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Delitzsch Brodauer Friedhof droht Schließung
Region Delitzsch Brodauer Friedhof droht Schließung
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12:00 09.03.2018
Nur wenige Grabstellen auf dem Friedhof Brodau sind belegt. Quelle: Christine Jacob
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Brodau

Es ist bitter, doch am Beispiel des kleinen Friedhofs im Delitzscher Ortsteil Brodau zeigt sich, dass nicht einmal der Tod umsonst ist: Weil die Kosten die Einnahmen übersteigen, wird nun im Gemeindekirchenrat auch über eine Schließung des Gottesackers nachgedacht.

Kleiner Friedhof, große Probleme

Im gesamten Pfarrbereich des Kirchspiels Zschortau, das Kirchen von Beerendorf über Kletzen bis Wolteritz umfasst, ist der Brodauer Friedhof einer der kleinsten. Aktuell macht er die größten Sorgen. Im vergangenen Jahr standen Einnahmen von 431,13 Euro Ausgaben von 997,72 Euro gegenüber. In diesem Jahr fällt die Bilanz absehbar nicht anders aus. Mit rund 30 Grabstellen ist aktuell nur ein kleiner Teil der möglichen belegt, ein Großteil der Friedhofsfläche ist frei. Dementsprechend gering sind die Einnahmen aus den Gebühren von durchschnittlich deutlich unter 30 Euro pro Jahr und Einzel- sowie Doppelgrab. Der Aufwand aber ist hoch. „Mit den derzeit gültigen Gebühren ist der Friedhof nicht mehr zu bewirtschaften“, alarmiert der zuständige Pfarrer Daniel Senf. Dabei sei der Pflegeaufwand auf dem Friedhof aktuell schon sehr gering gehalten, was wiederum zu Beschwerden der Bürger führen würde. Die Gemeinde kann und will das verlangte Mehr an Pflege aktuell nicht leisten. Schon ein Containerwechsel würde 100 Euro kosten. Wenn – wie oft gewünscht – monatlich ein Dienstleister das Rasenmähen übernehmen würde, würden die Kosten ebenfalls weiter explodieren und/oder die Gebühren für die Grabstellen müssten nach oben gehoben werden. Das Problem sei, dass sich ein Friedhof mit allen Kosten selbst tragen müsse, bestätigt auch Pfarrer Matthias Taatz. Es gibt für Kirchengemeinden keine Möglichkeit der Subventionierung und jeder einzelne Gottesacker muss einzeln abgerechnet werden. „Wenn der Friedhof so umfassend gepflegt werden soll, wie es sich viele wünschen, müssen wir anders und vor allem ehrlich kalkulieren“, sagt Pfarrer Daniel Senf, „das bedeutet dann allerdings so viel höhere Gebühren, dass wir das nicht zumutbar finden.“ Daher müsse man nun unter Einhaltung von gesetzlichen Fristen auch die Schließung des Friedhofs ins Auge fassen.

Ideen gesucht

Pfarrer Daniel Senf. Quelle: Dirk Knofe

Für Lösungen seien dringend auch Vorschläge der Bürger nötig, um über andere Gestaltungskonzepte nachzudenken. Dass Delitzsch den Gottesacker in seinen kommunalen Bestand aufnimmt, ist unwahrscheinlich – der Friedhof in der Dübener Straße von Delitzsch bereitet genug Arbeit und er hat genug Platz. Im Gemeindebrief hat der Pfarrer zur Beteiligung aufgerufen, bislang aber kaum Resonanz und schon gar keine aus Brodau erhalten. In der Vergangenheit sei aber viel Arbeit in Sachen Pflege von Ehrenamtlichen übernommen worden, lobt der Pfarrer. Ein Zschepener beispielsweise hat im August erst den kompletten Friedhof gemäht. Auch der eine Friedhofsmitarbeiter des Kirchspiels verrichte auf dem Areal viel ehrenamtliche Arbeit zusätzlich.

Kosten nicht das einzige Problem

Zudem ist der Kostenfaktor nicht das einzige Manko auf dem Brodauer Friedhof. Die Umfriedung ist nicht geschlossen, es fehlt eine ganze Mauerseite, sodass jeder zu jeder Tages- und Nachtzeit auf den Friedhof gehen und dort Schaden anrichten kann. Auch die Abschiedsfeiern in der kleinen Trauerhalle verlangen viel organisatorisches Geschick von Pfarrer, Bestattungsunternehmen und Angehörigen. Der Friedhof Brodau ist der einzige, auf den der Pfarrer immer wieder mit dem Auto fährt – ohne den Strom aus seinem Wagen wäre es mangels Steckdose nicht einmal möglich, Musik für einen würdevollen Abschied zu spielen.

Von Christine Jacob

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