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Delitzsch Delitzscher Entblößer muss sich behandeln lassen
Region Delitzsch Delitzscher Entblößer muss sich behandeln lassen
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13:13 24.08.2016
Das Amtsgericht Eilenburg Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch/Eilenburg

Wenn er getrunken hat, kann er sein bestes Stück einfach nicht in der Hose behalten. Der 63-Jährige tut es dann nicht heimlich, nein, er muss es öffentlich machen: Seinem kleinen Mann die große Welt zeigen. Das mag ihm gefallen, anderen aber nicht. Insbesondere vier junge Frauen waren angeekelt. Vor gut einem Jahr hatten sie abends, so gegen 22 Uhr, auf einer Bank am Unteren Bahnhof gesessen, als sie auf das Treiben von Otto M. aufmerksam wurden. „Er hatte sein Geschlechtsteil in der Hand und manipulierte an ihm herum“, beschrieb die Staatsanwältin das Geschehen. Die Geschädigten waren davon offenbar sehr erschüttert. Sie verließen den Ort, riefen die Polizei und erstatteten Anzeige. Aus besonderem öffentlichen Interesse tat dies auch die Behörde.

Abstinent seit einem Jahr

Nach einem Jahr folgte nun die Quittung für den Delitzscher. Das Eilenburger Amtsgericht erhob Anklage, es kam zur Verhandlung. Otto M. ist mittlerweile Rentner, scheint ruhiger geworden zu sein. Vor allem ist er aber eins: „Seit einem Jahr trinke ich nicht mehr, bin abstinent.“ Was er sagt, klingt glaubwürdig und wie zur Bestätigung dessen legte sein Anwalt Axel Hahn Laborergebnisse zu den Leberwerten vor. Die seien im Normbereich.

Mit dem Griff zur Flasche fing es an

Otto M. ist alkoholsüchtig, das weiß er, deshalb ist er auch in Behandlung. Lange Jahre war er trocken, sodass dann auch die Suchtberatung irgendwann auslief. Es gab auch keine Termin mehr beim Psychologen. Otto M. hatte nämlich nicht nur das Alkoholproblem, er war auch in elf Fällen vorbestraft, die vor allem exhibitionistische Handlungen beinhalteten. Allerdings lag die letzte Tat mehr als vier und die Tat davor mehr als sechs Jahre zurück. Rückfällig geworden ist er im Sommer 2015. Zur Flasche griff er, als die ihm beim Geburtstag seines Kindes gereicht wurde. Es blieb nicht bei einer. „Vielleicht waren es sechs oder sieben“, räumte er ein. Er gestand auch alles, was ihm die Staatsanwältin vorwarf. Er ersparte so den Zeuginnen eine Aussage vor Gericht. Das wurde ihm angerechnet. Allerdings nicht sehr hoch.

Angeklagter begeht Bewährungsbruch

Schwer wog aus Sicht der Staatsanwaltschaft indes die Tatsache, dass Otto M. zur Tatzeit noch unter Bewährung stand – und auch noch einschlägig. Deshalb tat sich die Staatsanwältin schwer damit, einer erneuten Bewährungsstrafe zuzustimmen. Eine Geldstrafe kam für sie ohnehin nicht in Frage und so beantragte sie eine sechsmonatige Freiheitsstrafe, Bewährung ausgeschlossen.

Rechtsanwalt Hahn sprach sich für eine Freiheitsstrafe aber mit Bewährung aus, zudem für Auflagen, die sein Mandant regelmäßig erfüllen muss. „Die Gespräche mit der Suchtberatung und mit dem Psychologen haben ihm geholfen. Die Straftaten standen immer in Verbindung mit dem Alkoholgenuss. Er hat an sich gearbeitet, die Intervalle zwischen den Taten sind deutlich größer geworden.“ Der Delitzscher Anwalt legte sich richtig ins Zeug.

Richterin sieht gute Prognose

Für Richterin Carmen Grell waren die einschlägigen Verurteilungen ausschlaggebend, aber auch der Bewährungsbruch. „Belästigungen durch exhibitionistische Handlungen (Paragraf 183 Strafgesetzbuch) können mit Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr bestraft werden“, hielt sie dem Angeklagten vor. „Auch wenn dies nicht die große Kriminalität ist, halte ich eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten für ausreichend und notwendig.“ Die Bewährungszeit legte sie auf drei Jahre fest. Zudem muss er die Behandlung in der Suchtberatung und beim Psychologen wieder aufnehmen und das Gericht halbjährlich informieren. „Ich sehe eine gute Prognose“, sagte sie. Allerdings warnte sie Otto M. auch. Bei einem Verstoß gegen die Bewährungsauflagen kann die Freiheitsstrafe vollstreckt werden. Eine Strafe musste der Delitzscher bereits absitzen. Sein Strafregister weist im übrigen insgesamt 20 Verurteilungen auf. Die Kosten des Verfahrens, so die Entscheidung des Gerichts, muss Otto M. jetzt von seiner Rente begleichen.

Von Ditmar Wohlgemuth

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