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Cybermobbing - Oberschule Nord warnt vor Gefahren im Internet

Cybermobbing - Oberschule Nord warnt vor Gefahren im Internet

Ein Raum, ein paar Blatt Papier und Stifte - und eine Klasse ist "online". Mehr braucht es für Schulsozialarbeiterin Mechthild Nitschke und Lehrer Samuel Bednarzik nicht, um Kindern an der Oberschule Nord die Gefahren des Internet zu verdeutlichen.

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Digitale Profile in Sozialen Netzwerken sind mindestens so öffentlich wie ein Steckbrief, den man vor der Schule auf eine Wäscheleine hängt. Das lernten auch Fabienne Rost, Josua Schelz, Josy Giebler, Meggi Ringewald und Lara Rost. Für ein Foto fertigten sie fiktive Profile an.

Quelle: Wolfgang Sens

DELITZSCH. Negativerfahrungen haben die gut 20 Schüler alle schon gemacht. "Cybermobbing ist ein Thema an den Schulen, auch in den unteren Klassen erleben das die Schüler", sagt Konrektorin Petra Fiedler, "und wir wollen die Kinder rechtzeitig aufklären, was für Gefahren noch im Internet lauern." Daher kommen die drei fünften Klassen der Oberschule mal bewusst in den Genuss eines besonderen Unterrichts - der Medienprävention. Bewusst habe man das Thema ins neue Jahr und in die untersten Klassen verlegt: "Viele Kinder haben zu Weihnachten sicherlich Smartphones geschenkt bekommen", schildert Fiedler, "wir wollen die Schüler sensibilisieren und ihnen ein gesundes Misstrauen vermitteln."

Vor allem das gesunde Misstrauen ist bitter nötig. Ohne Zögern geben die meisten Kinder ihre Daten weiter, pflegen den offenen Umgang mit privaten Angelegenheiten. Auf einem A4-Blatt sollten sie als Hausaufgabe das Profil in einem x-beliebigen sozialen Netzwerk ausfüllen. Anschrift, Handynummer, sogar schwere Krankheiten nennen sie bereitwillig und für jeden in diesem gespielten Internet sichtbar. Ihre "Trainer" am heutigen Tag wissen: Was die Kinder auf Papier tun, das tun sie auch im Internet. Facebook oder auch der beliebte Nachrichtendienst WhatsApp sind laut Geschäftsbedingungen eigentlich erst ab 16. Doch die Kinder der Oberschule sind trotzdem drin und dass sie ihre Telefonnummer veröffentlichen, hat schon mancher Schülerin anzügliche Nachrichten eingebracht.

Was jede Minute im Internet passieren kann, verdeutlichen Samuel Bednarzik und Mechthild Nitschke. Die Runde ist eröffnet, sie und die Kinder gehen durch den Raum und lesen sich die ausgedruckten Profile durch - so wie jeder auch im echten Internet surfen könnte. Es dürfen Kommentare gegeben, Freundschaftsanfragen versendet, erhobene Daumen verteilt und Dinge geteilt werden. Wie in der echten virtuellen Welt. Auch zwei neue Profile liegen aus. Das von "Sweet Jane" und das von "Tobias Macher". Nitschke und Bednarzik haben sie erstellt. "Bist du die Bitch, die mir den Freund ausgespannt hat? Das gibt Ärger!", muss sich eine Elfjährige nun von "Sweet Jane" drohen lassen.

Drohungen und Beleidigungen sind durchaus kein kleines Thema, weiß Schulsozialarbeiterin Nitschke, die auch für die Artur-Becker-Oberschule zuständig ist. So werde im Internet oder via WhatsApp "dumm gemacht", wie es die Jugendlichen nennen. Smartphones sind Status, so gebe es "materialistisches Mobbing", wenn einer nicht das neueste habe und ansonsten Lästern, wenn einer zum Beispiel dick ist. Nur bekommt dies auf Basis der Schriftkommunikation schneller einen verletzenden Dreh. Die Kinder und Jugendlichen würden sich so noch mehr trauen als "früher" auf dem Schulhof. Immer wieder sei in ihren Sprechstunden auch der multimediale Stress Thema, etwa wenn Kinder in WhatsApp-Gruppen sind und nicht mal genug Ruhe für die Hausaufgaben bleibt.

Oft genug seien diese Gruppen eher sinnfrei, unbedarft würden Nummern weitergegeben oder gehänselt bis gemobbt. "Auf der anderen Seite sitzt ein Mensch", erinnern Nitschke und Bednarzik auf einem Zettel mit fünf Regeln für Fairness und Sicherheit im Internet, "was du nicht willst, dass man dir tut, das füg' auch keinem anderen zu." Mancher schaut ertappt nach unten.

Der große Schock folgt aber noch für die Fünftklässler. Tobi, den die meisten Mädchen irgendwie süß und nett finden, kann sich in der Klasse unkompliziert Nummern einsacken, Mädchen anflirten. Die Kinnlade fällt den Mädels runter, als ihr Lehrer aufklärt: "Ihr wisst nicht, wer da am anderen Computer sitzt. Tobias Macher heißt eigentlich Hermann Müller, ist 57 Jahre alt und saß schon acht Jahre im Gefängnis wegen sexuellen Missbrauchs." Am Ende, so Konrektorin Fiedler, bleibe nur zu hoffen, dass der Schock heilsam und das Training nachhaltig ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.01.2015
Christine Jacob

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