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Delitzsch Delitzscher Bildungs- und Kulturverein RID steht vor dem Aus
Region Delitzsch Delitzscher Bildungs- und Kulturverein RID steht vor dem Aus
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09:00 02.10.2016
Daniela May im Spielzeugland der RID. Sie sucht dafür ein neues Domizil. Quelle: Kay Würker
Delitzsch

Nächsten Samstag, am 8. Oktober, soll noch einmal groß gefeiert werden. Mit allem Drum und Dran. Die Regionale Initiative Delitzsch (RID) lädt zum Apfel- und Kürbisfest in die Tafelgärten am Chronist-Lehmann-Weg – mit mobiler Obstpresse, Gulaschkanone und Tipps vom Pomologen. Doch es wird, sehr wahrscheinlich, eine Abschiedsfeier. Der Verein steht finanziell mit dem Rücken an der Wand. Nur vier Tage nach dem Apfelfest ist eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt, auf der über die Auflösung des Vereins beschlossen werden soll. Die endgültige Entscheidung steht noch aus, tragfähige Konzepte für die Zukunft sind aber nicht in Sicht.

Die Nachricht kommt für viele Freunde der RID überraschend. Erst im April ist der Verein aus der alten Westschule ins neue Quartier in der Schulstraße 23 gezogen. Unfreiwillig zwar, weil die Stadtverwaltung den alten Standort als Oberschulgebäude brauchte und deshalb für die Mieter kein Platz mehr war. Trotzdem wirkten die Vereinsleute zuversichtlich, als sie sich mit viel Eigenleistungen an der neuen Adresse einrichteten. Ein Kraftakt, der die Zukunft für die nächsten Jahre sichern sollte.

Bildungsmaßnahmen brechen weg

Doch nicht der Umzug wird nun zum Verhängnis, sondern der Bruch des wichtigsten Standbeines. „Wir haben erstmals keine Bildungsmaßnahmen mehr“, sagt RID-Vizevorsitzende Daniela May. Am 30. September ist die letzte ausgelaufen. Über Jahre hinweg hat der Verein Pflege- und Betreuungskräfte ausgebildet – berufliche Neustarter, die sich mit der Weiterbildung eine frische Perspektive schufen. Die Arbeitsagentur finanzierte das über Bildungsgutscheine, die die Kursteilnehmer selbst beantragten. Auch ein Vorbereitungskurs für den nachgeholten Hauptschulabschluss gehörte zum Spektrum der RID. Die Bildungsangebote, für die sich der Verein 2007 erstmals hat zertifizieren lassen, waren dessen wichtigste Einnahmequelle. Eigentlich sollte es dort im August nahtlos weitergehen. Doch diesmal blieben die Interessenten aus – nur wenige meldeten sich auf die Ausschreibungen. „Das ist frappierend, denn bei den Arbeitgebern ist die Nachfrage nach Pflegekräften groß. Die Jobchancen sind hervorragend“, sagt Daniela May.

Doch sie muss die Reißleine ziehen. Es soll nicht zur Insolvenzverschleppung kommen. Zumal es auch beim zweiten Standbein, den Arbeitsgelegenheiten für Menschen ohne Beschäftigung, über die Jahre dünner geworden ist. Aus einst 45 Tafelgärtnern pro Saison wurden zuletzt 19, Tendenz fallend. Wegen Eigenheim-Bauplänen muss zudem das Gelände am Chronist-Lehmann-Weg aufgegeben werden.

Liquidation ab Januar

Sollte am 12. Oktober der Auflösungsbeschluss fallen, beginnt zum 1. Januar die einjährige Liquidationsphase. „Die letzte Maßnahme läuft im November regulär aus“, so May. „Ich hoffe aber, dass wenigstens unsere Bücherwand und das Spielzeugland erhalten bleiben.“ Der unentgeltliche Tausch gebrauchter Bücher hat sich längst zum Selbstläufer entwickelt, um das Spielzeug für bedürftige Kinder kümmern sich unter anderem Ehrenamtliche. Doch es braucht für beides einen neuen Platz.

Von Kay Würker

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