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Delitzsch Delitzsch vor der Bundestagswahl: Ein Wahlkämpfer und Wahlhelfer erzählen
Region Delitzsch Delitzsch vor der Bundestagswahl: Ein Wahlkämpfer und Wahlhelfer erzählen
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00:21 10.09.2017
Am 24. September wird ein neuer Bundestag gewählt (Symbolfoto). Quelle: dpa
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Delitzsch/Rackwitz

Überrascht sind René Kinnigkeit und Christian Stoye nicht, dass über die Wahl bereits viel diskutiert wird, zuletzt nach den TV-Auftritten der Spitzenkandidaten. Statt der Grabenkämpfe zwischen verbitterten Feindlagern, die nach wie vor im Internet die Diskussionskultur prägen, findet sich in den sozialen Netzwerken für Delitzsch und Umgebung auch anderes: So regt Facebook-Nutzer Silvio Hofstetter einen Terminkalender an, der auflistet, wann welche Wahlkampfveranstaltung oder ein Parteien-Infostand in der Stadt ist. Es wird gefragt, bis wann Briefwahlunterlagen angefordert werden können oder auch die von den Parteien angebrachten Plakate einer Stilkritik unterzogen. Groß seien die Kandidatengesichter, die Mottos eher klein. Auch wird gefragt, ob die von den Parteien vorgegeben seien oder die tatsächliche Meinung des Bewerbers. Wieder andere finden die Plakate schlicht störend.

René Kinnigkeit ist Wahlhelfer in Rackwitz. Quelle: Manuel Niemann

Den Unentschlossenen helfen Angebote im Netz wie der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung oder auch das Angebot von DeinWal.de. Dass diese manchmal selbst am Wahltag noch nicht entschieden haben, wen sie ihre Erststimme geben sollen, weiß Kinnigkeit. Doch auf die Frage: „Was soll ich denn wählen?“, kann und darf er im Wahlbüro im Rackwitzer Kinderhaus nur antworten: „Das müssen Sie selbst entscheiden.“ Kinnigkeit engagiert sich bereits seit der Bundestagswahl 2013 als Wahlhelfer. Er ist Offizier, bei der Wahl ist er wie alle Wahlhelfer zu besonderer Neutralität verpflichtet. Sie sorgen dafür, dass die Stimmen ohne Einflussnahme abgegeben werden und zählen sie auch geflissentlich aus. So dürfen in einem 50-Meter-Radius zum Wahlort keine Plakate angebracht sein, Werbeaufkleber in den Kabinen müssen die Helfer entfernen. Damit kein Stimmzettel beim mehrmaligen Auszählen verloren gegangen ist, kriecht Kinnigkeit meist am Wahltagende noch einmal unter jede Bank und sieht nach. „Wahlhelfer zu sein“, sagt er, „ist keine Last, sondern Teilhabe an der Demokratie. Die funktioniert nur, wenn man etwas für die Gemeinschaft tut.“ Niemand setze sich für die 35 Euro Erfrischungsgeld einen ganzen Tag hin. Trotzdem: Für ihn sei es immer „ein Riesenspaß“. In Rackwitz teilen sich die Wahlhelfer im Märchenweg in zwei Schichten. Bevor um 8 Uhr geöffnet wird, frühstücken die Helfer gemeinsam. „Alles ist so ein bisschen familiär.“ Das hilft, die Helfer bei der Stange zu halten, meist kommen sie über Jahre hinweg. Meist sind es auch dieselben Bürger, die zu Anfang da sind, um zuzusehen, wie die leere Wahlurne versiegelt wird oder die der Stimmenauszählung nach 18 Uhr beiwohnen. Er hat dafür Verständnis, die gegenseitige Kontrolle gehöre genau wie Transparenz für die Bürger zu schaffen dazu.

Christian Stoye ist Wahlkämpfer in Delitzsch. Quelle: Manuel Niemann

Christian Stoye kämpft im Bundestagswahlkampf für Die Linke. Zum Wahlkampf gehört vor allem Plakate kleben, aber auch Flyer und Luftballons verteilen und bei Wahlkampfveranstaltungen mit vor Ort zu sein. Je später die Plakate angebracht werden, desto schwieriger. Weshalb die 3500 Plakate, die hinter einem Rolltor warteten, bereits Anfang August aufgehangen wurden. Neben den Plakaten, die die Leute aufmerksam machen sollen, gilt es für den 22-Jährigen auch, diese für Inhalte zu gewinnen: „Wir versuchen die Wähler auf lockere Art kennenzulernen, etwa auch bei einer Kneipentour oder einem Grillstand.“ Er selbst hat schon Kaffee im Delitzscher Bahnhof an Pendler ausgeschenkt. „Wir versuchen immer wieder etwas Neues. Stumpf dastehen und ins Gespräch kommen wollen, funktioniert heute nicht mehr“, sagt Stoye. Relativ selten sei es, dass er bei Aktionen angepöbelt werde. Manche seien sogar froh, wenn ihnen mal jemand zuhört. „Es gibt jedoch viele, die keine Kompromisse mehr machen wollen.“ Eigentlich das Grundhandwerk für Politik.

Von Manuel Niemann

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