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Delitzsch Delitzscher Feuerwehr immer wieder durchs Parken behindert
Region Delitzsch Delitzscher Feuerwehr immer wieder durchs Parken behindert
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08:00 07.11.2018
Gerade in den engen Altstadtstraßen wird es mit Löschfahrzeugen und anderen Lkw schwer, an den parkenden Autos vorbeizukommen, im Ernstfall zu schwer. Quelle: Christine Jacob
Delitzsch

Wer am Steuer eines Müllwagens oder anderen Lkw sitzt, der braucht in Delitzsch immer mehr Nerven, Feingefühl und Manövrierfähigkeit. Gerade in der Altstadt gelten Parkplätze als Mangelware und die Straßen sind deshalb unnötig eng zugestellt, zu spüren bekommen das aber auch ausgerechnet die, die unbedingt freie Bahn brauchen – die Kameraden der Feuerwehr in ihren Löschfahrzeugen.

40 Sekunden an drei Autos vorbei

Und nicht nur die machen sich Sorgen, dass es in den engen Gassen bei Notfällen eben zu eng werden könnte. „Teilweise kommt man ja mit dem Pkw nicht um die Kurven“, berichtet eine Anwohnerin der Mauergasse, „wie soll man das mit einem Löschfahrzeug schaffen?“ Die Antwort: nur mit starken Nerven und viel Feingefühl. Das beweist Heiko Friedrich von der Feuerwehr Delitzsch im LVZ-Test vor Ort. Der stellvertretende Wehrleiter ist ein erfahrener und besonnener Maschinist. Doch es gibt Straßen in Delitzsch, die rauben auch dem 44-Jährigen die Nerven. So sind zum Beispiel die Mauergasse und die Pfortenstraße auch trotz teilweiser Verbote immer wieder so eng zugeparkt, dass es nur langsam fädelnd mit einem Löschfahrzeug an den Autos vorbeigeht. Extrem konzentriert fährt Heiko Friedrich die Wege ab und muss dabei auf jeden Millimeter achten. In der Mauergasse braucht er zum Beispiel allein 40 Sekunden, um an drei Pkw vorbei zu kommen und muss dafür den schmalen Gehweg nutzen. Und auch im Delitzscher Osten fallen immer wieder Straßen negativ auf. Teilweise steigen Kameraden von den Fahrzeugen ab, laufen davor lang, klappen Seitenspiegel geparkter Autos ein und dirigieren den Maschinisten um die zugestellten Kurven. Glück im Unglück: Den Ärger hatten die Kameraden in den letzten Monaten „nur“ bei ausgelösten Brandmeldeanlagen, die sich dann doch als Fehlalarme herausstellten. Im Falle eines Notfalles? Herber Zeitverlust, den sich keiner leisten kann.

Und der nicht sein muss, halten sich alle an die Regeln. Gerichte gehen von der definierten Restdurchfahrtsbreite von 3,05 Meter für eine Straße aus. Gerade in der Altstadt, wo eben ohnehin an vielen Stellen Parkplatznot herrscht, kann diese Restbreite durch ungeschicktes Parken schnell unterschritten sein, hinzu kommen dann noch versperrte Feuerwehrzufahrten oder zugeparkte Hydranten. Allein in der Mauergasse werden jährlich um die 100 Parkverstöße nach diesen Kriterien festgestellt. Das Ganze wird im Ernstfalle nicht wie ein Kavaliersdelikt behandelt: Sollte durch das Fehlverhalten nachweislich ein Schaden eingetreten sein, weil etwa ein Rettungsfahrzeug zu spät an der Einsatzstelle eingetroffen ist, kann der Fahrzeugführer für den Schaden haftbar gemacht werden. Er läuft darüber hinaus Gefahr, sich im Sinne des Strafrechtes verantworten zu müssen. Und im Ernstfall darf ein Maschinist der Feuerwehr auch Handlungen vornehmen, die dazu geeignet sind, Schaden abzuwehren. Das heißt: Soweit es „vertretbar und geboten“ ist, darf der Mann hinter dem Steuer eines Löschfahrzeugs nach Abwägung auch eigentlich strafbare Handlungen, wie etwa eine Sachbeschädigung, vornehmen, wenn dadurch eine Gefahr abgewehrt werden kann.

Von Christine Jacob

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