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Delitzsch Delitzsch soll ein Jugendparlament bekommen
Region Delitzsch Delitzsch soll ein Jugendparlament bekommen
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07:00 06.03.2018
Das sind sechs von 20 Interessierten: Eric Brama, Jannes Uhlemann, Lea-Marie Pollok, Katharina Müller, Vanessa Meißner und Fabian Banse (von vorne links) stehen für jene, die ein Jugendparlament in Delitzsch etablieren wollen. Quelle: Christine Jacob
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Delitzsch

Angeblich interessieren sie sich höchstens noch für die Influencer auf Instagram. Dabei wollen sie selbst etwas beeinflussen. Das Pauschalurteil, Jugend interessiere sich nicht für Politik wird in Delitzsch gerade eindrucksvoll ad absurdum geführt. Es soll ein Jugendparlament gegründet werden.

Große Zahl an Interessenten

Dahinter steckt eine Gruppe von zirka 20 Interessierten vom Neuntklässler bis zum Abiturienten. Sie ziehen an einem Strang, wollen mehr Mitsprache für ihre Generation. Und sie wissen sehr genau, wie das geht. Anträge bei der Stadtverwaltung sind gestellt, Beschlussvorlagen eingereicht und eine Wahlordnung erstellt. „Unser Ziel ist es, die Interessen der Jugendlichen in unserer Heimatstadt noch besser zur Geltung zu bringen“, erklärt Eric Brama, einer der Sprecher der Initiative. Mitgestaltung und Mitwirkung wollen die Teenager für ihre Generation erreichen, parteipolitisch neutral, selbstständig arbeitend und unabhängig von Vereinen, Verbänden und Schulen. Dazu fordern sie auch ein Budget von 1000 Euro für das schon laufende Jahr ein, mit dem die Arbeit unterstützt wird.

Unterstützung aus dem Stadtrat

Das Delitzscher Rathaus ist das Ziel der Jugendlichen. Hier tagen Stadtrat und Ausschüsse, vielleicht auch bald mit ihnen. Quelle: Thomas Steingen

Die Chancen dafür stehen gut. Ob nun Freie Wähler, CDU, SPD oder Linke – die Stadtratsfraktionen stehen hinter der Idee, begrüßen den Vorstoß durch die Bank weg und fordern von der Verwaltung Unterstützung für die Schüler ein, etwa mit Beratung durch das Rechtsamt, ob die Satzung und andere Papiere so in Ordnung gehen. Und die Jugendlichen haben jetzt erstmal jede Menge Termine, sind in die einzelnen Fraktionen eingeladen, um sich und ihre Idee vorzustellen und den ein oder anderen Tipp zu bekommen, wie Politik funktioniert. Und auch Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) begrüßt den Vorstoß, will helfen und beraten. „Selten ist so aktiv über Politik diskutiert worden wie jetzt“, urteilt er über die heutige Zeit und wertet das als positives Zeichen.

Jugendliche wollen in Ausschuss

Das politische Interesse der angehenden Jugendparlamentarier ist frei von jeder Idee des Klüngelns und allein auf die Sache konzentriert. „Man kann nicht immer nur meckern, sondern muss auch mitwirken“, sagt Lea-Marie Pollok. Es gehe bei Politik um die Zukunft von Delitzsch und es sei „töricht“, wenn man die Chance zur Mitgestaltung als Jugendlicher nicht nutze. Das Jugendparlament soll zudem als Plattform verstanden werden, Kinder und Jugendliche an die Kommunalpolitik heranzuführen. Ganz praktisch immerhin will sich das angedachte Jugendparlament auch in die Arbeit des Stadtrates einbringen. „Die Anbindung an den Stadtrat sollte aus unserer Sicht durch die Zusammenarbeit mit dem Ausschuss für Schule, Kultur und Soziales erfolgen“, so Eric Brama im Namen seiner Mitstreiter. Mit seinem Sitz in einem der vier Delitzscher Stadtrats-Ausschüsse will das Parlament die Interessen der jungen Generation wahren.

Jugendpolitik nicht selten

Jugendparlamente sind inzwischen keine Einzelerscheinung mehr. Die Idee junger Stadträte in Delitzsch ein solches zu etablieren, scheiterte allerdings vor ein paar Jahren, weil die breitere Basis noch fehlte. In Bad Düben und Eilenburg sind solche jungen Räte zwar gegründet worden, verliefen dann aber im Sande oder sahen sich nach einiger Zeit mit Mitglieder- und Interessenmangel konfrontiert. In Taucha und Oschatz arbeiten derzeit engagierte Jugendparlamente, in Taucha wird sogar schon Zehnjähriges gefeiert. Auch der Leipziger Stadtrat hat ein Jugendparlament, das sich zum Beispiel für Themen wie Pfandringe an Mülleimern zugunsten von bedürftigen Flaschensammlern einsetzt – mit diesem Antrag allerdings scheiterte.

Von Christine Jacob

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