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Delitzsch Delitzscher Busunternehmen: Rollstuhlfahrer und Kinderwagen müssen draußen bleiben
Region Delitzsch Delitzscher Busunternehmen: Rollstuhlfahrer und Kinderwagen müssen draußen bleiben
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00:18 28.01.2016
Auf den Stadtverkehr-Linien sei man bereits komplett barrierefrei unterwegs, sagt das Unternehmen Webel.  Quelle: Ilka Fischer
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Delitzsch

 Sie war pünktlich da, benahm sich ordentlich und wurde doch stehen gelassen an der Haltestelle. Für die Dame im Rollstuhl war in den Bus kein Reinkommen. Einem anderen Rollstuhlfahrer sagte ein Busfahrer von Webel mal „Wir sind nicht verpflichtet, Sie mitzunehmen!“

Ist das erlaubt? Der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) verweist in dieser Frage an den Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) – und der macht mit seinen Beförderungsbedingungen klar: Selbst wenn der Delitzscher Busfahrer einen Menschen im Rollstuhl oder auch jemanden mit Kinderwagen von der Beförderung abweist, ist das erlaubt. Die Entscheidung trifft der Busfahrer. Eine gesetzliche Verpflichtung für Busunternehmen, ausschließlich barrierefreie Fahrzeuge einzusetzen, gibt es laut MDV auch nicht. „Nach Möglichkeit soll das Betriebspersonal dafür sorgen, dass Fahrgäste mit Kind im Kinderwagen und Rollstuhlfahrer nicht zurückgewiesen werden“, heißt es in den Beförderungsbedingungen unter dem Punkt „Beförderung von Sachen“. Die Sicherheit der Rollstuhlfahrer und der anderen Fahrgäste sei zu beachten. Und unter dieser Devise ist es möglich, Personen von der Beförderung auszuschließen. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sind bei der Erstellung der Nahverkehrspläne besonders zu berücksichtigen – eine Pflicht zur Beförderung unter allen Umständen geht damit nicht einher. Das Fahrdienstpersonal kann im MDV auch Kinder unter sechs Jahre von der Beförderung ausschließen, wenn nicht eine Begleitperson dabei ist. Oder eben Menschen, die auf Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen angewiesen sind – zum Beispiel wenn der Platz oder die Sicherheit nicht mehr gegeben sind. Den Verkehrsunternehmen im MDV sei aber sehr daran gelegen, allen Fahrgästen die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ermöglichen. Der MDV empfiehlt den Fahrgästen, die eine Einstiegshilfe benötigen, den Fahrtwunsch in der Regel mindestens vier Stunden vor der Fahrt direkt beim Verkehrsunternehmen anzumelden.

Die Unternehmen seien bestrebt, bei Neubeschaffungen barrierefreie Fahrzeuge zu kaufen. „Unser Fuhrpark besteht zu über zwei Drittel aus barrierefreien Fahrzeugen, welche entweder mit einem elektrischen Hublift oder niederflurig mit Rampe ausgestattet sind“, so Webel-Geschäftsführer Christian Webel. 13 Linien bedient Webel mit diesen Dutzenden Bussen in und um Delitzsch. Durch die Bindung des Fahrers an „sein“ Fahrzeug sei eine ordentliche Pflege gewährleistet, rühmt das Unternehmen seine 37 Busfahrer starke Flotte. „Da wir uns gegenüber mobilitätseingeschränkten Personen in besonderer Verantwortung sehen, erfolgen Ersatzinvestitionen seit Jahren ausschließlich in barrierefreie Fahrzeuge.“ Das Ziel sei es, die Verkehrsleistung in naher Zukunft zu hundert Prozent barrierefrei anbieten zu können. Im Stadtverkehr Delitzsch sei Barrierefreiheit bereits umgesetzt. „Für entsprechende Anfragen bezüglich des Fahrzeugeinsatzes im Regionalverkehr stehen wir gerne unter der Nummer 034202 309980 zur Verfügung. Gegebenenfalls können wir mit einem ausreichend zeitlichen Vorlauf auch operativ auf individuelle Fahrgastbedarfe reagieren.“

Auch an übergeordneter Stelle wird weiter am Thema Barrierefreiheit gearbeitet: „Gegenwärtig befasst sich eine Arbeitsgruppe beim MDV mit einem Konzept zur vollständigen Barrierefreiheit auf allen ÖPNV-Ebenen. Dazu zählen die Haltestellen, Fahrzeuge aber auch Kommunikationsmedien“, so Sprecherin Juliane Vettermann. Zudem biete der MDV eine kostenfreie Mobilitätsberatung an. Der Verband möchte den Kontakt mit dem Delitzscher Rolli-Club suchen.

Von Christine Jacob

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