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Delitzscher Einzelhändler arbeiten an ihrer Zukunft

Stimmungsbild Delitzscher Einzelhändler arbeiten an ihrer Zukunft

Verwaiste Schaufenster auf der einen Seite und Optimismus auf der anderen Seite. Der Delitzscher Einzelhandel hat es nicht leicht, gibt es doch Konkurrenz wie Internet, Shoppingtempel und Outlet-Center. Doch man ist rührig, damit auch 2030 noch genug Kunden kommen.

Mit der Tüte „Ich kauf’ in Delitzsch“ kann der Kunde Loyalität und Lokalpatriotismus zum Ausdruck bringen.

Quelle: Wolfgang Sens

DELITZSCH. Samstagmittag kurz vor Ladenschluss. Eine Frau betritt das Klamottengeschäft, die Verkäuferin grüßt wie immer freundlich und erntet Ignoranz als Antwort. „Hm, auch daran gewöhnt man sich“, zuckt sie die Schultern. Delitzscher Einzelhandel ist kein Ponyhof. Doch er bleibt in Bewegung.

Ambiente und Flair, resümiert Wirtschaftsförderer Alexander Lorenz punkten bei den Kunden und da habe Delitzsch bereits viel zu bieten. Dennoch müsse sich der Einzelhandel weiter bemühen, die Kunden über Angebote zu locken, die andere nicht bieten und der Konkurrenz wie dem Internet mit sinnvollen Ergänzungen zu begegnen. Es sei wichtig, dass der Einzelhandel auf Trends reagiere, denn die Welt wandle sich ja schnell.

Mangelnde Loyalität?

Doch wenn es klemmt, so ist es – zumindest aus Sicht der Macher – nicht allein die Schuld des Handels. „Es kaufen zu wenige Delitzscher in Delitzsch ein“, so Buchhändler Ingolf Engler. Nach fast 40 Jahren am Platz könne es noch immer vorkommen, dass Ur-Delitzscher das Geschäft betreten und zugeben, sie seien noch nie drin gewesen. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass so wenig Menschen zum Buch greifen – irgendwo bekommen sie ihren Lesestoff, sehr wahrscheinlich beim Internetriesen. Vor zehn Jahren habe er das Doppelte an Kunden verzeichnet, gibt der Händler einen groben Einblick. „Insgesamt fehlen uns Händlern die Laufkunden“, so Ingolf Engler, „und uns fehlt die Loyalität der Delitzscher.“ Loyalität und Lokalpatriotismus kann der Loberstädter seit Kurzem mit der Tüte „Ich kauf’ in Delitzsch“ zum Ausdruck bringen.

Kundennähe ist Kernkompetenz

Kundenbindung, sagt Werbegemeinschaftsmitglied Stefan Adam vom Haushaltsfachgeschäft in der Eilenburger Straße, sei nicht immer einfach. Wenn diese gelingt, zahle sie sich aber langfristig aus. „Es geht darum, die Kunden zu hegen und zu pflegen, die da sind, das ist unser Anspruch“, betont Stefan Adam, „gleichzeitig müssen wir überlegen, wie wir an neue Kunden kommen.“ Der Händler setzt unter anderem auf Koch-Events, um den Gästen die Produkte erlebbar zu machen. „Solche Veranstaltungen werden gut angenommen“, so Stefan Adam. Engler bietet ebenfalls gesonderte Veranstaltungen, wird zum Beispiel wieder das Eingeschlossensein in der Buchhandlung anbieten. Ein weiteres Beispiel ist der Jeansladen „Hosenstall“ von Christian Letzel, wo nach individueller Terminvereinbarung auch nach Ladenschluss geshoppt werden kann. Die Kombination aus klassischem Handel, Extras und Event schaffe gute Synergien, ist auch Wirtschaftsförderer Alexander Lorenz überzeugt. Die Stadt will sich dem noch stärker widmen, so etwa wird der Frischemarkt mit Eventcharakter in die Saison starten.

Zudem seien Beratung und Kundennähe die Kernkompetenz, betont Stefan Adam. Das sei das tägliche Handwerk im Handel und der solide Unterbau in Delitzsch. Zudem sei der aktuelle Zuzug eine Herausforderung, schließlich gelte es, dieses Potenzial an Kunden für sich zu gewinnen. „Es ist Engagement gefragt, man muss selber Motor sein“, betont Eva-Maria Adam. Der Handel sei da schon auf einem guten Niveau, so Alexander Lorenz. In Zukunft sei es denkbar, dass Passanten in Delitzsch mal wieder befragt und ihr Einkaufs-Verhalten analysiert wird. Der letzte Vorstoß dieser Art liegt knapp zwei Jahre zurück.

Von Christine Jacob

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Delitzsch
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