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Delitzsch Chef der Freien Wähler in Delitzsch hat große Ziele
Region Delitzsch Chef der Freien Wähler in Delitzsch hat große Ziele
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14:00 11.06.2018
Uwe Bernhardt in seinem Reich: Hier entwickelt der Delitzscher Politiker (Freie Wähler) seine Ideen. Quelle: Christine Jacob
Delitzsch

Es gibt Menschen, bei denen gehen Form und Inhalt Hand in Hand. Uwe Bernhardt ist eine gewaltige Erscheinung. Offensichtlich stattliche Größe, stattliches Gewicht. Vor allem aber ist der 55-Jährige stimm- und stimmungsgewaltig. Kaum ein anderer der 30 Delitzscher Stadtrat piesackt den Oberbürgermeister so wie er.

Bruch mit dem OBM

Dabei war alles mal so harmonisch. Die Freien Wähler gehörten zu den großen Unterstützern von Manfred Wilde, als der vor zehn Jahren ja erst noch Oberbürgermeister werden wollte. Damals war auch Uwe Bernhardt erst frisch zu den Freien Wählern gestoßen, weil er sich kommunalpolitisch engagieren aber in keine Partei wollte. Freie Wähler und ein parteiloser, angeblich unabhängiger Kandidat zum Ende der Ära Bieniek? Das passt ... nicht mehr. „Freindschaft“ umschreibt wohl besser das heutige Verhältnis – mal ist man Feind, dann ganz kurz mal Freund. Als der OBM zwei Jahre nach Amtsantritt die inzwischen nicht mehr aktuelle Ricarda Steinbach als Wirtschaftsförderin an den Lober holte, war es mit dem guten Verhältnis vorbei. Rechtswidrig sei diese Einstellung gewesen, erinnert Uwe Bernhardt.

Klare Kante zeigen

Und mit Rechtswidrigkeiten können die Freien Wähler gleich mal gar nicht. Darum haben sie vor Kurzem auch eine Stadtratssitzung verlassen, als es um potenzielle LMBV-Zuwendungen für das neue Allwetterbad ging. „Wenn wir uns verschaukelt fühlen, an rechtswidrigen Dingen teilnehmen sollen, politische Minderheiten nicht ernst genommen werden oder ähnliches, dann zeigen wir klare Kante“, sagt der Fraktionschef. Also müsse man eben auch mal den Saal verlassen. Das sei keine Verweigerung an demokratischen Prozessen, sondern eine Sache des Protestes und auch kein Spaß. „Wir wollen uns auch nach außen hin ehrlich machen, nicht in Hinterzimmern kungeln“, betont Uwe Bernhardt für seine Fraktion, für seine Freien Wähler. Wobei „seine“... Da täusche das Bild, betont der Familienvater. Dass immer er es ist, der die großen und lauten Reden hält, das zeuge ja nicht von Dominanz. Es war eine Entscheidung der Fraktion, dass Bernhardt der Redner ist. Wobei Uwe Bernhardt natürlich schon aufgrund seiner Verwaltungserfahrungen der perfekte Gegner einer Stadtverwaltung ist – er kennt die Tricks von Verwaltungen, weiß, wie die Rathausmaschinerie getaktet ist. Zwei Tage pro Woche nimmt er sich garantiert Zeit, sich mit jeder Vorlage intensiv zu befassen. Mindestens einmal monatlich tagt die Fraktion, sechsmal jährlich gibt es Mitgliederversammlungen, dann noch die jährliche Klausurtagung der Freien Wähler und etliche andere Termine. „Das alles frisst viel Freizeit. Ohne Rückhalt der Familie geht es nicht“, weiß Uwe Bernhardt auch die starke Frau an seiner Seite zu schätzen.

Frauen sind wichtig

„Unsere Frauen sind auch kein Stimmvieh“, sagt der 55-Jährige auch über die Damen in Reihen der Freien Wähler. Frauen in der Politik sind nämlich eine echte Herzensangelegenheit für ihn. Als er vor zehn Jahren bei den Freien Wählern einstieg, war das ein Altherren-Verein von acht Aktiven. Mittlerweile sind es 38 vom Arbeiter bis zum Zahnarzt bei einem Frauenanteil von 40 Prozent. Den Sitzanteil im Stadtrat haben die Freien Wähler mit jetzt sechs Mandaten verdreifacht, zwei davon sind in weiblicher Hand. Und wenn Uwe Bernhardt in seinem Reich, dem in die Jahre gekommenen Stuhl an der Laube des großen Familiengartens, sitzt, dann grübelt er oft, wie man(n) noch mehr Frauen für die Politik motivieren kann.

Zur Person

Uwe Bernhardt ist 55 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne (16 und 18 Jahre). Von Haus aus ist der Delitzscher Deutschlehrer, studierte nochmals bis zum Diplom-Verwaltungswirt. Seit 1994 arbeitet er in der Stadtverwaltung Leipzig, war lange im Personalamt und ist inzwischen seit 2014 Leiter des Standesamtes. Er ist Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Delitzscher Stadtrat, Kreisrat im Kreistag Nordsachsen, Mitglied des Jugendhilfeausschusses im Kreistag Nordsachsen, Mitglied im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Stadtrates, Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss des Stadtrates, zudem ist er Aufsichtsrat der Wohnungsgesellschaft und in der neuen Energiegenossenschaft.

Wenn er da so sitzt, blickt er auch auf das klare Wasser des kleinen Pools und damit hinein in das große Thema der Freien Wähler – Schwimmen unter freiem Himmel. Vehement setzt sich die Gemeinschaft für den Erhalt des Freibades mindestens bis zur Fertigstellung des Allwetterbads ein. „Die Elberitzmühle ist ein Traditionsstandort“, sagt Bernhardt, „angesichts der Situation am Werbeliner See nimmt man den Delitzschern sonst die einzig legale Schwimmmöglichkeit unter freiem Himmel. Zudem ist das Freibad auch eine Sozialeinrichtung.“ So wird es auch im Wahlkampf zur Kommunalwahl 2019 garantiert eine große Rolle spielen. Das Wahlkampfteam steht schon, geleitet wird es von Frauen. „Schmusewahlkampf ist unsere Sache nicht“, erinnert Bernhardt gleich mal, wie die Freien Wähler zur zweitstärksten Fraktion im Stadtrat werden sollen. 2022 wollen die Freien Wähler definitiv auch einen OBM-Kandidaten stellen – einen oder eine, die es mit Wilde aufnehmen kann.

Von Christine Jacob

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