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Delitzsch reißt ab: Schulräume verschwinden, Großparkplatz wird gesperrt

Innenstadt Delitzsch reißt ab: Schulräume verschwinden, Großparkplatz wird gesperrt

Die Stadtverwaltung Delitzsch lässt in der Innenstadt Ruinen an namhaften Adressen abreißen. Seit dieser Woche zerkleinern Arbeiter die ausgedienten Fachkabinette am Gymnasium – zunächst im Handabbruch, dann per Bagger. Das hat auch Auswirkungen auf die Autofahrer.

Das Nebengebäude mit den Fachkabinetten nahe der Karlstraße verschwindet.

Quelle: Kay Würker

Delitzsch. Die Delitzscher Innenstadt verändert an exponierter Stelle ihr Gesicht. Das letzte akut baufällige Haus am Markt, an der Ecke Milchgasse gelegen, steht kurz vor dem Abriss. Der Fördermittelbescheid für das Vorhaben ist soeben eingetroffen, teilt die Stadtverwaltung mit. An der Karlstraße werden die Abbruchpläne bereits Realität: Die Ex-Fachkabinette des Gymnasiums verschwinden, stattdessen wird ein Fahrradabstellplatz mit jenen Leipziger Bügeln geschaffen, die bisher vor der Schule nahe der Fußgängerampel standen. In beiden Fällen gab es Geld aus dem Förderprogramm Brachflächenrevitalisierung.

Das Fachkabinett ist noch weitgehend eingerichtet

Das Fachkabinett ist noch weitgehend eingerichtet. Doch dort lernt schon lange niemand mehr.

Quelle: Kay Würker

Das zweigeschossige Schulgebäude stammt aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. 64 000 Euro sind für den Abbruch eingeplant, der aktuell noch in Handarbeit ausgeführt wird, um ein Nachbarobjekt zu schützen. Doch ab Montag knirscht es an der Karlstraße im doppelten Sinne: Sobald sich der Bagger durch die alten Schulräume beißt, müssen Autofahrer die Zähne zusammenbeißen. Der Großparkplatz vor Ort ist dann voll gesperrt. Erst nach und nach, im Laufe der nächsten Wochen, sollen die Stellflächen wieder freigegeben werden – „so wie es die Arbeiten zulassen“, erklärt Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos).

Autofahrer können sich auf diese Weise schon mal auf künftige Zeiten vorbereiten. In etwa eineinhalb bis zwei Jahren soll der Schotterparkplatz Karlstraße dauerhaft aus dem Stadtbild gestrichen werden. Er ist zur Bebauung vorgesehen – als Lückenschluss angesichts einer steigenden Wohnraumnachfrage im Delitzscher Zentrum. Damit fallen Stellflächen für etwa 50 Fahrzeuge weg. Die Stadtverwaltung will nach eigenem Bekunden Alternativen ausweisen, zum Beispiel in der August-Fritzsche-Straße.

Schotterrasen statt Ruine

Welche langfristige Zukunft das Eckgrundstück an der Milchgasse hat, steht aktuell noch nicht fest. Auf der Fläche soll nach dem Abriss zunächst ein Schotterrasen angelegt werden. Es werde an einem Konzept für die Nachnutzung im Rahmen der Stadtentwicklung gearbeitet, heißt es aus dem Rathaus. Eindrucksvolle Beispiele, wie anstelle von Ruinen neue Wohnhäuser entstehen können, gibt es in der Altstadt reichlich. Jüngere Kandidaten dieser Art sind die Breite Straße 5, das Ehrenberghaus in der Halleschen Straße und die Mehrgeschosser in der Badergasse, die auf dem Areal der alten Zigarrenfabrik errichtet wurden.

Das Haus an der Milchgasse steht bereits seit etwa einem Vierteljahrhundert leer. Es gilt als nicht mehr standsicher. Weil Gebäudeteile herabzufallen drohten, mussten Netze gespannt werden. Um dem Schandfleck ein Ende zu machen, hat die Stadt das Objekt im Vorjahr erworben. Der Abbruch – voraussichtlich ab Herbst – kostet rund 265 000 Euro. 90 Prozent der Summe kommen aus dem Fördertopf.

Von Kay Würker

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