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Delitzsch: Zoff um Brandgefahren am Biokraftwerk

Insolvenz Delitzsch: Zoff um Brandgefahren am Biokraftwerk

Das Biomassekraftwerk in der Delitzscher Fabrikstraße sorgt immer wieder für neue Schlagzeilen. Nachdem vor allem die marode Filteranlage und der monströse Ascheberg auf dem Kraftwerksgelände in den Fokus rückten, bereiten nun mögliche Brandgefahren Kopfzerbrechen. Zur Zuständigkeit in dieser Sache gibt es allerdings unterschiedliche Auffassungen.

Im Biomassekraftwerk an der Delitzscher Fabrikstraße ruht seit Mai der Betrieb.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Knock on wood heißt die insolvente Betreibergesellschaft des Biomassekraftwerkes in der Delitzscher Fabrikstraße. Zu deutsch: auf Holz klopfen. Der vorsorgliche Aberglaube dürfte in diesen Tagen Programm sein – bei allen, die den verwaisten Betrieb als Gefahr empfinden. Das Brandrisiko rückt in den Vordergrund, seit sich auf dem Kraftwerksgelände kein Rad mehr dreht, Mitarbeiter gekündigt wurden. Vor Ort lagern mehrere Tonnen brennbares Material – Selbstentzündung, aber auch Brandstiftung sind die Schreckgespenster. Wobei sich Stadtverwaltung und Landratsamt nicht einig sind, wer die Geister bannen soll.

Es ist ein riesiger, entsorgungspflichtiger Berg an Sperrholz und anderen Abfallstoffen, der Kopfzerbrechen bereitet. Und die große Menge an Holzschnitzeln im Lager. Material, das in der Anlage verstromt werden sollte, als diese noch lief. Doch seit Mai ist Ruhe. Erst mussten die Mitarbeiter gehen, Ende Juli startete das vorläufige Insolvenzverfahren. Der Leipziger Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus kümmert sich seitdem um die Sicherung des Vermögens. Die Knock-on-wood-Geschäftsführung hat trotzdem noch die Schlüssel – und ist rein rechtlich weiterhin für den Brandschutz vor Ort zuständig, erklärt Anwalt Christian Krönert, verfahrensleitender Sachbearbeiter. Faktisch jedoch verfügt die Gesellschaft über keine liquiden Mittel mehr, ist also handlungsunfähig.

Stadt Delitzsch sieht keine Eingriffsmöglichkeit

In der Stadtverwaltung wachsen deshalb Zweifel, dass die Brandschutzvorkehrungen, wie sie in der Betriebsgenehmigung verankert sind, überhaupt noch bestehen. Zwar hat die Feuerwehr zwischenzeitlich einen Schlüssel bekommen, damit sie im Ernstfall überhaupt aufs Gelände gelangt. „Aber es stellt sich die Frage, inwieweit zum Beispiel die Löschwasserversorgung mit allen Komponenten gesichert ist“, sagt Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos). Die Stadt Delitzsch könne nicht tätig werden: „Wenn uns das Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde erklärt, dass keine Gefahr im Verzug ist, fehlt uns die Rechtsgrundlage, um als Ortspolizeibehörde einzugreifen“, sagt Schöne und macht kein Hehl daraus, dass die Stadtverwaltung mit der Lage höchst unzufrieden ist. Man habe sich schriftlich mit der nächsthöheren Dienstaufsichtsbehörde, der Landesdirektion, in Verbindung gesetzt. Die Antwort stehe noch aus.

Das Landratsamt sieht auf LVZ-Anfrage die Stadt in der Pflicht. Die örtliche Brandschutzdienststelle, also Delitzsch, sei angehalten, auf dem Kraftwerksgelände zu kontrollieren – und Abweichungen vom Brandschutzkonzept mit Auflagen zu ahnden. „Feststellungen von etwaigen Mängeln im Brandschutz sind in auch in den Protokollen der Immissionsschutz-Behörde vermerkt und an die Stadt übergeben worden, um hier turnusmäßig zu prüfen und zu kontrollieren, ob diese abgestellt wurden“, erklärt das Landratsamt. „Dem Landkreis selbst obliegen im Fachbereich Brandschutz keine eigenen originären Aufgaben.“

Insolvenz-Gutachten ist fertig

Wobei Kreisverwaltung keineswegs untätig sei, versichert Anwalt Christian Krönert. Und bricht eine Lanze fürs Landratsamt: Die Behörde kümmere sich aktuell sehr aktiv darum, das Holzlager vor Ort zu verkleinern. „Die Lieferanten der Holzabfälle werden recherchiert“, so Krönert. Angesichts der Insolvenz des Entsorgers könnten diese verpflichtet werden, ihre Lieferungen wieder abzuholen. Und auch Krönert hat Hausaufgaben erledigt. Zusammen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Voigt-Salus hat er ein Gutachten erarbeitet, das Vermögenswerte und Eigentumsfragen beleuchtet. Wichtigste Einschätzung: „Die Zahlungsunfähigkeit der Knock on wood ist vorhanden. Zugleich besteht genug Masse, um die Kosten des Verfahrens zu decken.“

Das Gutachten wird nun bei Gericht eingereicht, wo nächste Woche das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet werden soll. Der Auftakt für Verkaufsverhandlungen. Im Bestfall kommt ein Investor, der Gelände samt Immobilien und Altlasten übernimmt und nachhaltig aufräumt. Verkäufer ist übrigens Philipp Hackländer, der Insolvenzverwalter, der die Pleite des Vorgängerbetreibers GOAZ abgewickelt und den Investor Knock on wood aufgetan hat. Weil der Kaufpreis nicht in voller Höhe geflossen sein soll, sitzt Hackländer weiter am Hebel.

Von Kay Würker

Delitzsch Fabrikstraße 51.517253259414 12.32701519364
Delitzsch Fabrikstraße
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