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Delitzsch Delitzscher Bürgerbüro geht auf Streife
Region Delitzsch Delitzscher Bürgerbüro geht auf Streife
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06:00 11.10.2018
Julia Löser ist täglich in Delitzsch unterwegs und illegalen Müllablagerungen auf der Spur. Quelle: Christine Jacob
Delitzsch

Ihre Augen scheinen nie still zu stehen, erfassen kleinste Details am Wegesrand. Immer wieder greift Julia Löser in ihre Jackentasche, zückt das Smartphone, dokumentiert illegalen Müll, Straßenschäden, zugewucherte Wege ... Die Mitarbeiterin des Delitzscher Bürgerbüros ist damit nicht nur Kontrollinstanz, sondern wie eine taffe Kommissarin im Dienste der sauberen Stadt.

700 Fälle pro Jahr

Julia Löser betrachtet sich selbst lieber als Schnittstelle zur Verwaltung. Die Bürger rufen an, schreiben E-Mails, kommen direkt zu ihr ins Technische Rathaus oder können neuerdings über den Bürgermelder online ihre Anfragen absetzen. Dass es meist um Beschwerden geht, ist für Julia Löser kein Grund, genervt mit den Augen zu rollen: „Wir freuen uns über jeden Hinweis“, sagt die 27-Jährige. 709 Fällen ist Julia Löser allein im vergangenen Jahr nachgegangen, bis August 2018 waren es bereits knapp 500. Ursprünglich hatte das Bürgerbüro – eine Einrichtung des Ordnungsamtes – fünf Mitarbeiter, inzwischen macht seit ein paar Jahren einer allein den Job. Julia Löser ist seit 2016 auf dem Posten.

Täglich auf Streife

Zeitnah arbeitet die 27-Jährige jeden der vielen Hinweise ab, nichts bleibt unberührt, sagt sie. Sie vermittelt an den zuständigen Sachbearbeiter, ans Landratsamt, die Polizei und andere Stellen, berät; und vor allem geht sie raus, auf Streife. Täglich ist sie in Delitzsch und/oder den Ortsteilen unterwegs, jedes Dorf bekommt mindestens zweimal monatlich Besuch. Und am Unteren Bahnhof ist sie regelmäßig mit der Polizei unterwegs, um erzieherisch auf Jugendliche einzuwirken, die dort Dreck und Lärm machen. Unabhängig von Wind und Wetter ist Julia Löser oft mit dem Rad und zu Fuß unterwegs. Sie ist kein Schreibtischtäter. Aus Überzeugung: „Ich fälle keine Entscheidung am Schreibtisch“, sagt sie und „zu Fuß sieht man viele Dinge, die man im Auto im Vorbeifahren nicht wahrnehmen würde“. Etliche illegale Müllablagerungen blieben ohne sie wohl unentdeckt oder zumindest ungemeldet. Die junge Frau inspiziert den Müll dann auch immer genau, bringt Adressen und andere persönliche Bezüge zum Vorschein. Alles kommt in die Beweisakte und dient den übergeordneten Behörden für stattliche Bußgeldbescheide. Oft genug kommt Julia Löser mit dreckigen Klamotten von der Arbeit. Sie kraucht in manche Ecke, die der eingefleischte Delitzscher nicht kennt. Dabei kommt sie selbst nicht von hier, pendelt jeden Tag für die Arbeit. „Ich sehe es als Vorteil, ich habe einen neutralen Blick“, sagt sie.

Die Mitarbeiterin des Delitzscher Ordnungsamtes ist täglich in der Stadt und den Ortsteilen unterwegs und geht illegalen Müllhalden und anderen Ärgernissen nach.

Der neutrale Blick bewahrt nicht davor, am gesunden Menschenverstand zu zweifeln. „Warum macht man sowas?“ und „Wer macht sowas?“, fragt auch Julia Löser sich oft, wenn sie ganze Badezimmer von der Wanne bis zu den Fliesen, Dutzende Altreifen oder Grabsteine irgendwo im Nirgendwo findet. Übrigens: Dass Müllhaufen, die in Delitzsch momentan immer öfter Ärgernis sind, nicht umgehend nach Entdeckung beseitigt werden, hat damit zu tun, dass das dafür zuständige Landratsamt wiederum – den ganzen Landkreis Nordsachsen im Blick – nach einer Prioritätenliste abarbeitet. Und auf Kosten, die letztlich der Steuerzahler trägt, wird geachtet und daher eine Sammel-Aktion für mehrere Stellen organisiert.

Bürgerbüro: 034202 67200 und buergerbuero@delitzsch.de

Von Christine Jacob

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