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Delitzsch Christen feiern in vielen Kirchen die Auferstehung
Region Delitzsch Christen feiern in vielen Kirchen die Auferstehung
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18:47 05.04.2010
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Delitzsch

Auch in den Bankreihen der evangelischen Marienkirche der Loberstadt war kaum noch ein Platz frei. Es ist eine ungewöhnliche Zeit für Andrang in der Kirche. Die Zeiger der Uhr rücken auf zehn Uhr abends, als am Samstag vor Beginn des Gottesdienstes schnell noch die letzten Besucher erscheinen. Schulter an Schulter sind die Menschen in den Bankreihen zusammengerückt, es wird teilweise eng. Und doch liegt Stille in dem großen Raum. Orgel und Glocken schweigen, das Licht ist gelöscht, nur eine Leinwand vor dem Altar wird angestrahlt. Bilder der Trauer sind dort zu sehen – ein Kreuz am Straßenrand etwa, das von einem tödlichen Unfall kündet. „Mehr blieb uns nicht. Eine Sekunde nur, und alles war vorbei“, spricht ein Mädchen der Jungen Gemeinde dazu. Das Bild eines blumengeschmückten Sarges. „Unvergessen die Liebe, das Gesicht“, sagt das Mädchen. „Und doch ahnen wir: Wir vergessen schnell.“  

Delitzsch. In diversen evangelischen und katholischen Kirchen feierten am Wochenende Hunderte Christen in Delitzsch und Umgebung die für sie wichtigste Nacht des Jahres. Indem sie symbolisch das Licht in die Gotteshäuser holten, gedachten sie vom Samstag zum Sonntag der Auferstehung Jesu.

  Die dunkle Stimmung in der Kirche steht für die Trauer über die Kreuzigung Jesu am Karfreitag. Und das Warten auf das Licht. „In der Osternacht feiern wir den Umschwung vom Tod zur Auferstehung“, erklärt der Pfarrer der Marienkirche, Stephan Pecusa. „In die Finsternis kommt neues Licht hinein.“ Es kommt in den Händen von Jugendlichen der Jungen Gemeinde. Sie tragen Kerzen in die Kirche, geben die Flamme weiter an die Kerzen der Besucher, entzünden schließlich die Dochte am Altar. Mit einem Mal erklingt die Orgel wieder, es wird gesungen und gebetet, die Glocken läuten. Eine Zere-monie, die an diesem Wochenende in vielen Kirchen in und um Delitzsch zu erleben ist. Ein Neubeginn. Für Yvonne Dreßel ist er das in ganz besonderer Weise. Die 28-Jährige hat sich entschieden, sich in der Osternacht nachträglich taufen zu lassen. „Dieser Entschluss ist bei mir über Jahre gereift“, erzählt die Delitzscherin, die ohne Konfession aufgewachsen ist. „Das erste Mal habe ich vor etwa zehn Jahren darüber nachgedacht, habe dann viel mit Freunden darüber gesprochen. Zwischenzeitlich hatte ich den Gedanken verworfen und dann doch wiederentdeckt.“ Ab Januar habe sie schließlich zur Vorbereitung viele tiefschürfende Gespräche mit Pfarrer Pecusa geführt. Und ist nun froh, diesen Weg gegangen zu sein. „Getauft zu sein, gibt mir eine Kraft, die ich vorher nicht hatte.“ Für den Marienkirchpfarrer sind Erwachsenen-Taufen keine Seltenheit. „Viele sind in der DDR-Zeit ohne Glaube aufgewachsen und haben sich erst später dafür entschieden“, berichtet Stephan Pecusa – auch mit Blick auf seine eigene Biografie. Auch er habe sich erst mit 18 taufen lassen. An diesem Abend gibt es in der Marienkirche mit der zwölfjährigen Anna-Sophie Prägler noch einen weiteren Täufling. „Die Osternacht ist der alte und heilige Tauftermin“, erklärt der Pfarrer. Zugleich bedeutet sie das Ende der Fastenzeit. Stephan Pecusa berichtet von Jugendlichen seiner Gemeinde, die für 40 Tage auf Fernsehen, Süßigkeiten oder Handys verzichtet haben. Einige von ihnen wollen die Osternacht nun im Pfarrhaus durchwachen. Und wenngleich die Müdigkeit am Sonntagmorgen in den Knochen steckt, sie sind die Ersten, die zu Sonnenaufgang im Pfarrgarten das entzündete Osterfeuer sehen.

Kay Würker

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