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Bürgermeister sind gegen Naturschutzgebiet am Werbeliner See

Aufstand der Rathauschefs Bürgermeister sind gegen Naturschutzgebiet am Werbeliner See

Rathauschefs aus fünf Kommunen im Delitzscher Land distanzierten sich am Mittwoch von Plänen der Unteren Naturschutzbehörde. Diese will in den nächsten Tagen eine einstweilige Verordnung auf den Weg bringen, die ein großes Areal am Werbeliner See zum Naturschutzgebiet erklärt.

Solidargemeinschaft am Werbeliner See (von links): Axel Wohlschläger (Löbnitz), Manfred Wilde (Delitzsch), Ines Möller (Wiedemar), Jörg Enke (Schkeuditz), Steffen Schwalbe (Rackwitz).

Quelle: Alexander Prautzsch

Delitzsch. Mit einer beispiellosen Aktion proben die Anrainerkommunen des Werbeliner Sees den Schulterschluss. Am Mittwochnachmittag trafen sich die Rathauschefs von Delitzsch, Schkeuditz, Wiedemar, Löbnitz und Rackwitz am Nordufer, unterzeichneten öffentlichkeitswirksam eine gemeinsame Erklärung. Tenor: Der Naturschutz gehört zum See, doch er kann nicht dessen ausschließliche Zukunft sein. Auch eine naturnahe touristische Nutzung im Sinne gelebter Bürgerbeteiligung müsse ermöglicht werden. Nachdem sich die Fronten zwischen Kommunen und nordsächsischem Umweltamt zuletzt massiv verhärtet haben, soll die Behörde nun mit öffentlichem Druck zum Einlenken gebracht werden.

Was die Bürgermeister ganz besonders auf die Palme bringt, ist – so die Aussage unisono – der Alleingang der Naturschützer im Landratsamt. Wie berichtet, soll mit einer einstweiligen Verordnung ein weiträumiges Areal am Werbeliner See sichergestellt werden, um es als Naturschutzgebiet zu deklarieren. Dieses würde deutlich weiter reichen als das bereits bestehende Europäische Vogelschutzgebiet – einerseits hinsichtlich Sanktionen bei Eingriffen in Flora und Fauna, zum anderen in Bezug auf die Grenzziehung.

Brodauer Zinken ist betroffen

Die Stadt Delitzsch bekommt das zu spüren: Das Nordufer mit dem Brodauer Zinken, bislang außerhalb der Vogelschutzzone, wird von der Verordnung eingeschlossen. Jene Flächen also, die Delitzsch fürs Baden im Blick hat, wo der Bergbausanierer LMBV einen Großparkplatz bauen ließ – und wo ein Investor ein Pferdesportzentrum plant. Den Kaufvertrag für 88 Hektar Land hat er bislang nicht unterzeichnet.

Auch der Zwochauer See ist betroffen. Jahrelang wartete die Gemeinde Wiedemar auf Fördermittel für die Zuwegung und Gestaltung des Badestrandes. „Im Mai endlich sollte es mit dem Bau losgehen. Doch wegen der bevorstehenden Verordnung wurde das Vorhaben gestoppt. Jetzt sollen Gutachten erstellt werden“, berichtete Bürgermeisterin Ines Möller (parteilos). Auch am Seelhausener See, auf der Gemarkung der Gemeinde Löbnitz, laufen laut Bürgermeister Axel Wohlschläger (CDU) noch Untersuchungen zu den Auswirkungen der Strandprojekte auf den Vogelschutz. Ergebnis offen.

„Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel“

Dass nun per Verordnung ein Naturschutzgebiet angeschoben werden soll, erfuhren die Kommunen im Frühjahr. Sie sollten Stellungnahmen abgeben. Unter anderem Delitzsch und Schkeuditz bemängelten, das fachliche Unterlagen vonseiten des Landratsamtes fehlen, erbaten Fristverlängerung. „Dem ist man nicht nachgekommen“, monierte Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). „Stattdessen wird die touristische Erschließung des Sees, die seit den 1990er-Jahren festgeschrieben ist, von einer einzelnen Behörde torpediert. Die Glaubwürdigkeit der Politik steht auf dem Spiel.“

Die Amtskollegen aus den Nachbarkommunen stärkten Wilde am Mittwoch demonstrativ den Rücken. Sie unterzeichneten die sogenannte Delitzscher Erklärung, mit der sich die Loberstadt gegen die beabsichtigte Verbotszone wehrt. „Wir stellen nicht das Vogelschutzgebiet in Frage, aber sehr wohl den Eingriff in kommunales Eigentum“, betonte Wilde. Die Delitzscher Erklärung soll diese Botschaft nach außen transportieren – zu Politikern von der Kreis- bis zur Ebene der Euopäischen Union, zu Wirtschaftskammern und Landesministerien.

Von Kay Würker

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