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Delitzsch Delitzsch bekommt Lärmaktionsplan ohne Aktion
Region Delitzsch Delitzsch bekommt Lärmaktionsplan ohne Aktion
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00:37 16.04.2018
Brodau ist nach Aktenlage das lauteste Pflaster in Delitzsch. Quelle: Alexander Bley
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Delitzsch/Brodau

Es ist eine Anordnung von ganz, ganz oben: Die Umgebungslärm-Richtlinie der EU und das Bundesimmissionsschutzgesetz aus Berlin nehmen seit gut einem Jahrzehnt große Straßen, Flughäfen und Eisenbahnlinien unter die Lupe. Hauptverkehrsstraßen mit mindestens drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr – das macht etwa 8200 täglich – sowie Bahnstrecken mit mehr als 30 000 Zügen müssen untersucht und kartiert werden. Daraus wiederum sollen Maßnahmen abgeleitet werden. Eigentlich. Für Delitzsch heißt das nun: Kartierung ja. Maßnahmen? Naja ...

Richtwert sind drei Millionen Fahrzeuge

Mehr als drei Millionen Kraftfahrzeuge jährlich? Die rollen in Delitzsch nur über den Asphalt der B 184 bei Brodau. Die Ergebnisse liegen nach Messungen 2012 nun auch für das Jahr 2017 neu vor, nun sollen – theoretisch – Maßnahmenpläne erstellt werden. Eine Pflicht zur praktischen Umsetzung besteht allerdings nur bedingt. Denn zwar ist im Ortsteil Brodau theoretisch ein Dutzend Haushalte betroffen, doch die Betroffenheit sieht in punkto zulässiger Grenzwerte anders aus. Die Dezibel-Grenzwerte für den Tagespegel an Lärm liegen bei 65 dB(A), der Nachtpegel bei 55 dB(A) – also irgendwo zwischen einem laufenden Staubsauger und einem Gespräch in Zimmerlautstärke. Diese Grenzwerte werden in dem Ortsteil nicht überschritten. So kann Delitzsch nun per Gesetz dazu übergehen, bis zum Sommer einen Lärmaktionsplan ohne Aktion, also ohne irgendwelche Maßnahmen zu beschließen. Im Grunde sollte Lärmaktionsplan laut der EU- und Bundesgesetze bedeuten, Maßnahmen zur langfristigen Verminderung der Geräuschbelastung zu treffen. Das reicht von Schutzwänden und lärmmindernden Straßenbelägen über Tempolimits bis hin zu Schallschutzfenstern. Nichts davon wird es in Brodau geben. Und selbst wenn der Lärm über den Grenzwerten liegen würde, hätten Betroffene keinen Rechtsanspruch auf Maßnahmen. Verbindlich sind Maßnahmen nur bei Neubauten oder wesentlichen Änderungen von Straßen.

Bürger sehen es gelassen

In Brodau kann man scheinbar damit leben. So heißt es in der Bio-Bäckerei, die nahe an der Bundesstraße liegt, dass die Geräusche tatsächlich erträglich seien und man sie fast gar nicht wahrnehme, berichtet die Verkäuferin, die hier Tag für Tag im Laden steht. Auch eine Anwohnerin sagt, es sei in Ordnung und das eigene Schlafzimmer ja zur ruhigen Hofseite ausgerichtet. Tatsächlich ist die Bundesstraße zwar als Rauschen deutlich wahrnehmbar, wirkt aber nicht penetrant. Immerhin: Die B 184 tangiert zwar den Ort, aber es ist noch Grün dazwischen und die Straße zieht sich nicht etwa wie in Hohenossig oder Wellaune die B 2 direkt durch.

Prognose unklar

Abschließend ist die Kartierung nicht. Bei Straßen mit drei Millionen Fahrzeugbewegungen jährlich ist alle fünf Jahre eine Lärmkartierung durchzuführen. Ob Brodau dann auch per Beschluss richtig betroffen sein wird, ist von Faktoren wie der weiteren Zunahme des Verkehrs abhängig. Dann schließt die Stadtverwaltung Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung nicht aus – getragen im Idealfall vom Straßenbaulastträger, also dem Bund.

Sehr viel mehr Sorge bereitet der Stadtverwaltung nach wie vor die Zunahme des Güterzugverkehrs und damit die Zunahme an Lärm. Die Stadt hat sich auch da an Lärmaktionsplanungen beteiligt und eine Stellungnahme abgegeben – in der Hoffnung, dass dort nicht von so einem zahnlosen Papiertiger wie bei der Bundesstraße die Rede sein wird.

Von Christine Jacob

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