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Delitzsch Delitzsch und Umgebung: Umweltamt warnt zur Vorsicht bei Radon
Region Delitzsch Delitzsch und Umgebung: Umweltamt warnt zur Vorsicht bei Radon
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00:19 15.07.2017
Messungen wie diese hier in Bad Schlema fanden auch schon in und um Delitzsch statt – Ergebnis: mittlere Konzentration. Quelle: dpa-Zentralbild
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DELITZSCH/WÖLKAU

Nehmen Behörden Stellung zu Bebauungsplänen, so fallen diese Hinweise meist recht unauffällig aus – irgendwas ist zwar immer in Sachen Flora und Fauna zu bedenken, aber meist gibt es keine großen Aufreger. Anders sieht das in letzter Zeit beim Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und seinen Stellungnahmen aus. Was das Amt immer wieder zu B-Plänen anmerkt, kann einen in Aufregung versetzen: Bauherren sollen auf natürliche Radioaktivität in Form von Radon achten. Wie ernst muss man diese Hinweise nehmen?

Krebsrisiko in Boden- und Raumluft

Ernst genug, denn in Deutschland macht die Inhalation von Radon zirka 30 Prozent der gesamten Belastung der Bevölkerung durch ionisierende Strahlung aus und Radon gilt als einer der größten Krebsauslöser neben Rauchen. Während man das mit den Zigaretten sein lassen kann, kommt Radon auch so mit der Luft in den Körper. Die Tücke an dem Stoff ist, dass er als ein natürliches Zerfallsprodukt des Urans in praktisch allen Böden und Gesteinen vorkommt, allerdings in unterschiedlichen Formen und Konzentrationen. Vom Boden aus geht der Stoff in die Gebäude beziehungsweise deren Raumluft über. „In der Stadt Delitzsch gibt es zwei Messwerte zur sogenannten Bodenradon-Aktivitäts-Konzentration in der Bodenluft. In den angrenzenden Gemeinden gibt es weitere vier Messwerte. Sie variieren geologisch bedingt zwischen etwa 10 Kilobecquerel pro Kubikmeter (kBq/m³) und zirka 110 kBq/m³“, teilt eine Sprecherin des LfULG auf Anfrage mit. Damit gehöre die Region zu den Gebieten mit niedriger bis mittlerer Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft.

Radon kommt natürlich vor

Im geologischen Untergrund wird ständig das natürliche radioaktive Edelgas Radon gebildet, das teilweise in die luftgefüllten Porenräume der Gesteine und Böden freigesetzt wird, informiert das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Aus dem Baugrund gelange Radon ins Freie und auch in Gebäude. Auch in Baustoffen kann Radon vorkommen. Da Radon in allen Gebäuden vorkommt, stellt es ein wichtiges Gesundheitsproblem dar. Eine langjährige Radonbelastung, auch in niedrigeren Konzentrationen wie sie in Wohnungen vorkommen, kann laut BfS Ursache für das Auftreten von Lungenkrebs sein – bei Rauchern steigt das Risiko entsprechend. Radon in Wohnungen gilt nach Rauchen als zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs. Die gute Nachricht: „Auch die spezielle Raumnutzung und die Lebensgewohnheiten der Bewohner, vor allem deren Lüftungsverhalten, beeinflussen die Radonkonzentrationen“, so das BfS.

Zu Schutzmaßnahmen, Grenzwerten und anderen Fragen können sich Interessierte bei der sächsischen Radonberatungsstelle informieren: www.smul.sachsen.de/bful/15123.htm

Das LfULG verweist auf die Ergebnisse groß angelegter Studien. Mit der sogenannten „Darby-Studie“ wurde zum Beispiel eine Forschungsreihe von mehr als zwei Jahrzehnten beendet, die sich mit gesundheitlichen Auswirkungen erhöhter Radonkonzentrationen in Aufenthaltsräumen befasste. Demnach steigt das Lungenkrebsrisiko „linear mit der Radonexposition“ an. Als Referenzwert für den Schutz wurde konkret eine Radon-Aktivitätskonzentration von dann 300 Bequerel pro Kubikmeter in der Raumluft festgelegt. Es gibt Schutzmaßnahmen bei Neubauten, bestehende Gebäude sollten laut LfULG zur Radonbelastung untersucht werden. Im Juli 2015 wurden alle Träger von öffentlichen Schulen angeschrieben und auf ein freiwilliges Radon-Messprogramm aufmerksam gemacht, nur wenige meldeten sich zurück. In Delitzsch gab es nach Entscheidung der Verwaltung keinen Test, da zu DDR-Zeiten sehr engmaschig im Süden des Landes Radon-Messungen durchgeführt wurden. Diese waren damals für Delitzsch negativ, es wurden keine erhöhten Werte gemessen. Auch in Schönwölkau verzichtete man auf den Test der Gellert-Grundschule. Aufgrund neuer Gesetzgebung soll das Thema ab 2018 jedoch eine größere Rolle spielen – dann soll eine EU-Richtlinie zu besserem Strahlenschutz umgesetzt werden.

Von Christine Jacob

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