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Delitzsch Delitzscher Gartenvereine bangen um Ein-Euro-Jobber
Region Delitzsch Delitzscher Gartenvereine bangen um Ein-Euro-Jobber
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Der Kleingartenverband befürchtet, keine Projekte mehr für Hartz-IV-Empfänger genehmigt zu bekommen. Quelle: dpa
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Der Kleingartenverband hat nun Sorge, nächstes Jahr ganz auf diese Hilfe verzichten zu müssen. Beim Einsatz der Arbeitsuchenden spielen mehrere positive Aspekte eine Rolle: Leere Parzellen werden in Schuss und sauber gehalten, die Helfer bekommen eine sinnvolle Aufgabe, ernten Wertschätzung. Und am Ende profitiert die Tafel, die frisches Obst und Gemüse an Bedürftige verteilen kann", argumentiert Bernd Wolfram, der im hiesigen Kleingartenverband die Geschäfte führt. Zwischen drei und vier Tonnen Obst und Gemüse seien dieses Jahr geerntet und der Tafel zur Verfügung gestellt worden.

Im Oktober ist die vom Jobcenter Nordsachsen geförderte sogenannte "Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwands-Entschädigung (AGH)", landläufig als Ein-Euro-Job-Maßnahme bezeichnet, ausgelaufen. Mit dem, was die Ein-Euro-Jobber in dieser Zeit geleistet haben, sind sowohl die Vereine und die Tafel als auch die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) als Träger der Maßnahme zufrieden.

Und der Bedarf sei nach wie vor groß. "Mir liegen bereits neue Anträge von Vereinen für das kommende Jahr vor", berichtet Wolfram. Mit Bernd Richter von der Fortbildungsakademie ist er sich deshalb einig, dass diese Beschäftigung von Menschen, die aufgrund ihrer Vermittlungshemmnisse auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, fortgeführt werden sollte. "Fast alle, die diesmal in den Gärten eingesetzt waren, würden nächstes Jahr gern weitermachen. Das haben sie uns bei der Verabschiedung gesagt", schildert Richter. Und das aus gutem Grund: Sie fühlten sich dazugehörig, "weil es vor allem zwischenmenschlich stimmte", weiß Wolfram.

Die Chance, dass die betroffenen Hartz-IV-Empfänger 2016 erneut in Kleingartenanlagen tätig werden können, tendiere aber wegen erschwerter Zugangsbedingungen gegen null, so der Geschäftsführer des Kleingartenverbandes. Das Jobcenter teilt auf LVZ-Anfrage diesbezüglich mit: "Teilnehmer dürfen innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren nicht länger als insgesamt 24 Monate in Arbeitsgelegenheiten zugewiesen werden. Weder der erwerbsfähige Hilfebedürftige hat einen Anspruch auf Zuweisung in eine bestimmte Maßnahme noch hat der Maßnahmeträger einen Rechtsanspruch auf Zuweisung eines bestimmten erwerbsfähigen Hilfebedürftigen." Ziel einer AGH sei die (Wieder-)Herstellung und Aufrechterhaltung der Beschäftigungsfähigkeit von Personen mit Vermittlungshemmnissen. AGH dienten mittelfristig als Brücke zum allgemeinen Arbeitsmarkt. Als Alternative zu den bisherigen AGH-Maßnahmen kündigt das Jobcenter eine Reihe von neuen Projekten an, die gezielt für bestimmte Betroffenen-Gruppen zum Einsatz kommen sollen.

Thomas Steingen

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