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Delitzsch „Butter ist das barocke Styropor“
Region Delitzsch „Butter ist das barocke Styropor“
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13:53 13.10.2009
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Delitzsch

Rund 200 nahmen das Angebot in Delitzsch an.

Sebastian Geisler, Frida Miltschus und Arved Thies ließen zur Eröffnung um 10Uhr etliche gelbe Luftballons mit Schlösserland-Logo zum Himmel steigen. Die fünfjährige Frida schlüpfte dafür sogar in ein Prinzessinenkostüm. „Ich bin heute Wilhemine von Ritterstein“, verkündete die Fünfjährige stolz. Arved Thies hat in Fridas Alter mit dem Trompetenunterricht an der Kreismusikschule Delitzsch angefangen. Sieben Jahre später durfte er deshalb mit barocken Trompetenklängen den besonderen Museumstag eröffnen. Sicher nicht oft hat er gleich einen ganzen barocken Hofstaat als Zuhörerschaft. Mittendrin befand sich auch der zum Haus- und Hofmeister mutierte Museumschef Jürgen Geisler, der über dem weißen Rüschenhemd auch eine neue Jacke mit Borte und güldenen Knöpfen trug. Überhaupt hatten sich die Museumsmitarbeiter mit viel Liebe zum Detail auf diesen Tag vorbereitet. Dazu gehörten auch die um 11 Uhr und um 15 Uhr angesetzten Führungen, bei denen die Gäste erfuhren, wie die Schlossherren vor über 300 Jahren tafelten, sich kleideten oder Körperpflege betrieben.

Herzogin Henriette-Charlotte empfängt ausnahmsweise in ihrem Ankleidezimmer.

Isabell Aurin-Miltschus erzählte im Ankleidezimmer, übrigens auf echtem Parkett aus dem Jahre 1690, dass es die Prinzessinnen mit dem Waschen nicht so genau nahmen. „Damals dachte man noch, dass die vom Wasser aufgeweichten Poren den Krankheiten Tür und Toren öffnen“, begründete die als Herzogin Henriette-Charlotte Gekleidete. Sauber war man, so führte sie aus, wenn kein Dreck zu sehen war und das Parfüm den Körpergeruch übertünchte. „Die Leibwäsche selbst wechselten die Damen jedoch relativ häufig“, plauderte die Herzogin weiter. Außerdem sei es üblich gewesen, Flohfallen und Kratzstäbe mit sich zu führen. Dass es im Ankleidezimmer nicht nur eine abgeschirmte Ecke für die Toilette, sondern auch einen Kamin gab, hatte ebenfalls seinen Grund. Schließlich brachten die Damen recht viel Zeit darin zu und frieren wollte sie nicht.

Waren sie endlich angezogen und frisiert, dann konnte sie ins Speisezimmer schreiten. In einem solchen erklärte Matthias Graupner unter anderem, dass der Aufschneider damals durchaus ein ehrbarer Beruf war und für den Braten zuständig war. Das Geschirr im Delitzscher Schloss selbst sei leider nicht originaler Barock, gab er zu. „Doch Barock ist immer auch die Kunst der Improvisation und damit mehr Schein als Sein.“ Dass der Kronleuchter, der über den Tafeln hing, damals aus ItaIien kam, war vielen Besuchern nicht neu. „Doch dass er in Butter über die Alpen transportiert wurde, schon. „Butter ist das barocke Styropor“, erläuterte Graupner, der auch verriet, dass das Sprichwort: „Alles in Butter“ hierin seinen Ursprung hat.

In Butter war auch ohne Kronleuchter alles für Familie Sedlaczek aus Ammelshain im Muldentalkreis. Die sechsjährigen Zwillinge Emilia und Johanna fanden die Musik und das Gespenst in der Decke des Schlosskellers klasse. Und die Eltern Konstanze und Thomas waren sich einig: „Die Fahrt nach Delitzsch hat sich für uns alle vier gelohnt.“

Ilka Fischer

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