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Bürgermeister Freigang fürchtet Überschwemmung der Schladitzer Bucht

Bürgermeister Freigang fürchtet Überschwemmung der Schladitzer Bucht

Es tut sich was an der Wasserlinie: Weil sämtliche Ex-Tagebau-Gewässer im Leipziger Neuseenland noch im Bergrecht stehen, also offiziell nicht fertig sind, haben der Freistaat und der Bergbausanierer LMBV vor Kurzem eine Zwischenlösung formuliert.

Delitzsch. Ein Vertrag "zur frühzeitigen Nutzung von Bergbaufolgeseen". Die Rahmenvereinbarung fixiert Rechte und Pflichten für alle Beteiligten, soll Planungssicherheit schaffen. Die LMBV nimmt das Papier nun als Grundlage für neue Nutzungsverträge mit den Anrainerkommunen. Im nördlichen Neuseenland allerdings werden damit neue Fragen aufgeworfen.

Beispiel Rackwitz. Seit Tagen hat Bürgermeister Manfred Freigang (UWR) den Entwurf eines Nutzungsvertrags für den Schladitzer See auf dem Tisch, die LMBV bittet um Unterschrift. Doch der Rathauschef hat an dieser Stelle eine Schreibblockade. "In dem Vertrag stehen Dinge drin, die ich nicht akzeptiere", erklärt er auf LVZ-Nachfrage. So solle die Gemeinde künftig eine Pacht für den Gewässerrandstreifen an den Freistaat zahlen. Das Land ist und bleibt per Gesetz Eigentümer der ersten zehn Ufer-Meter ab Wasserkante, der Gemeinde gehört der Strand dahinter. "Damit habe ich kein Problem, aber mit der Pacht", sagt Freigang. Dabei geht es ihm mehr ums Prinzip als ums Geld. "Wir reden hier von 670 Euro pro Jahr. Hat der Freistaat das nötig?"

Besonders kritisch sieht Freigang die Präambel des Nutzungsvertrages. Dort ist für den Schladitzer See ein künftiger Endwasserstand von 104,5 Meter formuliert. "Das sind 90 Zentimeter mehr, als bei der Strandgestaltung vor zwei, drei Jahren angenommen wurde. Damit wären weite Teile des Ufers, in das die LMBV viel Geld investiert hat, unter Wasser." Auch Anlagen des privaten Buchtbetreibers All-on-sea wären gefährdet. Zwar ist die Überschwemmung der Schladitzer Bucht aktuell keine reale Bedrohung - die LMBV schrieb dem Vernehmen nach lediglich eine theoretische Zahl in die Präambel, da noch kein wasserrechtliches Planfeststellungsverfahren mit verbindlichen Aussagen angelaufen ist. Trotzdem: "104,5 geht auf keinen Fall. Im Zweifel muss der See einen Notüberlauf bekommen", sagt Freigang und fordert klare Festlegungen. "Dafür ist der Nutzungsvertrag schließlich da - für mehr Planungssicherheit."

Auch am Werbeliner See kann die Rahmenvereinbarung mit dem Freistaat nicht alle Fragen beantworten. Die Ungewissheit, ob sich Naturschutz und touristische Nutzung auf einen Nenner bringen lassen, bleibt. Der Zwochauer See schwimmt derzeit noch in der Grauzone. Er liegt im selben Europäischen Vogelschutzgebiet wie der Werbeliner See, allerdings wurde in Zwochau schon vor Ausweisung der Schutzzone das Baden Ortsansässiger geduldet. Eine Zulassung für den Gemeingebrauch gebe es aktuell laut LMBV nicht. Voraussichtlich im Frühjahr findet im genutzten Uferbereich aber eine Strandgestaltung mit Geldern von Bund und Freistaat statt. Spätestens dann dürfte auch der Gemeinde Wiedemar, zu der Zwochau gehört, ein Nutzungsvertrag mit der LMBV auf den Tisch flattern.

Und der Seelhausener See? Ungewissheit herrscht auch hier. "Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir keine Möglichkeit zum kurzfristigen Abschluss eines Nutzungsvertrages mit der Gemeinde Löbnitz", sagt Petra Morszeck, Leiterin der LMBV-Abteilung Flächenmanagement. Zum einen fehle auch hier die Zulassung für den Gemeingebrauch, die vom Landratsamt als zuständige Ordnungsbehörde zu erteilen wäre. Zum anderen ist weiterhin unklar, inwieweit der See in ein länderübergreifendes Hochwasserschutzkonzept eingebunden wird. Immerhin: Oberhalb der Vorbehaltslinie von 84 Metern kann gebaut werden. Ein Bauflächenverkauf von der LMBV an die Gemeinde Löbnitz soll dem Vernehmen nach im Herbst erfolgen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2015
Kay Würker

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