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Delitzsch Das unerklärliche Geschenk der Feuerwehr Zschernitz
Region Delitzsch Das unerklärliche Geschenk der Feuerwehr Zschernitz
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07:00 15.09.2018
Ortswehrleiter Detlef Kohl im Feuerwehrfahrzeug von 1959. Er hatte es 1990 in einer Garage nahe Jever (Friesland) entdeckt. Quelle: Wolfgang Sens
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Zschernitz/Wittmund

Die genauen Gründe kennt Detlef Kohl nicht. Der Ortswehrleiter von Zschernitz steht im Feuerwehrhaus an der Mittelstraße des kleinen Ortsteils von Wiedemar – hinter ihm das Feuerwehrfahrzeug Magirus-Deutz. Vor 28 Jhren hatte er es in einer Halle zwischen vielen Bussen entdeckt. Warum der damalige Besitzer, ein Busunternehmer aus Niedersachsen, das Fahrzeug der Feuerwehr schenkte, kann sich Kohl bis heute nicht erklären.

Der Magirus-Deutz der Zschernitzer Freiwilligen Feuerwehr ist knapp 60 Jahre alt – und damit das älteste noch voll im Einsatz stehende Einsatzfahrzeug in Nordsachsen.

Tiefe Freundschaft an der Nordsee

Seit dem 1. Januar 1990 ist Detlef Kohl Ortswehrleiter. Und noch länger ist der 62-Jährige Busfahrer. Bei einer Reise an die Nordsee, kurz nach der politischen Wende, kam er auf den Firmenhof des Reiseunternehmers Berthold Janssen in Wittmund nahe Wilhelmshaven. Während des Aufenthalts ging Kohl durch eine der dortigen Fahrzeughallen. Zwischen den Bussen entdeckte er ein – auch damals schon – altes Feuerwehrfahrzeug. Es war der Magirus-Deutz, Baujahr 1959. Janssen habe ihn dann gefragt, ob er das Fahrzeug haben möchte. Kohl antwortete, dass sich Zschernitz das nicht leisten könne. Die Antwort des Unternehmers: „Ich schenke ihn euch“. Zusätzlich habe er das Fahrzeug vor der Übergabe noch einmal komplett überholen lassen. „Warum er das alles tat, weiß ich nicht“, sagt Kohl, „er war ein guter Mann. Inzwischen ist er leider gestorben.“ Seine beiden Söhne führen das Unternehmen weiter und pflegen die Kontakte nach Zschernitz.

Am 3. Oktober 1990 war es dann soweit. Für die Übergabe hatten sich Kohl und Janssen symbolträchtig den Tag der Deutschen Einheit ausgesucht. Die Kameraden der Feuerwehr aus Cleverns, einem Nachbarort von Wittmund, brachten das Fahrzeug persönlich die gut 450 Autobahnkilometer hinunter. Seitdem bestehe eine tiefe Freundschaft mit wechselseitigen Besuchen. Ein West-Ost-Konflikt habe nie eine Rolle gespielt, sagt Kohl.

Schrottplatz? Nein, danke!

Das Fahrzeug sei „etwas schwierig zu fahren“, sagt der Ortswehrleiter, „man muss das Lenkrad schon festhalten. Ansonsten ist es topp“ und sogar original erhalten. Nur zwei LED-Blitzer an der Front wurden zusätzlich angebracht, um die Sicherheit zu erhöhen. Denn die Rundleuchten auf dem Dach sind bei starkem Sonnenschein nur schwer zu erkennen. Doch das braucht es. Denn das Tanklöschfahrzeug fährt jeden Einsatz mit. 15 Mal ist es bereits in diesem Jahr ausgerückt. Das sei für die Ortswehr viel, sagt Kohl. Die zurückliegenden Jahre waren es im Schnitt zehn Einsätze pro Jahr. 2500 Liter Wasser bringt es dann jedes Mal an den Einsatzort. Mit 59 Jahren ist es zudem das älteste aktive Einsatzfahrzeug in Nordsachsen. Zu seinem 60. Geburtstag im kommenden Jahr könnte das Fahrzeug die 60 000 Kilometer voll machen. Derzeit sind es 59 919.

Die kleine Ortsfeuerwehr hat zurzeit 16  aktive und insgesamt 24 Mitglieder. „Zwei sind in diesem Jahr neu dazugekommen“, sagt Kohl. „Hoffen wir, dass sie bleiben.“ Auch wenn das noch nicht sicher ist: eines ist es. Sollte der Magirus-Deutz einmal durch ein neues Fahrzeug ersetzt werden, landet er keinesfalls auf dem Schrottplatz. Er gehe zurück zur Familie Janssen, wird zum Ausstellungsfahrzeug in Zschernitz oder kommt ins Museum, sagt der Mann, der es 1990 von der Nordsee nach Nordsachsen holte.

Von Mathias Schönknecht

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