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Delitzsch Delitzscher Händler wie Kathrin Wenzel sorgen sich
Region Delitzsch Delitzscher Händler wie Kathrin Wenzel sorgen sich
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10:00 08.10.2018
LVZ-Redakteurin Christine Jacob auf einen Kaffee zu Gast bei Kathrin Wenzel, die in der Breiten Straße lebt und arbeitet – heißen Kaffee gibt es hier immer. Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

Aufregende Themen gibt es immer – und Menschen, die sich einmischen, kritisieren, etwas ändern wollen. Die LVZ nimmt sich die Zeit und hört Ihnen zu. In der Serie „Auf einen Kaffee mit“ stellen wir Sie und Ihre Themen in loser Folge vor. Wir bringen den Kaffee gerne mit – und wollen von Ihnen hören, was Sie bewegt. Heute: Kathrin Wenzel, Delitzscher Unternehmerin und Marktanrainerin.

Keine falschen Vorwürfe

Eigentlich soll der Marktplatz einer Stadt ihr Zentrum sein. Der in Delitzsch ist in letzter Zeit vor allem Zentrum von Diskussionen. Zu wenig Leben, zu wenig Angebote, der Handel dümpelt, tote Hose, die Stadt muss mehr machen, heißt es immer wieder. Kathrin Wenzel sieht zumindest den letzten Punkt anders. „Wer immer nur der Stadt Vorwürfe zum Handel macht, der denkt nur von der Wand bis zur Tapete“, sagt sie. Die 49-Jährige kennt die Marktszenerie und die Delitzscher Handelslandschaft bestens. Sie scherzt selbst, nie habe sie außerhalb der Altstadtmauern gelebt. Seit 1994 stand sie im familieneigenen Sportgeschäft an der Ecke von Breiter Straße, Markt und Stadtkirche hinter dem Ladentisch, heute verkauft sie an dieser Stelle Zeitungen, Lottoscheine und Zigaretten, heißen Kaffee und kleine Snacks sowie frische Backwaren. Diesen Laden hat sie 2010 eröffnet.

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Nach der Wende brummten die Geschäfte noch, dann waren sie rückläufig. Die grüne Wiese und der Internethandel hätten dem Sportgeschäft so zugesetzt wie allen Händlern in Delitzsch, erinnert sich die Unternehmerin. „Also habe ich mich entschlossen, was kleineres und was anderes zu machen.“ Es sei vor allem der Delitzscher selbst, der den Handel in seiner Stadt beeinflussen könne – indem in den lokalen Läden und nicht im Internet eingekauft wird, indem man sein Geld in den inhabergeführten kleinen Läden und nicht nur bei den großen Ketten ausgibt. „Der Delitzscher kann den Handel in seiner Stadt unterstützen“, so Kathrin Wenzel.

Breite Straße soll offen bleiben

Die Erkenntnis setzt sich in der Bevölkerung leider noch nicht so durch. Die Breite Straße ist in den vergangenen Jahren trister geworden, in einige lange leerstehende Läden sind schließlich Büros eingezogen. Doch bei Kathrin Wenzel läuft es gut, es herrscht gerade am Vormittag ein ständiges Kommen und Gehen. Viel beigetragen habe die Öffnung der Breiten Straße für den Verkehr vor nun schon fast acht Jahren. Anwohner beklagen immer wieder den Durchgangsverkehr, dem Pflaster tut er auch nicht gut, doch Kathrin Wenzel sagt: „Um Himmels Willen, macht bloß die Straße nicht wieder zu, das wäre ihr Tod!“

Der Delitzscher Frischemarkt leidet schon seit Jahren unter der spärlichen Anzahl von Besuchern. Quelle: Wolfgang Sens

Wenngleich die Stadt nicht zaubern könne, wie die 49-Jährige gerne sagt, könne doch einiges getan werden, um den Handel auf dem und um den Markt zu beleben. So sei der Adventsmarkt sehr schön geworden. „Mehr Themenmärkte wären schön“, sagt die Händlerin. Daran arbeitet die Stadtverwaltung bereits, verfolgt mit „Generation Delitzsch“ Schritt für Schritt neue Ideen für den Markt. Von der Idee, auf dem Platz einen Spielplatz zu bauen, hält Kathrin Wenzel allerdings nichts. „Wahrscheinlich würde es damit mehr ruhestörenden Lärm am Abend geben, als dass tagsüber gespielt würde“, vermutet die Delitzscherin angesichts so mancher Vandalismusmeldung auf anderen Delitzscher Spielplätzen. Und auch von der Idee manch anderer Anwohner, den Delitzscher Markt zu Hälfte zu einem Parkplatz zu machen, hält sie nichts: „Parkplatz war er früher mal und das sah furchtbar aus!“

Von Christine Jacob

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