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Delitzsch Delitzsch, Krostitz, Rackwitz: Neue Straßennamen gesucht
Region Delitzsch Delitzsch, Krostitz, Rackwitz: Neue Straßennamen gesucht
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06:00 16.02.2017
Neue Eigenheimsiedlungen zogen in den vergangenen Jahren auch neue Straßen mit sich, für die die Kommunen Namen finden mussten. Quelle: Alexander Prautzsch
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DELITZSCH/RACKWITZ/KROSTITZ

Nicht nur die Stadt Delitzsch, sondern auch die Gemeinden erleben einen Bauboom. Schöne Folge: Neue Gebiete für Häuslebauer und neue Straßen müssen laut sächsischer Gemeindeordnung benannt werden. Doch wie kommen sie zu ihren Namen? Wer legt sie fest?

Die Große Wallstraße im Wohngebiet Sandmark in Delitzsch, die F.-E.-Busse-Straße in Biesen oder der Lerchenweg in der Krostitzer Dorfmark sind Beispiele neuer Straßen. Wie sie zu ihren Namen kommen, liegt im Ermessen der Kommunen, deshalb hat der Stadt- beziehungsweise der jeweilige Gemeinderat die Namen zu beschließen. Die Namen sollen möglichst klar und einprägsam sein sowie nur einmal im Gemeindegebiet vorkommen, um Verwechslungen zu vermeiden.

In Delitzsch betreut diesen Prozess das Stadtplanungsamt. Das hat klare Maßgaben wie die, dass Straßen grundsätzlich nicht nach lebenden Personen benannt werden. Als Namensgeber können beispielsweise örtliche Gegebenheiten, themenbezogene Namen aus Natur, Musik und Wissenschaft oder auch Richtungsweisungen dienen. Vorschläge kommen aus der Stadtverwaltung. Große Wallstraße habe beispielsweise Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) vorgeschlagen, weil bei der Erschließung des Wohngebietes Sandmark entlang der Werbener Straße ein Wall aufgeschüttet worden ist.

Krostitz hat eine Vogelschar

Für das Wohngebiet Dorfmark in Krostitz war sich der Gemeinderat einig, die durchquerende Verbindung als Oststraße zu bezeichnen, weil sie praktisch die Verlängerung dieser Straße ist. „Die an den Kreisverkehren abgehenden Anliegerstraßen sollten Vogel- oder Namen von Bäumen tragen“, berichtet Bürgermeister Wolfgang Frauendorf (CDU). Die Vorschläge dafür kamen aus dem Gemeinderat. „Ich habe Drosselgasse vorgeschlagen“, erinnert sich Frauendorf. Und weil das Wohngebiet auf Kirchenland liegt, brachte auch der Gemeindekirchenrat mit Meisenring einen Namen ein. So wird die Straße heißen, die durch den jetzt zu erschließenden Teil führt. In den Straßen wurden die Hausnummern so festgelegt, dass auf der einen Seite die geraden und auf der gegenüberliegenden die ungeraden Zahlen fortlaufend zu finden sind.

Nummern-Probleme in der Sandmark und Schönwölkau

Die Nummer mit der Nummer ist nicht so leicht: Die Vergabe der Hausnummern erfolgt in der Regel nach einer Bebauungskonzeption, die der voraussichtlichen Grundstücksteilung folgt. „Häufig müssen jedoch im Nachgang zum Beispiel wegen Grundstücksneuaufteilung oder Erwerb mehrerer Grundstücke schwer nachvollziehbare Veränderungen in der Nummernfolge der Häuser vorgenommen werden“, erklärt die Stadtverwaltung Delitzsch. Auf diese Weise fielen im Wohngebiet Sandmark bestimmte Hausnummern weg und es entstand eine Nummernlücke, die nun aufgrund der fortgeschrittenen Bebauung nicht mehr geschlossen werden kann. In Fällen von Grundstücksteilungen mit anschließender Bebauung erfolge die Vergabe von Hausnummern oft mit Zusatzbuchstaben wie Hausnummer 17, 17 a, 17 b. Hausnummern sind auch oft auf Unterhängen an Straßenschildern zu finden, wenn die Straße Abzweige gleichen Namens besitzt.

Nummernprobleme kennt man auch in Schönwölkau. In der Leipziger Straße in Badrina gab es die 12 für mehrere Grundstücke. Abhilfe schafft in solchen Fällen das Alphabet ... a, b, c, d, e können sich so fröhlich auch im Dorf tummeln. Den Vorschlag, die Straße zumindest in Richtung Wannewitz in Wilke-Straße umzubenennen, lehnten ansässige Betriebe ab. Die Gemeinde setzt auf Beteiligung. Der Ortschaftsrat des jeweiligen Dorfes schlägt den Namen vor, im Mitteilungsblatt wird dann um Stellungnahme gebeten. Allerdings: „Bei uns kommt es relativ selten vor, dass wir neue Straßenamen vergeben müssen“, so Bürgermeister Volker Tiefensee (CDU) – von Bauboom ist in der Kommune keine Rede.

Pragmatismus und Ortshistorie in Rackwitz

Neue Straße sind auch in der Gemeinde Rackwitz nicht geplant. Zwar wird im Biesener Bogen fleißig gebaut, aber eine regionale Planungsabsicht darüber hinaus bestehe derzeit nicht. Daher kann Bürgermeister Steffen Schwalbe (parteilos) nur darüber etwas sagen, was vor seiner Amtszeit bereits im Gemeinderat besprochen und beschlossen wurde: So wurden die Straßen des Rackwitzer Wohngebiets Neu-Schladitz ganz simpel nach der kreisrunden Form und den Himmelrichtungen in Ringe benannt. Ebenso pragmatisch wurde eine Straße im Rackwitzer Ortsteil Zschortau nicht „An der Pfarrgasse“ genannt, sondern die alte Straße einfach per Name „verlängert“. In Biesen wiederum machte sich der mittlerweile verstorbene Ortschronist und Regionalhistoriker Lothar Michler um neue Namen verdient: Sie stammen aus der Zeit, als Zschortau noch eigenständig war und erinnern an die Ortsgeschichte. Etwa an die einstige Biesener Mühle, den Komponisten Johann-Sebastian-Bach, der 1746 nach Zschortau reiste oder auch an die Kunstmaler Gerhard und Karl von Kügelgen. Sie besuchten 1812 das Rittergut Zschortau, das später Friedrich von Busse, ein hoher Militär, besaß. Auch er steht Patron für einen Straßennamen.

Von Thomas Steingen, Christine Jacob und Manuel Niemann

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