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Delitzsch - ein weißer Fleck im Leipziger Neuseenland

Delitzsch - ein weißer Fleck im Leipziger Neuseenland

So schnell kann das gehen: Von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkt ist die Stadt Delitzsch von der Landkarte des Leipziger Neuseenlandes verschwunden. Zurück bleibt ein weißer Fleck, sogar ein recht großer - schließlich ist die Loberstadt, mal abgesehen von Leipzig, die einwohnerreichste Kommune im Gewässerverbund.

Delitzsch. Delitzsch und der Tourismusverein gehen seit Jahresbeginn weitgehend getrennte Wege. Und so richtig klar ist noch nicht, wie dieser Schnitt kompensiert werden soll.

Mit einer vertraglich besiegelten Zusammenarbeit mit den Neuseenland-Touristikern tat sich Delitzsch schon immer schwer. Während andere längst Mitglied waren, wurde in der Großen Kreisstadt noch gezögert. 2012 einigte man sich zunächst auf eine Kooperationsvereinbarung - die abgespeckte Variante einer Mitgliedschaft. Normalerweise währt solch ein Schnupperangebot ein Jahr, Delitzsch verlängerte auf zwei. Und zahlte dafür jährlich rund 11 000 Euro - weniger als die Hälfte dessen, was ein echter Beitritt zum Tourismusverein gekostet hätte.

Doch damit ist nun Schluss. Der Kooperationsvertrag ist ausgelaufen. Die Mitgliedschaft, die sich zu Jahresbeginn eigentlich nahtlos anschließen sollte, blieb aus. Die Ursache liegt offenbar vor allem im Finanziellen. Im Dezember flatterte eine öffentliche Beschlussvorlage der Stadtverwaltung in den Stadtrat, die schon im Rechnungsprüfungsausschuss des Gremiums hängen blieb. Die Kommunalpolitiker, die sich mit dem zu beschließenden Doppelhaushalt 2015/16 beschäftigten, monierten damals ein Transparenz-Defizit, wollten zunächst mehr Klarheit über die konkrete Finanzsituation im Rathaus (wir berichteten). Hinterfragt wurde zudem, ob die etwa 25 000 Euro Jahresbeitrag für den Tourismusverein tatsächlich lohnen. Die Mitgliedschaft - ein für Delitzsch freiwilliges Unterfangen - wurde bis auf Weiteres vertagt.

Das bedeutet: Vor 2017 wird sich in dieser Hinsicht nach aktuellem Stand nichts bewegen. "Der Doppelhaushalt ist festgeschrieben. In der Diskussion um den Folge-Etat wird das Thema sicher wieder eine Rolle spielen", sagt Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Und ist nicht zufrieden damit. "Die zweijährige Probephase ist gut gelaufen. Ich halte die Mitgliedschaft für dringend notwendig. Allerdings bedarf es dazu einer politischen Meinungsfindung und Mehrheitsbildung."

Auch beim Tourismusverein ist man nicht glücklich über den Bruch. "Delitzsch hat viele tolle Angebote, und es ist schade, dass die Stadt in unserem Marketing nun nicht mehr auftaucht", bedauert Projektmanagerin Daniela Kuhnert vom Verein. Zumal das Neuseenland 2013 mit dem Burgen- und Heideland zusammengerückt ist und die Werbeaktivitäten unterm Dach der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) gebündelt wurden. Damit einher gingen regionale bis internationale Messeauftritte, ein umfangreiches Print- und Internetmarketing sowie diverse Offerten bis hin zum vernetzten Info-Terminal im Barockschloss.

Ob das Terminal nun wieder abgebaut wird, ist noch unklar. Fest steht, dass Delitzsch in allen ab diesem Jahr neu aufgelegten Seenland-Broschüren, -Flyern und -Prospekten nicht mehr vorkommen wird, auch nicht in dem für Juli avisierten neuen LTM-Internetauftritt. Die Ausnahme bilden sogenannte Leistungsträger, die auf eigene Rechnung mit dem Tourismusverein zusammenarbeiten: Gastronomen, Hoteliers, Freizeiteinrichtungen.

Immerhin: Die Stadtverwaltung Delitzsch startet eine Art Kompensationsprogramm. Die städtische Tourismusförderin Ricarda Steinbach hat seit diesem Jahr 10 000 Euro mehr im Budget, mit denen "deutschlandweite Marketingmaßnahmen durchgeführt" werden sollen, wie sie auf LVZ-Nachfrage erklärt. "Delitzsch präsentiert sich auf überregionalen Festen im mitteldeutschen Raum. Mit Kampagnenpartnern und in touristischen Netzwerken werden wir unsere Produkte vermarkten." Details stecken noch in der Planung. "Auf alle Fälle wollen wir den Trend steigender Besucherzahlen in Delitzsch nicht abbrechen lassen." © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.03.2015
Von Kay Würker

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