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Deichbruch setzt Löbnitz unter Wasser

Deichbruch setzt Löbnitz unter Wasser

Land unter in Löbnitz. Die gut 2000 Einwohner der Muldegemeinde sind geschockt. Ihre Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Das Hochwasser hat tiefergelegene Bereiche des Dorfes fest im Griff.

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Die Kieswand im Zscherngraben (links) hat gehalten.

Quelle: Andreas BechtloffFFW Löbnitz

Löbnitz. Betroffene schätzen, dass der Pegel zwar nicht ganz so hoch stieg wie 2002, doch glücklicher macht sie das nicht. Mit der Fassungslosigkeit und dem Schmerz über den erneuten Verlust von persönlichen Dingen mischt sich aber auch Wut und Unverständnis.

Um 18 Uhr am Montag heulte die Sirene im Dauerton. Es war jenes Signal, auf das alle gern verzichtet hätten, denn es bedeutete nichts Gutes. Viele saßen gerade am Abendbrottisch, als der Deich in Roitzschjora brach. Urplötzlich verging ihnen der Appetit, denn die Löbnitzer wussten: Das Wasser kommt. Es kam langsamer als vor elf Jahren, erinnern sie sich. Doch Meter um Meter fraß sich die braune Brühe über die Aue ins Dorf, sog alles auf, was im Weg stand. Hilf- und machtlos sahen die Hauseigentümer in der Dübener Straße zu, wie das Wasser Besitz von Grundstück und Gebäude nahm. Nachbarn stützten sich gegenseitig, redeten sich zu, Tränen flossen. Die Frage nach der Schuld wurde natürlich gestellt. "Elf Jahre lang nichts am Deich gemacht, wir baden es jetzt wieder aus." Die Vorwürfe wiegen schwer. Konkret wird aber keiner. Fakt ist: Der Deich brach dort, wo die schwächste Stelle war. Hinter dem Campingplatz. Dort, wo nach Ansicht der Betroffenen am wenigsten für dessen Stabilität getan wurde. Sich mit der Schuld zu beschäftigen, hat derzeit keine Priorität. Bürgermeister Axel Wohlschläger (CDU) wollte am liebsten an allen schwierigen Abschnitten gleichzeitig sein. Am Telefon koordinierte er, was in dieser akuten Situation möglich ist. Im Feuerwehrgerätehaus kam es zu Aufruhr. Christian Hoffmann, stellvertretender Wehrleiter, teilte Gruppen ein, um die letzten, vermeintlichen Häuser mit Sandsäcken zum sichern.

Die Betroffenen aus der Fasanerie, der Alten Stadt, hatten mit sich zu tun. Vom Hausdach aus wurde beobachtet, wie das Wasser immer näher rückte. Kaninchen wurden im letzten Moment noch in Sicherheit gebracht. Kühe auf der Weide spürten die Gefahr, suchten höhergelegene Stellen auf. Doris Link vom Highlandzuchtbetrieb vermisste bereits ein Tier. Traurige Erinnerungen an 2002 wurden wieder wach. "Einfach schrecklich, es riecht auch so wie damals", sagte eine Einwohnerin.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2013

Ditmar Wohlgemuth

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