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Das Delitzscher Land profitiert von Leader und Leipzig-Sog

Ansiedlungen Das Delitzscher Land profitiert von Leader und Leipzig-Sog

Das Delitzscher Land als Wohnstandort befindet sich auf der Überholspur. Der Sog der Stadt Leipzig wirkt sich auch auf den ländlichen Raum im Norden aus – vor allem entlang der S-Bahn-Linien. Und das EU-Förderprogramm Leader wird als Zuschussquelle immer beliebter.

In das Familienbildungshaus in Sauselitz flossen auch Leadermittel.

Quelle: Alexander Bley

Delitzsch. Die ländliche Entwicklung im Delitzscher Raum ist eine famose Erfolgsgeschichte. Zu diesem Resümee kommt Nordsachsens Wirtschaftsförderin Uta Schladitz nach einem Vierteljahrhundert Aufbauarbeit. Seit 1991 seien stolze 311 Millionen Euro Fördermittel in die Region geflossen, abgerufen über rund 11 400 Projektanträge. „Wir spüren hier den Sog der Schwarmbewegung nach Leipzig", sagt Matthias Taatz, Vorsitzender des Vereins Delitzscher Land. „Vor allem junge Familien lassen sich nieder.“

Am Mittwoch war wieder so ein Anschub-Tag für die regionale Dorfentwicklung. Das Entscheidungsgremium des Vereins, in erster Instanz zuständig für die Verteilung von Fördergeldern aus dem Leader-Programm, gab für rund ein Dutzend Projekte grünes Licht. Gesamtwert: etwa 570 000 Euro. Das Geld soll in Wohnungen, Gewerbeansiedlungen und in die Dorfgestaltung fließen. „Vor allem für die Wiederbelebung von Bausubstanz aus der Zeit vor 1990 zu Wohnzwecken gibt es viele Förderanträge“, schildert Taatz. Auch für die Erneuerung historischer Dorfdetails sprudeln die Ideen bei Kommunen, Vereinen und Privatleuten. Die Palette reiche vom zu restaurierenden Brunnen übers Taubenhaus bis hin zu Windmühlenflügeln. Die Orte arbeiten so an ihrer Attraktivität. Verwaiste Dörfer wie anderswo in Mitteldeutschland gebe es im Delitzscher Raum nicht, sagt Uta Schladitz. Insbesondere entlang der S-Bahn-Linien läuft die Besiedelung in rasantem Maße. „Die S-Bahn ist ein Segen", konstatiert Schladitz.

Leadergelder fließen bis 2023

Und das europäische Leader-Programm ist der derzeit wohl wichtigste öffentliche Financier der ländlichen Entwicklung. Noch bis 2023 laufen die Auszahlungen der aktuellen Förderphase. Am Mittwoch waren Vertreter des Landes und des Bundes vor Ort zu Gast, um sich ein Bild von der praktischen Umsetzung zu machen. Auf einer Besichtigungstour reisten sie vom Schladitzer See bis nach Sausedlitz in der Gemeinde Löbnitz. „Ich bin angetan vom riesigen Engagement in der Region“, würdigte Frank Bartelt, der das Leaderprogramm auf Bundesebene koordiniert. „Leader hat in den Kommunen enorm an Bekanntheit gewonnen“, bestätigte Uta Schladitz.

Für die Projektträger bedeutet diese Popularität allerdings mehr denn je eine Geduldsprobe. Aufgrund eines neu eingeführten Rankingsystems treten die Projekte als Kontrahenten gegeneinander an. Die besten Aussichten haben Vorhaben mit hoher Nachhaltigkeit, etwa hinsichtlich Arbeitsplätzen oder in Bezug auf den Nutzen für mehrere Generationen. „Manchmal entscheiden aber auch nur hundert Euro über Zusage oder Absage. Dann liegt es gar nicht an der Qualität“, erklärt Matthias Taatz. In aller Regel werde den Projektträgern deshalb empfohlen, es erneut mit einer Bewerbung zu versuchen. Immer wieder starten neue Aufrufe, das Gesamtbudget an Leaderfördergeldern wird scheibchenweise über Jahre hinweg ausgereicht. So will es der Freistaat Sachsen. Von 10,4 Millionen Euro Budget im Delitzscher Land wurden bis dato erst 1,35 Millionen für konkrete Maßnahmen befürwortet. Die Wiederbeleber alter Wohnhäuser, die am Mittwoch nicht zum Zuge kamen, haben deshalb schon im Oktober die nächste Chance.

Von Kay Würker

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