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Delitzsch Delitzsch protestiert gegen Verbote am Werbeliner See
Region Delitzsch Delitzsch protestiert gegen Verbote am Werbeliner See
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06:00 25.06.2016
Warnschilder sind noch vielerorts am Werbeliner See zu finden. Die Nutzung des Gewässers ist streng reglementiert. Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

Können Mensch und Vogel am Werbeliner See nebeneinander existieren? Nach jahrelangem kompromisslosem Disput um diese Frage hat sich der Ton verschärft. Die Stadt Delitzsch, die der Unteren Naturschutzbehörde Blockadehaltung vorwirft, brachte am Donnerstagabend eine Protestnote auf den Weg. In der „Delitzscher Erklärung“ wird gefordert, das Gewässer für naturnahe Erholung freizugeben. Vor allem fürs Baden. Die Willensbekundung soll an alle wesentlichen politischen und staatlichen Gremien versandt werden.

„Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem die Glaubwürdigkeit politischer Entscheidungen in Frage steht“, sagte Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) vor den Stadtratsmitgliedern. Jahrelang sei die touristische Entwicklung am Werbeliner See eine feste planerische Größe gewesen, nun werde sie einfach ausradiert. „All unsere Bemühungen werden von einzelnen Behördenmitarbeitern ad absurdum geführt.“ Um diesen Vorwurf zu untermauern, skizziert die „Delitzscher Erklärung“ die Entwicklung seit 1990 aus Sicht der Stadtverwaltung. Die örtliche Bevölkerung, die unter dem Tagebau zu leiden hatte, habe von Anfang an auf den neuen See als Ort der Erholung gesetzt. Im Braunkohlensanierungsrahmen von 1999 sei die Erschließung zu Erholungszwecken manifestiert worden. „Bund und Land investierten Mittel in Millionenhöhe, um Vorbereitungen für die Nutzung zu treffen“, heißt es in dem Schreiben. 2006 dann die Anmeldung des Sees als Europäisches Vogelschutzgebiet. Doch auch danach trieben Bund- und Länder-Institutionen die Entwicklung voran. 2007 habe der Bergbausanierer LMBV eine Machbarkeitsstudie beauftragt, „die feststellte, dass eine verträgliche touristische Nutzung am Werbeliner See sowie eine reglementierte Gewässernutzung möglich sind. Ähnliche Aussagen finden sich in den vom Regionalen Planungsverband herausgegebenen Seenkatalogen bis 2010“, so die Erklärung.

Investoren kommen und gehen

2010 kaufte Delitzsch von der LMBV 127 Hektar am Nordufer, will einen Besuchermagneten schaffen, verbunden mit einem Badestrand. Bislang ohne Erfolg. Zwei Investoren sind weg, ein dritter will das Areal für ein Pferdesportzentrum erwerben, hat den Vertrag aber noch nicht unterschrieben. Die Ankündigung der Naturschutzbehörde, das Vogelschutzgebiet in ein noch weiträumigeres Naturschutzgebiet umzuwandeln, könnte sich als neuer Hemmschuh erweisen. Klare Forderung deshalb in der Erklärung: Der See müsse ab 2016 nutzbar werden, im Interesse der Bevölkerung und der lokalen Wirtschaft. Unter Beachtung des Naturschutzes freilich, aber ohne die „beabsichtigten Verbote, die das Gebiet dem naturnahen Gemeingebrauch weitgehend entziehen sollen“.

Der Stadtrat beschloss die Willensbekundung ohne Gegenstimmen, mit fünf Enthaltungen. Bedenken kamen aus der SPD-Fraktion, die sich für eine Vertagung und die Aufstellung eines konkreten Bebauungsplanes stark machte. Uwe Bernhardt (Freie Wähler) warf den Sozialdemokraten vor, sie würden Umweltdezernent Ulrich Fiedler womöglich nur wegen seines SPD-Parteibuchs schützen.

Zustimmung kam noch am selben Abend aus der See-Anrainerkommune Rackwitz. Der Gemeinderat beschloss mehrheitlich die Unterstützung der „Delitzscher Erklärung“. Das werde auch dem Landrat so mitgeteilt.

Von Kay Würker

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