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Delitzsch Delitzscher Brandopfer blicken nach vorn
Region Delitzsch Delitzscher Brandopfer blicken nach vorn
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14:00 13.01.2019
Das Haus kann nach dem Brand nicht mehr betreten werden. Die Familie ist bei Nachbarn in Laue untergekommen. Quelle: Christine Jacob
Laue

Marko und Erika Zabel sind dankbare Menschen. Dankbar für die Anteilnahme. Dankbar für die Hilfe und Hilfsbereitschaft. Dankbar für die Unterstützung. Dankbar dafür, dass sie mit dem Leben davon gekommen sind.

Knistern weckt

Es ist die Nacht des 5. Dezember. Der 40-jährige Marko Zabel wird wach. Es sind seltsame Geräusche im Haus zu hören. Wie ein Knistern, sagt er. Als ob ein Wasserkocher läuft, wird seine Mutter später sagen. Als zwei Stunden später im Gerätehaus der Feuerwehr Laue Tee für die vielen Feuerwehrleute, die ihr Haus löschen, gekocht wird, läuft es ihr eiskalt den Rücken runter. Und auch heute noch mag sie den Klang nicht.

Technischer Defekt

Das wasserkocherartige Knistern kommt vom Schaltschrank. Er hat Feuer gefangen. Das Unglück greift über auf den Dachstuhl. Marko Zabel, er selbst ist Feuerwehrmann, begreift sofort, worum es geht und was Sache ist. Einen solchen Brand wird er mit „Hausmittelchen“ nicht bekämpfen können. Chancenlos. Er holt seine Mutter, die über ihm in dem Dachgeschoss wohnt, aus ihren vier Wänden. Sie ziehen sich noch etwas über den Schlafanzug und verlassen das Haus umgehend. Marko Zabel ruft sofort die Leitstelle an. Gegen 3.15 Uhr werden erst die Feuerwehr Laue und dann die Kameraden aus Benndorf und Delitzsch alarmiert. Erst als es wieder hell ist im Dorf kann der Einsatz beendet werden.

Die Feuerwehr muss das Dach noch weiter aufreißen, um den Brand zu bekämpfen Quelle: Christine Jacob

Als es wieder hell ist im Dorf ist auch längst in die Gänge gekommen, was die Zabels Wochen später noch rührt und so dankbar macht. Noch in dieser Nacht organisieren die Dorfbewohner eine Spendenaktion für die Familie, das eigentliche Vorweihnachtskonzert zugunsten der Dorfkirche wird zu einem Benefizkonzert zugunsten der Brandopfer. Marko Zabels Kollegen in der Stadtverwaltung fangen ebenfalls an, Geld zu sammeln, damit die Familie schnell das Nötigste besorgen kann und nicht auf komplizierte Versicherungswege warten muss. „Es ist nicht selbstverständlich, was das Dorf und alle anderen für uns gemacht haben“, ist Marko Zabel stolz auf diese Gemeinschaft. Allen ist klar, dass das Haus unbewohnbar wird in dieser Nacht und jetzt als Totalschaden nicht mehr zu retten ist, das Hab und Gut ist ruiniert. Wie es konkret mit dem Lehmbau aus dem 18. Jahrhundert weitergeht, prüft die Versicherung. Die Brandursache ist schnell ermittelt: technischer Defekt. Das Feuer richtet einen immensen Schaden an. Die notwendigen Löscharbeiten tun ihr Übriges. Das Dach muss noch weiter aufgerissen werden, um den Brandherd zu bekämpfen. Durch das viele Löschwasser schimmelt es nun im Haus. Zabels können nicht mehr hinein. Als Feuerwehrmann weiß Marko Zabel nur zu gut, dass es nicht anders gegangen wäre. Er ist sehr stolz auf die Leistung all der Kameraden, die in dieser Nacht Schlimmeres wie das totale Abbrennen oder ein Übergreifen des Feuers auf andere Häuser verhindert haben. Er selbst bleibt in dieser Nacht mit seiner Mutter im Gerätehaus. Dort hat man die Familie hingebracht. „Ich wusste, dass ich nicht als Einsatzkraft taugen würde“, sagt der 40-Jährige.

Langsam Normalität

Erst Weihnachten sei sie langsam wieder zur Ruhe gekommen, erzählt Mutter Erika Zabel. Bis dahin habe sie nur funktioniert. Mit ihren 63 Jahren ist sie Anfang Dezember in den Ruhestand gegangen. Eigentlich hatte sich die Krankenschwester auf ihr Rentnerdasein gefreut. Dann kam der Brand. Doch sie und ihr Sohn wissen auch um das viele Glück, das sie hatten – zum Beispiel, dass sie unverletzt blieben. Sie müssen nicht in eine Notunterkunft. Eine Nachbarin stellt ihnen eine kleine Einliegerwohnung nur ein paar Häuser weiter zur Verfügung. „Es ist immer noch komisch, wenn man auf dem Weg von der Arbeit schon früher abbiegt als sonst“, erzählt Marko Zabel. Nur langsam kehrt wieder Alltag ein.

Von Christine Jacob

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