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Delitzsch Delitzscher Artur-Becker-Oberschule thematisiert Sexualität und Missbrauch in Workshops
Region Delitzsch Delitzscher Artur-Becker-Oberschule thematisiert Sexualität und Missbrauch in Workshops
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00:22 29.05.2018
Das Theaterstück „Hau ab“ thematisiert auch sexuellen Missbrauch im sozialen Umfeld: Onkel Heinz (gespielt von Christian Backhauss) kommt Schülerin Annmarie (Marlen Riedel) zu nah, die wendet sich angewidert ab. Quelle: Mathias Schönknecht
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„Let’s Talk About Sex“. An das Lied aus den 90ern angelehnt, ging es an der Artur-Becker-Oberschule in den vergangenen Wochen um die Themen Pubertät, Liebe, Sex und Missbrauch. Dazu konnten die Schüler der fünften und sechsten Klassen anonym Fragen an Sexualpädagogen stellen.

Was sich zunächst zeigt, ist, dass sich Jungs in dem Alter bei den Themen oft noch sehr kindlich benehmen und alberne Fragen stellen, während Mädchen die Sache ernster angehen, sagt Mechthild Nitschke. Die Schulsozialarbeitern koordinierte den sexualpädagogischen Workshop an der Oberschule. Auch wenn die Jungs oft noch nicht soweit sind, sei es „für die Mädchen genau der richtige Zeitpunkt“, sagt Nitschke.

Die Scham beseitigen

Um die drängendsten Themen zu behandeln, wurden in geschlechtergetrennten Gruppen jeweils drei Stunden alle zuvor von den Schülern anonym eingereichten Fragen beantwortet. Jungs interessierten sich vor allem für Dinge wie „Warum stellen Leute ihren Geschlechtsverkehr ins Internet und nennen es Pornos?“ oder „Welche Form und Länge hat ein normaler Penis?“ Die Mädchen wollten dagegen beispielsweise wissen, was es für Verhütungsmöglichkeiten gibt, und ob sich „Gefühle auch während des Geschlechtsverkehrs ändern können?“ Fragen gebe es sicher noch viele, sagt Nitschke, doch mehr Stunden werden derzeit nicht vom Gesundheitsamt Nordsachsen gefördert.

Großer Vorteil des Workshops sei, dass Schüler die Sexualpädagogen offener fragen könnten. Denn diese seien nur für wenige Stunden an der Schule, danach sehen die Schüler sie nicht wieder. Während die Hemmnis, die Fragen dem eigenen Lehrer zu stellen, den sie auch in den kommenden Jahren auf den Fluren oder im Unterricht begegnen, beträchtlich höher sei.

Witzig gemeinte Fragen wie „Gibt es beim Geschlechtsverkehr auch Ampeln“ seien „natürlich Steilvorlagen für Sozialpädagogen“, sagt Nitschke. Denn sexueller Missbrauch sei ein ebenso großes Thema des Workshops gewesen.

Und dann schreien alle zusammen „hau ab“

Dazu thematisierten die Schauspieler Marlen Riedel und Christian Backhauss vom Leipziger Theaterprojekt „Hau ab“ in ihrem Stück Fragen wie: Wie viel Nähe lasse ich zu und wie schütze ich mich vor Übergriffen? Am Beispiel der Schülerin Annemarie spielten Riedel und Backhaus verschiedene problematische Situation vor, bei deren Lösungsfindung die Schüler aktiv mit einbezogen wurden.

Die Schüler bekamen Handlungsabläufe, wie sie mit Fremden, aber auch mit Bekannten umgehen können. Als Annemarie im Stück von einem älteren Mann bedrängt wird, fragen die Schauspieler in die Runde, wie man sich der Situation entziehen könnte. Zusammen erarbeiteten sie die Lösung, laut „hau ab“ zu rufen, um so auf sich aufmerksam zu machen. Um die Erkenntnis zu festigen, riefen dann alle gemeinsam mehrmals „hau ab“. „Wir lösen Tabus im Umgang mit dem Thema sexueller Missbrauch“, erklärt Riedel das Theaterstück. Die Kinder lernen „Nein“ zu sagen.

In den höheren Klassenstufen will Mechthild Nitschke das Projekt fortführen. Mit älteren Schülern können dann auch Themen wie „Welche Liebe ist normal?“ und Homosexualität besprochen werden.

Von Mathias Schönknecht

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