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Delitzsch listet Abriss-Kandidaten auf- zwei Drittel sind privat

Delitzsch listet Abriss-Kandidaten auf- zwei Drittel sind privat

Siedlungsstrukturen verdichten statt in die Breite wachsen. Dieser Maxime folgt die Stadtverwaltung Delitzsch seit Jahren. In diesem Sinne sollen Ruinen verschwinden, um neues Bauland oder wenigstens Grünflächen zu gewinnen.

Delitzsch. Erstmals legt das Rathaus nun eine Übersicht aller Brachflächen und -objekte vor, die mittel- bis langfristig beräumt werden könnten. Insek - integriertes Stadtentwicklungskonzept - heißt das Papier. Noch druckfrisch, sorgte es diese Woche für erste kritische Diskussionen. Denn zu etwa zwei Dritteln sind private Immobilien einbezogen, offenbar ohne dass zuvor Gespräche mit den Eigentümern stattfanden.

Konkret handelt es sich bei dem Insek um eine Fortschreibung des inzwischen sechs Jahre alten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes Seko. 30 sogenannte brach gefallene Orte werden aufgelistet, unterteilt in Wohngebäude und Gartenhäuser, Industrie- und Gewerbeflächen, Garagen, Stallanlagen, Handelseinrichtungen sowie Bauten für Bildung, Erziehung und Freizeit. Ein Großteil befindet sich an der Peripherie der Kernstadt beziehungsweise in den Ortsteilen.

Der Stadtverwaltung geht es um Fördermittel. Der Freistaat unterstützt Abbrucharbeiten sowie die Beräumung von Brachflächen mit bis zu 90-prozentigen Zuschüssen, wobei auch EU-Gelder enthalten sind. Das ist an sich nicht neu - eine ganze Reihe von Ruinen, wie die Ex-Limonadenfabrik und die Baracken in der Döbernitzer Straße, sind in jüngerer Vergangenheit im Zuge der Brachflächen-Revitalisierung von der Bildfläche verschwunden. "Neu ist allerdings die Förderbedingung, dass die aus kommunaler Sicht zu revitalisierenden Flächen in einem Insek zu bündeln sind", erklärt Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos). Die entsprechende Richtlinie wurde am 30. April veröffentlicht. Im Mai erarbeitete das städtische Bauamt das 65-Seiten-Dokument, diese Woche lag es dem Stadtrat zur Beschlussfassung vor.

"Sind die aufgeführten Privateigentümer nach ihrem Einverständnis gefragt worden?", erkundigte sich Uwe Bernhardt (Freie Wähler). "Wissen die Privatleute von dieser Beschlussvorlage?", hakte auch Steffen Penndorf (SPD) nach. Bauamtsleiter Karl-Heinz Koch verneinte, fügte aber rasch Erklärungen an: "Es passiert nichts, was Privateigentümer nicht wollen." Es handele sich lediglich um ein Angebot, Fördermittel abzurufen. "Das Konzept ist auf der Grundlage von Luftbildern entstanden sowie anhand uns vorliegender Erkenntnisse, welche Flächen und Objekte seit längerer Zeit nicht mehr in Nutzung sind", so Koch. Das Insek gebe Orientierung, wo für Zuschüsse Potenzial besteht - jede einzelne Maßnahme müsse jedoch in Zusammenarbeit mit dem Eigentümer separat beantragt werden. "Auf Wunsch streichen wir auch Flächen aus dem Konzept."

Die erste Streichung ist bereits erfolgt, auf Antrag der Freien Wähler, der im Stadtrat Mehrheit fand: Das Elberitzbad flog raus. Die Stadtverwaltung hatte es ins Konzept gepackt, um bei Umgestaltung oder Neubau einen Teil- oder Vollabbruch zu ermöglichen. Ratsmitglieder befürchten allerdings, dass mit dem Insek bereits Fakten geschaffen werden. Die SPD-Fraktion hätte den Beschluss gern vertagt, um das Konzept tiefer zu prüfen. Doch nun ist es mehrheitlich beschlossen - mit Gegenstimmen von SPD und Linke.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.07.2015
Kay Würker

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