Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Belastungscheck für Delitzscher Feuerwehrleute
Region Delitzsch Belastungscheck für Delitzscher Feuerwehrleute
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:55 01.03.2018
Fitness unter der Maske: Die Kameraden der Feuerwehr müssen sich auf der Atemschutzstrecke beweisen. Quelle: Christine Jacob
Delitzsch/Bitterfeld-Wolfen

Sie gehen rein, wo andere rausrennen. Feuerwehrleute schnallen sich Masken auf das Gesicht und schwere Pressluftatmer auf den Rücken, gehen ins Brandhaus und machen ihren ehrenamtlichen Job. Damit sie das können, müssen sie regelmäßig ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen.

Einmal jährlich zum Test

Ein Flachbau am Rande von Bitterfeld-Wolfen. Gerade ist die Feuerwehr Delitzsch mit elf Männern und Frauen vorgefahren. Regelmäßig müssen sie beweisen, dass sie in der Lage sind, bei schweren Brandfällen zum Einsatz zu kommen. Ein Arzt muss die medizinische Tauglichkeit bescheinigen, jede Menge Fachwissen braucht es ohnehin und einmal jährlich steht der Belastungstest auf der Atemschutzstrecke an. Das heißt im Groben: Mit einem Vorrat an Luft aus dem schweren Paket auf dem Rücken muss jeder eine bestimmte Leistung erbringen.

Sandy Friedrich macht das jetzt seit zehn Jahren. Knapp 30 Kilo schwerer wird die zierliche Delitzscherin mit all der Ausrüstung vom Feuerwehrstiefel bis zum Pressluftatmer. Ein Transponder am Arm, ein Pulsmesser um die Rippen und eine Kamera zeichnen auf, ob und wie fit sie ist für das, was sie im Ernstfall leisten muss. Radergometer, Laufband und Crosstrainer müssen Sandy Friedrich und ihre Kameraden absolvieren und eine bestimmte Arbeitsleistung in Kilojoule erbringen – die Werte variieren je nach Alter, rund zwei Minuten auf jedem einzelnen Gerät meistert jeder Kamerad pro Durchgang. Ausrüstung und der Atemschutz bleiben dabei immer angelegt, die ganze Zeit arbeitet man mit „Übergewicht“ und atmet wie ein Taucher.

Anstrengendes Verfahren

So weit, so anstrengend. Nach sechs Minuten auf den Fitnessgeräten geht es ohne Pause auf eine insgesamt rund zehn Meter lange Orientierungsstrecke. Um die 30 Grad herrschen dort, die eigene Körperwärme staut sich nach der Anstrengung von eben unter der schweren Brandschutzausrüstung. Der Raum ist gefüllt mit einem Labyrinth aus Gitterkäfigen, die mit Luken und Türchen verbunden sind, mal muss man sich in die obere Etage wuchten und sich vorwärts schieben, dann wieder unten weiter kriechen und immer darauf achten, dass man nicht mit den zwei Flaschen auf dem Rücken oder dem Luftschlauch irgendwo hängen bleibt. Und das alles wie blind. „Man sieht nichts, mit etwas Glück kann man auf dem ersten Meter im ersten Raum noch was erahnen“, sagt Sandy Friedrich, bevor sie – bei der Feuerwehr geht nie jemand allein – mit ihren zwei Kameraden Heiko Friedrich und Ingo Mettag im Dunkel verschwindet. Es ist wie finsterste mondlose Nacht in dem Raum.

Auf allen Vieren geht es durch den stockfinsteren Raum. Quelle: Christine Jacob

Im zweiten Teil der Strecke kommt noch dichter Nebel dazu, der einen verrauchten Raum simuliert, und aus Lautsprechern dröhnt Krach – eigentlich könnte man hier sogar zwischen den Käfigen stehen und sich laufend fortbewegen, der Rauch allerdings zwingt unweigerlich in die Knie. Nur kriechend oder gebückt geht es vorwärts. Rund fünf Minuten brauchen Sandy Friedrich und ihre beiden Kameraden.

Durchschnaufen ist nicht. Wieder geht es auf Rad, Laufband und Crosstrainer. Wieder je zwei Minuten auf den Geräten. Wieder arbeiten unter Belastung, wieder bestimmte Werte abliefern. Abweichungen werden schnell deutlich. „Wenn etwas wäre, würde man das hier sofort sehen und den Kameraden rausnehmen“, schildert Roland Sattler, Atemschutzgerätewart der Feuerwehr Delitzsch. Es kann an Aufregung liegen, zu wenig Trinken oder Essen im Vorfeld. Was folgt, sind dann ein Besuch beim Arzt, ob eine Erkrankung vorliegt oder der dringende Rat, wieder mehr Sport zu treiben, um die Kondition zu verbessern. Im Zweifelsfalle kann derjenige nicht mehr als Atemschutzträger eingesetzt werden.

Alle elf bestehen. Demnächst folgen weitere Delitzscher Kameraden. Auch die Feuerwehr Eilenburg hat wieder einen Termin auf der Strecke.

Von Christine Jacob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Diebe sind in die Wohnung einer alten Frau in Delitzsch eingedrungen, haben Geld und Sparbücher gestohlen. Die Polizei sucht jetzt Zeugen.

02.03.2018

Der im Januar in Zschortau nach einer Attacke eines größeren Hundes entlaufene Retromops Benni ist nach sechsen Wochen wieder bei seinen Besitzern. Am Mittwoch ist der Rüde in Lemsel in eine Lebendfalle gelaufen.

01.03.2018

Geldsegen für Nordsachsen: Der Landkreis erhält rund fünf Millionen Euro für Straßenbaumaßnahmen. Welche Kommunen davon profitieren – hier eine Übersicht.

01.03.2018