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Delitzsch-Nord soll weiter aufgewertet werden

Stadtwandel Delitzsch-Nord soll weiter aufgewertet werden

Die Mieten sind zu hoch, schimpfen die einen. Für sozial Schwache wird zu wenig getan, sagen die anderen. Vandalismus verursacht unnütze Kosten, halten die nächsten dagegen. Der Delitzscher Norden bleibt ein Stadtteil im Wandel, gerade 2016 rückt er in den Blickpunkt.

Bunt statt grau lautet die Devise bei der WGD, die weiterhin auf Fassadengestaltung setzt, um den Stadtteil in erster Linie optisch aufzuwerten. Etliche der besonders alt erscheinenden Blöcke sind in Händen von Vermietern, die ihren Sitz nicht in Delitzsch haben.

Quelle: Thomas Steingen

Delitzsch. Der Delitzscher Norden ist im Wandel begriffen. Der Abriss von Blöcken, Umgestaltungen von Freiflächen, Umzüge von sozial engagierten Vereinen oder massive Baumfällungen in der Friedrichshafener Straße, aber auch die Sanierung der Oberschule werden dieses Jahr das Quartier prägen. Zudem soll demnächst auch das Stadtumbaukonzept wieder behandelt und entwickelt werden, dabei sind Akteure wie die städtische Wohnungsgesellschaft und die Aufbau-Genossenschaft im Boot.

Es wird Einschnitte im Norden geben: Ein großer Schritt steht der Regionalen Initiative Delitzsch (RID) bevor. Der breit aufgestellte Verein zieht aus der Westschule in die Innenstadt, weil das Objekt – dort ist die RID der Hauptmieter - als Ausweichquartier für die Oberschule Nord gebraucht wird. Damit verlieren Delitzscher Westen und Norden soziales Engagement – nicht nur Bildungsprojekte für sozial Schwache, auch das Spielzeugland als „Sozialkaufhaus“ Kindern zuliebe und die Bücherwand als offene Bibliothek sind Projekte der RID. Das Hauptklientel dafür kam beziehungsweise kommt aus Nord und West.

An anderer Stelle gedeiht wiederum Engagement: Gemeinsam mit der Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau und dem Soziokulturellen Zentrum hat die Wohnungsgesellschaft der Stadt Delitzsch (WGD) Ende des vergangenen Jahres das „AmselNest“ im Amselweg etabliert. Gerade für ältere Alleinstehende soll es ein Begegnungsort sein, zur Nachbarschaftshilfe anregen, Jung und Alt verbinden. In Zukunft sollen neben Gesprächsrunden, Feierlichkeiten, Spieleabenden und Lesungen auch die Vermittlung von Hilfsangeboten im Alltag auf dem Programm stehen.

Momentan müsse man aber auch von einer zweiten Leerstandswelle ausgehen, betont WGD-Chef André Planer. Wie viele Wohnungen beziehungsweise Blöcke bis 2020 noch abgerissen werden müssten, sei eine Frage dieser weiteren Entwicklung und derzeit nicht zu beziffern. Dabei scheint Abriss momentan der einzig logische Entwicklungsschritt für Teile des Loberstädtischen Nordens. So gibt es zwar in anderen Städten auch den Trend zum teilweisen Rückbau, bei dem Geschosse weggenommen und die Blöcke neu gestaltet werden. Dies sei aber für Delitzsch derzeit nicht nur aus Kostengründen keine Option. Infrastrukturfragen wie die dann nötige Neuverlegung von Kabeln und Leitungen aber auch die Belastung für die Mieter lassen die WGD zu dem Schluss kommen, dass eine Gebäudewegnahme mehr Sinn macht. „Wir investieren daher lieber in den Neubau“, argumentiert André Planer und verweist auf neue Objekte wie das auf dem Gelände der einstigen Bettfedernfabrik. Die weitere Entwicklung in Delitzsch-Nord, im gesamten Quartier hat die WGD rund 1300 Wohnungen, sei zudem eine Frage von Fördermitteln. Diese regeln Rückbau, gegebenenfalls aber auch Umbauten.

Speziell aus Delitzsch-Nord kommen – gerne über das Internet und soziale Medien ausgetragen – aber auch Vorwürfe, die Preise für Wohnraum seien zu teuer. 4,69 Euro für den Quadratmeter in Nord, 4,02 Euro durchschnittlich für West seien unter dem Durchschnitt des Gesamtbestandes, der bei 4,80 Euro liegt, hält die WGD dagegen. Ähnliche Werte gibt es bei der Aufbau und auch bei anderen Vermietern im Areal. 4,95 Euro durchschnittlich zahle man in den neuen Ländern, 5,27 Euro im bundesdeutschen Schnitt. Hintergrund der Preise, erinnert Planer, seien auch Restschulden der Großvermieter aus dem DDR-Erbe – bei der WGD sind es neun Millionen. „Auch solche Themen belasten den Markt.“

Auch Vorwürfen aus dem Quartier zum Spielplatzrückbau an Puschkin- und Friedrichshafener Straße und einem „Abhängen“ des Stadtteils weist man bei den Delitzscher Großvermietern zurück. Von insgesamt sechs Spielplätzen sei dieser eine nun weggekommen, weil Vandalismus leider immer wieder Thema war und sich das nicht mehr finanzieren lasse, heißt es bei der WGD.

Das Wohngebiet insgesamt wollen alle Akteure gemeinsam aufwerten, heißt es aus der Verwaltung. WGD und Aufbau tun beispielsweise mit Fassadengestaltungen ihren Teil – je nach Bauweise der alten Blöcke ließe sich dies realisieren. Etliche der Häuser in schlechtem beziehungsweise schlechterem Zustand sind in Händen von Vermietern, die ihren Sitz nicht in Delitzsch haben. Auch für Ideen zur Aufwertung der Freiflächen sei man offen.

Von Christine Jacob

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