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Delitzsch Delitzscher Eigenheim-Boom wird Club Point Zero gefährlich
Region Delitzsch Delitzscher Eigenheim-Boom wird Club Point Zero gefährlich
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14:57 19.04.2016
So ausgelassen ging es im Club Point Zero zum jüngsten Jahreswechsel zu. Quelle: Alexander Prautzsch
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Delitzsch

Eigenheime statt Brachen und Ruinen: Diese Strategie hat sich die Stadt Delitzsch auf die Fahne geschrieben, seit die Bauland-Nachfrage drastisch gestiegen ist. Insbesondere am westlichen Stadtrand, im Karree von Hallescher und Schkeuditzer Straße, soll sich einiges bewegen. Die Relikte aufgelöster Gewerbebetriebe sollen verschwinden. Allerdings ist dieses städtebauliche Niemandsland nicht völlig verwaist. Schon vor Jahren haben sich Nutzer gefunden, denen der Charme des Verfalls genau ins Konzept passt. „Dieses alte Gewerbegelände war das, was ich suchte. Etwas Gebrauchtes, Abgenutztes, wo ein Club wie unserer die richtige Atmosphäre hat“, schildert Roy Klawes. Seit 2003 betreibt er an der Schkeuditzer/Ecke Richard-Wagner-Straße den Club Point Zero, unterstützt von Freunden und Familie. Und macht sich Sorgen, wie lange er noch bleiben darf.

Stadt strebt Eigenheime an

Wie berichtet, soll das Gelände der Ex-Bau-Union zwangsversteigert werden. Die Stadtverwaltung hatte sich – im Einvernehmen mit weiteren Gläubigern des Betriebes – dafür stark gemacht, um das mehrere Hektar große Gelände komplett neu zu beleben. Ein Termin steht noch nicht fest, momentan wird das Wertgutachten erstellt. Die Stadt wünscht sich als Bieter einen Erschließungsträger, der vor Ort alles beräumt und den Weg für eine Eigenheimsiedlung ebnet.

„Ich habe nichts gegen Eigenheime, aber ich hoffe, dass der Club trotzdem bestehen kann“, sagt Roy Klawes. In das große Wirtschaftsgebäude, in dem zuletzt ein Farbenfachmarkt residierte, habe er viel Geld und Kraft gesteckt, was ein Rundgang durch die Räume offenbart. Zwei Dancefloors finden sich dort, zwei Lounges mit Liegestühlen in Sandlandschaften, Bars und Sanitärbereiche. „2011 habe ich mit neuem Konzept noch mal alles ausgebaut“, berichtet Klawes. Inzwischen sei Point Zero nicht nur Ziel von Clubgästen, die monatlich aus großem Umkreis zu Disco-House und Techno anreisen und sich an namhaften Gast-DJs erfreuen. „Es buchen auch immer mehr Familien für Privatfeiern, vom Schulanfang bis zum Geburtstag.“

Pacht fließt an Abwasserverband

Der 35-jährige Delitzscher, einst Mitbegründer des legendären Shoot Clubs im Ziehwerk, hat sich vor 13 Jahren mit Point Zero in neues Projekt begeben. Er schloss einen Pachtvertrag mit dem damaligen Bau-Union-Chef. „Die Pacht zahle ich bis heute weiter. Nun allerdings, weil das Gelände herrenlos ist, an Gläubiger der Bau-Union. Der Abwasserzweckverband hatte sich als erster gemeldet und erhält seitdem die Überweisung.“

Bei der Zwangsversteigerung wird Klawes allerdings nicht die Hand heben. „Das übersteigt meine Möglichkeiten.“ Seine Hoffnung ruht auf einer Abtrennung des Point-Zero-Gebäudes vom künftigen Eigenheimareal. Auf friedlicher Nachbarschaft also. „Ausreichend Schallschutz ist installiert.“ Die Stadtverwaltung kann da nicht helfen, sagt Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos): „Wir favorisieren Wohnbebauung, alles Weitere liegt beim künftigen Investor. Ich wünsche dem Club, dass er einen Ausweichstandort findet.“

Von Kay Würker

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