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Delitzsch Delitzscher Friedhof: Grabmale im Kipptest
Region Delitzsch Delitzscher Friedhof: Grabmale im Kipptest
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07:00 14.04.2016
Dieser Aufkleber signalisiert Handlungsbedarf. Er wurde vom Prüfer aufgebracht. Quelle: Kay Würker
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Delitzsch

Die Gerätschaft ist mannshoch und mit allerlei Technik und Griffen bestückt. Wenn der Sachverständige damit auftaucht, sorgt das auf dem Friedhof immer wieder für verwunderte Nachfragen. „Manche Leute wollen wissen, ob ich Vermessungen mache oder vielleicht Vogelstimmen aufnehme“, erzählt der 41-Jährige. Doch nichts dergleichen: Der Thüringer prüft die Statik aufrechtstehender Grabsteine. Diese Woche war er an Delitzschs letzten Ruhestätten unterwegs. Sich in die Öffentlichkeit rücken möchte er nicht – aus persönlichen Gründen. Doch seine Aufgabe könnte öffentlicher kaum sein. Sie ist zum Schutze der Allgemeinheit auf allen deutschen Friedhöfen Pflichtprogramm.

„Es gab andernorts schon schwere Verletzungen, weil Grabmale umgekippt sind. Deshalb wurden die Statikprüfungen eingeführt“, erklärt Monika Klos, Chefin der Delitzscher Friedhofsverwaltung. Kontrolliert werden Steine ab einer Höhe von 50 Zentimetern. Bis zu 30 Kilogramm seitlichen Druck müssen sie aushalten, ohne zu wanken. Steine ab 70 Zentimeter sogar 50 Kilo. „Das mag viel klingen, ist aber realistisch. Oft passierten Unfälle gerade mit älteren Personen, die sich bei der Grabpflege am Stein hochgezogen haben“, schildert Klos. Kommt das schwere Teil erst mal ins Kippen, gibt es kein Halten mehr.

Nachdem die Friedhofsverwaltung lange Zeit in Eigenregie prüfte, beauftragt sie seit 2010 einen externen Sachverständigen, der Auftraggeber-Kommunen in ganz Mitteldeutschland hat. Einmal jährlich schaut er vorbei, kontrolliert Stein für Stein in Sekundenschnelle. „Ich setze das Gerät an und baue durch Anlehnen immer mehr Druck auf, bis die elektronische Messung 30 beziehungsweise 50 Kilo anzeigt. Dadurch gibt’s auch kein Überdrücken“, sagt der 41-Jährige. Bewege sich der Stein nur ganz leicht, sei er je nach Wetterlage tolerant: bei durchweichtem Boden mehr als bei Trockenheit.

961 Grabmale ist er am Dienstag abgeschritten – in der Dübener Straße und in den Friedhofsaußenstellen Döbernitz und Selben. 15 Exemplare waren fehlerhaft. Sie tragen jetzt einen grünen Warnaufkleber, der den Eigentümern – also den Angehörigen – signalisieren soll: Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Die Betroffenen müssen sich um die fachgerechte Befestigung kümmern. Das kostet. Und stößt nicht immer auf Verständnis. „Die allermeisten beheben das Problem aber binnen kurzer Zeit“, hat Monika Klos beobachtet.

Zumal die Zahl großer aufrechter Grabmale auf den Delitzscher Friedhöfen stetig sinkt. Im Jahr 2013 waren noch mehr als 1200 Steine zu kontrollieren, dieses Jahr rutschte die Gesamtzahl erstmals unter 1000. Viele ältere Exemplare sind verschwunden – und damit gerade jene, die besonders kritisch sind, weil nach Klos’ Erfahrung vor Jahrzehnten weniger massiv verankert und gedübelt wurde als heutzutage. Insofern nimmt auch die Beanstandungsquote ab: von 2,7 Prozent im Jahr 2013 auf aktuell etwa 1,4 Prozent.

„Bei den Bestattungsformen geht die Nachfrage inzwischen eher zu Urnengemeinschaften und damit weg von individuellen Gräbern“, stellt die Friedhofschefin fest. „Angehörigen fehlt oft die Zeit für die Grabpflege, zum Beispiel, weil sie weit weg wohnen.“ Erdbestattungen, verbunden mit großen Grabmalen, seien zur Seltenheit geworden. Etwa 20 pro Jahr kommen zusammen – bei insgesamt rund 300 Beerdigungen.

Von Kay Würker

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