Mengen runter." Der Wetterexperte spricht von etwa 30 Liter pro Stunde und Quadratmeter, stellenweise auch 40 oder 50 Liter. "Die Niederschlagsmengen waren von Ort zu Ort sehr verschieden, und sie fielen auch nicht konstant. Es gibt bei solchen Wetterlagen immer wieder Spitzen, wo binnen weniger Minuten enorme Mengen auf einmal zu Boden gehen."

Ob es sich dabei um Rekordwerte handelte, konnte der Meteorologe nicht beantworten. "Fakt ist aber, dass die Juli-Niederschlagsmengen in der Region Leipzig bereits am Dienstag 270 Prozent des langjährigen Mittels erreicht haben." Auch die Temperatur liege 2,8 Grad Celsius über dem 30-Jahres-Durchschnitt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.07.2014

Von Frank Pfütze und Kay Würke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Delitzsch
  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

20.10.2017 - 07:05 Uhr

Landesklasse Nord: Der BSV bleibt personell gebeutelt und will am Sonnabend trotzdem was Zählbares mitnehmen.

mehr
  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr