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Delitzsch wird alt

Delitzsch wird alt

Alterspyramide wird das Diagramm genannt, in dem sich die Bevölkerungsstruktur eines Landes auf einen Blick widerspiegelt: Viele Junge unten, wenig Alte oben. Eine Pyramide stellt die deutsche Bevölkerungsstruktur schon lange nicht mehr dar.

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Rüdiger Henze ist für Herta Baum mehr als "nur" ein Hausmeister.

Quelle: Christine Jacob

Delitzsch. So auch in Delitzsch, wo fast 8000 Alten über 60 knapp 4000 unter 20 Jahren gegenüberstehen.

„Die Altersstruktur in Delitzsch ist wie überall in Deutschland nicht mehr als Pyramide zu bezeichnen“, urteilt Yasemin Niephaus vom Institut für Soziologie der Uni Leipzig. Sie befasst sich seit Jahren mit Gesellschaftsphänomenen, veröffentlicht demnächst ein Lehrbuch zur Bevölkerungsdemografie und bezeichnet Delitzschs Altersstruktur als „Pilz“. Der Jugendsockel ist verschwunden, die Pyramide dreht sich, die Bevölkerung schrumpft.

Die gute Nachricht: Die Loberstadt liegt damit im deutschen Durchschnitt. 7981 von den rund 27 000 Einwohnern (Stand Mai) haben schon ihren 60. Geburtstag gefeiert. Dem gegenüber stehen 3570 Junge unter 20 Jahren. „Der Geburtenrückgang seit der Wende ist sehr, sehr deutlich zu erkennen“, so Niephaus. Dabei leide Delitzsch als klassische ostdeutsche Kleinstadt aber besonders, weil es einerseits an Migration fehle und andererseits zur sogenannten Binnenwanderung der Jungen in den Westen hin zu Jobs käme. „Im Westen haben viele Städte dieser Größe dank Migranten noch eine bessere Altersstruktur“, so die Soziologin. Seit 1991 sind die Geburten in den neuen Bundesländern um 60 Prozent zurückgegangen. Als Hauptgrund nennt Niephaus die mangelnden Möglichkeiten, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Einer Kommune bleibe nur wenig Spiel, die Entwicklung aufzuhalten. „Gegensteuern kann eine Stadt wie Delitzsch nur, wenn sie es den Jungen erleichtert, Job und Kind zu vereinbaren.“ Auf die Überalterung dagegen solle mit entsprechenden Angeboten wie seniorengerechtem Wohnen, attraktiven Freizeitangeboten oder guter ärztlicher Versorgung reagiert werden.

An einigen dieser Stellschrauben wird in der Loberstadt bereits gedreht. Delitzscher Unternehmer machen sich seit ein paar Monaten für längere Öffnungszeiten der Kindergärten stark, um Arbeiten nach 17 Uhr und Nachwuchs zu vereinbaren. Das Soziokulturelle Zentrum im Kosebruchweg bietet flexible Kinderbetreuung bis 21 Uhr an. Die Wohnungsgesellschaft der Stadt Delitzsch (WGD) hat sich auf die Alten eingestellt, bietet im Kosebruchweg 11/13 zwei sanierte Blöcke vor allem mit kleineren und Einzimmer-Wohnungen an. Aufzüge, ruhige Lage, Grünanlage zwischen den Blöcken als Begegnungsraum, altersgerechte Außenanlage. All das soll dazu beitragen, dass sich Senioren in den Häusern besonders wohl fühlen.

„Das Angebot richtet sich aber nicht nur an Ältere, auch Schüler der Unteroffizierschule und Jüngere haben dort ihren Wohnsitz.“, betont WGD-Chef André Planer. Man wolle für altersmäßig gut durchmischte Objekte sorgen. Und man reagiere nicht nur an diesem Standort auf die immer älter werdende Gesellschaft: „Wo es geht, bauen wir Aufzüge ein. Breitere Türen und seniorengerechte Bäder, abgesenkte Schwellen für den besseren Zugang zum Balkon sind uns ebenfalls wichtig“, schildert der WGD-Chef. Zudem seien die Hausmeister stets bemüht, was für die Senioren zu tun.

So wie Rüdiger Henze, der den Kosebruchweg betreut: „Wir sind mehr als nur Hausmeister, sondern auch wichtiger Bezugspunkt.“ Für Bewohnerin Herta Baum ist Henze wichtige Stütze: „Seit neun Jahren lebe ich hier, dass er da ist, ist sehr wichtig und beruhigend“, so die Seniorin, die bald 91 wird. Ins Heim wolle sie schließlich nicht.

Christine Gräfe

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