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Delitzsch Delitzscher Brandfamilie will ihr Haus wieder aufbauen
Region Delitzsch Delitzscher Brandfamilie will ihr Haus wieder aufbauen
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14:18 04.01.2017
Die Küche. Dort hatte der Mann sich noch ein Brötchen geschmiert, als plötzlich „Nebel“ im Haus war. Quelle: Christine Jacob
DELITZSCH

Eigentlich hat er alles richtig gemacht. Den Akku lädt er, ein erfahrener Modellbauer, und verlässt das Haus dabei nicht. Es ist ein Lithium-Polymer-Akku, man liest ja immer häufiger, dass sogar Handys in Flammen aufgehen. Das Ladegerät liegt auf Fliesen. Er geht in die Küche und schmiert sich ein Brötchen. Sonst auf Montage, kurz vor Weihnachten mal ein paar Tage frei. Seine Frau ist arbeiten. In wenigen Minuten wird der 54-Jährige sie anrufen: „Schatz, unser Haus brennt.“ Die Speditionskauffrau rechnet damit, dass sie demnächst noch saftige Strafzettel für ihre 15-Minuten-Fahrt von Leipzig nach Hause bekommt. Schon von Weitem sieht sie den Rauch.

Die Polizei wird ein paar Tage nach dem Brand am 16. Dezember auf Anfrage mitteilen, dass eine Brandstiftung ausgeschlossen und ein technischer Defekt die Ursache ist. Die Versicherung wird für den Schaden aufkommen, noch aber ist das Geld nicht da. Das Haus von O. und seiner 48 Jahre alten Frau ist gerade mal acht Jahre alt. Dieses Jahr wäre das Paar mit Umschulden dran gewesen, nun wollen sie neu bauen. „Aufgeben ist keine Option“, sagt der 54-Jährige, „ein eigenes Haus war immer unser großer Traum. In eine Wohnung wollen wir nicht.“

In der Delitzscher Sandmark ist es kurz vor Weihnachten zu einem Brand in einem Einfamilienhaus gekommen. Die Feuerwehr Delitzsch war mit einem Großaufgebot vor Ort und brachte das Feuer schnell unter Kontrolle, das Haus ist vorerst unbewohnbar.

„Was ist das für ein Nebel?“, denkt der 54-Jährige noch kurz nach 10 Uhr am 16. Dezember. Und heute muss er lachen über diesen absurden Gedanken. Der Nebel ist der Rauch, der durch das Haus wabert. O. wird klar, woher das kommt. Er reißt die Tür zum Kinderzimmer auf, Flammen schlagen ihm entgegen, das Fenster zerspringt, O. reißt die Tür wieder zu. Er rennt raus. Eine junge Frau bittet er um Notruf. Viele gehen aus der Nachbarschaft ein. 10.07 Uhr gehen erstmals die Pieper der Feuerwehr. Der Qualm kommt nun deutlich sichtbar aus dem zerborstenen Fenster. Es brennt in der Großen Wallstraße, mitten in der Sandmark – dem Traumland der Eigenheimbauer. Ein Nachbar rennt rein ins Haus. Später werden O. und seine Frau einen Eimer in den Resten finden, der nicht ihrer ist. Der Nachbar hat versucht zu löschen. O. rennt wieder rein. Trixi, die kleine Katze aus dem Tierheim, die erst seit wenigen Monaten bei ihnen ist, ist noch drin. O. wird, obwohl er mehrfach ins Haus zurückkehrt, mit leichten Verletzungen gerettet. Er weigert sich, sich im Rettungswagen behandeln zu lassen, er will ja die Katze finden. Am Ende überlebt auch Trixi, die Katze, sie versteckt sich unterm Waschbecken im Bad. „Wir sind so dankbar“, sagen beide wie aus einem Mund.

Delitzscher dankbar für die Hilfe

Die Feuerwehr hat es mit ihrer schnellen Arbeit geschafft, dass sogar wichtige Erinnerungsstücke erhalten blieben. „Und dann waren so nette Polizisten im Einsatz, die haben sich so toll gekümmert“, schwärmt sie. Nachbarn kümmerten sich, dass die Feuerwehrleute Kaffee bekommen. „Was uns alles an Hilfe widerfahren ist, ist unfassbar.“ Die Gaffer dagegen seien ein Schlag ins Gesicht gewesen.

Bilder aus dem Haus nach dem Brand - es riecht noch nach dem Löschschaum und der Asche. Quelle: Christine Jacob

Drei Monate hatte es damals gedauert, bis ihr rund 250 000 Euro teures Haus – auf Ständerfachwerk – aufgebaut war. Noch ist nicht klar, ob die Firma auch 2017 wieder so schnell liefern kann. An der selben Stelle soll es genau so wieder aufgebaut werden. Vorerst lebt das Paar bei Freunden. Und will eine Abrissfirma suchen. „Am liebsten eine aus Delitzsch“, betont O. und bittet sich zu melden. Auch wer sonst helfen kann, sollte sich an http://wir-bauen-wieder-auf.de/ wenden. „Den 30. Hochzeitstag im September wollen wir im Haus feiern“, sagt er. „Zumindest auf dem Grundstück“, sagt sie.

*Die Familie möchte nicht namentlich genannt werden.

Von Christine Jacob

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