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Delitzscher Bio-Kraftwerk hat endgültig ausgeraucht

Investorensuche Delitzscher Bio-Kraftwerk hat endgültig ausgeraucht

Für das insolvente Biomassekraftwerk an der Delitzscher Fabrikstraße läuft die Suche nach potenziellen Investoren. Insolvenzverwalter Philipp Hackländer hatte nach eigenem Bekunden bereits „seriöse Anfragen“. Dass der Schornstein demnächst wieder raucht, hält er jedoch für ausgeschlossen.

Ascheberg und Sperrholz auf dem Kraftwerksgelände müssen entsorgt werden.

Quelle: Kay Würker

Delitzsch. Die Biomasse-Ära in der Delitzscher Fabrikstraße ist offenbar endgültig beendet. „Das Kraftwerk wird nicht wiederbelebt. Es erscheint nicht plausibel, dass jemand Geld in die Hand nimmt, um die abgewirtschafteten Anlage wieder in Betrieb zu setzen.“ Zu dieser Einschätzung kommt Insolvenzverwalter Philipp Hackländer. Der Leipziger Jurist von der Kanzlei White & Case hat Anfang Oktober vor Ort das Ruder übernommen, sucht derzeit nach einem geeigneten Käufer für das Areal. Nachdem das Kraftwerk mehrfach den Betreiber wechselte und dabei immer mehr zum Sanierungsfall wurde, ist nun wohl definitiv Schluss mit der Altholzverstromung im Süden Delitzschs.

Dass der Schornstein nicht mehr raucht, dürfte so manchen Anwohner freuen. Bekanntermaßen stand das Kraftwerk immer wieder massiv in der Kritik, weil Verstöße gegen Umweltschutzauflagen vermutet und später auch bestätigt wurden. 13 Jahre lang hatte die ehemalige Zuckerfabrik für die Verbrennung von Biomasse gedient.

Mitarbeiter passt auf

Die Folgen dieser Nutzung dürften allerdings noch einige Zeit länger beschäftigen. Ascheberg und Sperrholzanhäufungen lassen grüßen. Die Sorge geht um, dass Unbefugte sich auf dem Gelände herumtreiben. In der Vergangenheit hatte es mehrere Brandstiftungen gegeben. „Ich habe jetzt einen früheren Kraftwerksmitarbeiter wieder eingestellt, der vor Ort aufpasst. Damit ist auch gewährleistet, dass Behörden Zutritt bekommen“, berichtet Philipp Hackländer.

Der Rechtsanwalt ist Insolvenzverwalter des Ex-Betreibers GOAZ. Weil die zuletzt vor Ort aktive Firma, die Knock on wood GmbH, die Kaufsumme nicht voll bezahlt hat, blieb die Liegenschaft im Eigentum von GOAZ beziehungsweise Hackländer, der nun im Zuge der Knock-on-wood-Insolvenz die Schlüsselgewalt zurückerhalten hat. „Ich suche einen Investor, der Grundstück und Gebäude übernimmt und auch den Ascheberg entsorgt“, sagt Hackländer. „Es gibt in dieser Richtung seriöse Anfragen.“ Der Wert des Areals bemesse sich aus seiner Größe – 440 000 Quadratmeter – und den Nutzungsmöglichkeiten im ausgewiesenen Industriegebiet, zum Beispiel in Form weiterer Solaranlagen zur Stromeinspeisung. Ein Verkauf könne jedoch erst gelingen, wenn die Zusammensetzung des Ascheberges exakt analysiert und die Entsorgungskosten sicher abschätzbar sind. Das Landratsamt hat bereits die nochmalige Beprobung in Eigenregie vorgenommen, die Auswertung läuft. „Noch ist nicht geklärt, welche Entsorgungswege nötig sind.“

Ermittlungen laufen

Unterdessen laufen weiter die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Leipzig zu dem aufgehäuften Umweltskandal. Ehemalige Kraftwerks-Mitarbeiter sollen aussagen, was vor Ort in den vergangenen Jahren passiert ist. „Wir wurden von der Kripo zur Vernehmung vorgeladen, einer nach dem anderen“, erzählt Reinhard Jirschik, Ex-Betriebsratsmitglied. „Es wurde gefragt, was da verbrannt wurde, wer das Holz lieferte und was mit der Filterasche passiert ist.“ Die Filterasche aus dem Rauchabzug gilt als besonders giftig. „Wenn die Anlage nicht funktionierte, lautete die Anweisung, sie aufzufangen und auf den Aschehaufen zu fahren“, erzählt Jirschik. Vom Arbeitsgericht seien den Ex-Mitarbeitern bereits Abfindungen wegen der plötzlichen Kündigung im Mai zugesprochen worden.

Hinsichtlich der separat verfolgten Insolvenzverschleppung durch GOAZ sind die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen – mit Strafbefehlen. Die beschuldigten Ex-Geschäftsführer wehrten sich jedoch gegen die Geldstrafe. Deshalb wird das Amtsgericht Leipzig demnächst eine Hauptverhandlung ansetzen.

Von Kay Würker

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